Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.01.2019


Innsbruck

ÖVP-Neo-Klubobmann Christoph Appler: „Das Bild war kein gutes“

Nach den tagelangen Turbulenzen in der Innsbrucker ÖVP will Appler “das Schiff nun in ruhige Gewässer“ führen. Er muss aber auch Kritiker überzeugen.

Demonstrative Einigkeit am Dienstagabend: Vize-BM Franz Gruber, Christoph Appler und Hannes Anzengruber (v. l.).

© ÖVPDemonstrative Einigkeit am Dienstagabend: Vize-BM Franz Gruber, Christoph Appler und Hannes Anzengruber (v. l.).



Von Marco Witting

Innsbruck – Eine Nacht mit vielen SMS und wenig Schlaf. So fasst der neue starke Mann der Innsbrucker ÖVP die ersten Stunden nach seiner Kür am Dienstagabend zusammen. Gestern drehte Christoph Appler seine erste Runde durch die Bünde der Volkspartei. In den kommenden zwei Wochen will er „die Fraktion und den Klub zueinanderführen“. Neben vielen Glückwünschen gibt es hinter den Kulissen aber auch einiges an Kritik.

Davon hat auch der neue Klubobmann (sein Stellvertreter ist noch nicht fixiert) und geschäftsführende Stadtparteiobmann gehört. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, diese zu überzeugen“, sagt Appler. Er zeigt sich zudem überrascht, von „vielen positiven Nachrichten“, auch aus der Stadtkoalition. Große Ansagen für die inhaltliche Arbeit wollte Appler vorerst noch nicht machen. Erst gelte es, das „Schiff wieder in ruhige Gewässer“ zu führen, wie er sagt. Man leiste inhaltlich gute Arbeit in der Stadt. Vergesse aber oft, das zu kommunizieren. Apropos Kommunikation: Das Fehlen selbiger wurde Vorgänger Johannes Anzengruber unter anderem vorgeworfen. „Ich möchte alle einbinden und mit allen reden“, sagt Appler. Es sei aber klar, dass er als Klubobmann in der Verantwortung stehe, Vorschläge zu machen. Nach den tagelangen Turbulenzen, internen Scharmützeln gesteht auch Appler ein, dass das „Bild, das wir abgegeben haben, kein gutes war“.

Letztlich dürfte wohl ein Bündnis von Wirtschafts-, Bauern- und Seniorenbund die Rochade herbeigeführt haben. Möglich machte sie dann GR Birgit Winkel, die sich vorerst beurlauben ließ. Damit kann Appler in den Gemeinderat aufrücken. Die Rolle der Landespartei versuchte die Innsbrucker VP nach der Sitzung des Parteivorstands herunterzuspielen. Sie dürfte aber letztlich doch sehr groß gewesen sein. Appler wollte auch gestern nicht sagen, ob er beim Stadtparteitag am 24. Juni als Obmann antritt. „Es gilt jetzt gemeinsam mit Johannes Anzengruber den Parteitag vorzubereiten. Alles andere ist vorerst kein Thema.“

Kritik kommt erwartungsgemäß von der Opposition im Gemeinderat. Von einer Runderneuerung könne keine Rede sein, sagt FP-Klubobmann Markus Lassenberger. „Es ist ein erbärmliches Schauspiel, das die einstige Bürgermeisterpartei in Innsbruck liefert.“ Kritik gibt es an Vize-BM Franz Gruber und GR Andreas Wanker. Diese bezeichnet Lassenberger als „Verlierertruppe“.

GR Gerald Depaoli (Gerechtes Innsbruck) spottete über einen „historischen Höttinger-Nudl-Kompromiss“. Depaoli bezweifelt, dass der Burgfriede lange halten werde.