Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.01.2019


Innsbruck

Zerreißprobe, Machtkampf, Spaltung: Tag der Entscheidung in der Stadt-VP

In der Innsbrucker ÖVP fallen heute die Würfel. Landesparteichef Platter fordert ein Signal für die Zukunft.

Ratlos: Mittlerweile geht es auch um Vizebürgermeister Franz Gruber. Der Ruf nach einer generellen Erneuerung in Innsbrucks VP wird laut.

© Foto TT / Rudy De MoorRatlos: Mittlerweile geht es auch um Vizebürgermeister Franz Gruber. Der Ruf nach einer generellen Erneuerung in Innsbrucks VP wird laut.



Innsbruck – Wohl heute, wenn das terminlich nicht klappt, dann aber spätestens morgen kommt es im innerparteilichen Konflikt der Innsbrucker ÖVP zum Showdown. Wie berichtet, geht es um die Ablöse von Klubobmann Johannes Anzengruber. Anzengruber zeigte sich gestern „immer für Gespräche“ offen. Er will an seinem Kurs, eine „Politik von heute“ zu machen, aber festhalten. Sofern er das innerparteilich noch machen kann. Schließlich putscht die Mehrheit der VP-Teilorganisationen gegen ihn und fordert eine „Lösung“ der Problematik. Dazu Anzengruber: „Ein Parteiaustritt steht nicht im Raum.“ Er sei sich des Wahlauftrags, den er erhalten habe, bewusst, und wolle die VP in Innsbruck dahin führen, wo sie hingehör­e.

Ausgeschlossen ist eine Spaltung nicht. Allerdings: Landesparteichef und Landeshauptmann Günther Platter will nicht mehr länger zusehen. Ihm reicht es, wie er am Sonntag gegenüber der TT betonte. „So kann es nicht mehr weitergehen“, fordert er ein klares Signal für die Zukunft. „Nur darum geht’s, dessen müssen sich die handelnden Akteure bewusst sein. Und Junge können auch Fehler machen.“ Damit legt Platter der alten Garde um GR Andreas Wanker und Vizebürgermeister Franz Gruber recht deutlich den Rückzug nahe.

Ähnlich argumentiert Seniorenbundchef Helmut Kritzinger, der sich hinter Anzengruber stellt. „Eine Erneuerung mit alten Schuhen wird nicht funktionieren.“ Der scheidend­e Stadtparteiobmann Franz Gruber, der sich aber nach wie vor an seinem Amt als Vizebürgermeister festkrallt, hofft auf eine rasche Klärung. Neben den Gemeinderatsmitgliedern möchte er auch die Obleute der Bünde zu der heutigen Sitzung einladen. Gestern suchte Gruber noch nach einem Termin. Inhaltlich wollte er dem Treffen nicht vorgreifen, es solle aber mit einer „Entscheidung“ enden.

Hauptkritik der Bünde an Anzengruber ist der interne Führungsstil und Entscheidungen, die „nicht auf breiter Basis“ getroffen wurden. Für Gruber, der einmal mehr betonte, dass er sein Amt als Obmann der Stadtpartei im Herbst zurücklegen werde, sind die öffentlich ausgetragenen Diskussionen „kein gutes Bild“ vor der Europa-Wahl. (mw, pn)