Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.01.2019


Exklusiv

Lücken in der Asyl-Betreuung in Tirol: Betreuer schlagen Alarm

Die arg gebeutelte Flüchtlingsbetreuungs-GmbH wirft Fragen nach der Sicherheit für die Bevölkerung, für die Mitarbeiter und die Asylwerber auf. LR Fischer beruhigt.

Die Zahl der Asylwerber in Österreich ist von 88.340 im Jahr 2015 auf 12.529 letztes Jahr gesunken.

© APADie Zahl der Asylwerber in Österreich ist von 88.340 im Jahr 2015 auf 12.529 letztes Jahr gesunken.



Von Anita Heubacher

Innsbruck — Nach den Morden an einem 21-jährigen Vorarlberger in der Innsbrucker Bogenmeile und an einer 23-jährigen Syrerin in einem Asylwerberheim in der Trientlgasse wandten sich Mitarbeiter der Flüchtlingsbetreuung mit einem Hilferuf an die TT. Die Aufregung innerhalb der Tiroler Sozialen Dienste GmbH, TSD, ist groß, denn beide Tatverdächtige sind Asylwerber.

Ziel der bei der TT vorstellig gewordenen Mitarbeiter ist, dass innerhalb der Flüchtlingsbetreuung der Professionalisierungsgrad steigen möge. Es brauche einen realistischen Blick auf die zu betreuenden Asylwerber und eben der fehle großteils bis heute in der TSD-Zentrale. Aus dieser Grundhaltung würden das Aggressions- und Gefahrenpotenzial als auch die explosive Mischung der Asylwerber unterschätzt. „Unter den Asylwerbern herrscht ein gepflegter Rassismus. Da stehen sich Schwarzafrikaner und Araber feindselig gegenüber", erzählt ein Mitarbeiter. „Dazu kommt, dass viele Asylwerber psychisch krank sind. Andere sind in ihrer Heimat kampferprobt." Durch die Flüchtlingswelle 2015 habe es einen Preisverfall im Schlepperwesen gegeben, dadurch seien anteilsmäßig viel mehr schlecht gebildete, sozial sehr schwache und kranke Menschen nach Tirol gekommen.

Es gehe um die Sicherheit der Bevölkerung, der Mitarbeiter und der Asylwerbe­r, so der Tenor der TSDler. 400 Asylwerber müssen pro Jahr durchschnittlich psychologisch oder medizinisch betreut werden. Posttraumatische Störungen, Depressionen oder auch chronische Krankheiten wie Hepatitis oder Krebs würden behandelt, bestätigt das Büro der grünen Soziallandesrätin Gab­riele Fische­r. Sie hat die TSD von ihrer Vorgängerin, der grünen Landesrätin Christine Baur, „geerbt". Zu den am Tisch liegenden Abläufen in der Asylwerberbetreuung wollte Fischer kein Interview geben. Die Fragen wurden per E-Mail übermittelt.

Frau Landesrätin, TSD-Mitarbeiter erklären, dass fremdgefährdende Personen mit psychiatrischem Befund in der Obdachlosigkeit gelandet seien, weil kein Heim zu finden gewesen sei, das diese Menschen unterbringen wollte. Stimmt das?

Fischer: Bei einem psychiatrischen Befund mit Fremdgefährdung ist eine psychiatrische Begleitung notwendig, welche nicht von der TSD GmbH und dem Betreuungspersonal geboten werden kann, sondern der Psychiatrie. Anschließend wird individuell durch das Case-und Care-Management-Team die Betreuungsstruktur, also Heim, Anbindung an die Psychiatrie oder mobile Pflege für die Klienten erarbeitet. Erschwert werden die Situationen für die Klienten durch lange Asylverfahren und dadurch ungewisse Perspektiven.

Männliche Asylwerber mit einer einstweiligen Verfügung wurden und werden laut TSD-Mitarbeitern bezüglich ihres tatsächlichen Aufenthalts nicht kontrolliert. So konnte ein 30-jähriger irakischer Asylwerber ungehindert von Osttirol nach Längenfeld fahren und dort seine Frau attackieren, ohne dass der Heimleiter in Roppen oder der Sicherheitsdienst Bescheid wusste. Der Betreuer in Osttirol wusste auch nicht, wen er da zu betreuen hatte. Wie will man das künftig verhindern?

Fischer: In diesem Fall wurde von Seiten der TSD GmbH ein Hausverbot verhängt und keine polizeiliche Wegweisung. Diese Informationen wurden dokumentiert und weitergeleitet. Ein Hausverbot kann allerdings niemanden daran hindern, sich frei in Tirol zu bewegen, zudem hatte der Täter terminliche Verpflichtungen in Innsbruck. Trotzdem werden die Abläufe und Handlungsanweisungen bereits intern evaluiert, um eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten ausfindig zu machen und umzusetzen.

Der Sicherheitsdienst in der Trientlgasse, wo die 23-jährige Syrerin ermordet wurde, konnte laut TSD-Mitarbeitern nicht einmal auf das WC gehen. Sobald er einen Rundgang machte, war die Kontrolle am Tor dahin. Jetzt, nach dem Mord, will man drei Personen dort platzieren. Hat man bei der Sicherheit zu sehr gespart?

Fischer: Bei der Sicherheit wurde und wird nicht gespart. Das Weiterführen des Angebots wurde mit der Polizei abgestimmt und wird laufend evaluiert. Momentan sind in der Nacht zwei Personen des Sicherheitspersonals in der Trientlgasse vor Ort.

Die abgedruckten Fragen sind nur ein Auszug.

Im Fall Längenfeld liegt laut TSD-Mitarbeitern sehr wohl eine einstweilige Verfügung vor.