Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.01.2019


Tirol

Hochoetz/Kühtai: Konzept wird durchleuchtet, Kritik ebbt nicht ab

Für LHStv. Felipe ist bei Hochoetz/Kühtai auch die Kommunalpolitik entscheidend. Finanzierung und Gerber-Vergleich stehen im Kreuzfeuer.

Die Skischaukel würde ein Gebiet bedrohen, das bis dato Skitourengehern vorbehalten ist, lautet die Kritik. Unberechtigt, so die Projektanten.

© EstermannDie Skischaukel würde ein Gebiet bedrohen, das bis dato Skitourengehern vorbehalten ist, lautet die Kritik. Unberechtigt, so die Projektanten.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Was die Projektwerber der geplanten Skiverbindung Hochoetz/Kühtai am Dienstag als eine Art „Inhaltsverzeichnis“ für die noch auszuarbeitende Umweltverträglichkeitserklärung bezeichneten, ist laut dem Büro der ressortzuständigen LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) an die 160 Seiten schwer. Die Rede ist von jenem „Umweltverträglichkeitskonzept“, das die Bergbahnen Hochoetz und Kühtai bereits im Land deponiert haben. Die betreffende Fachabteilung habe nun den Auftrag, bis Anfang März hierzu eine Stellungnahme abzugeben. Dabei werde man sich „ganz genau anschauen“, ob und in welcher Form sich dieses Konzept von jenem Projekt unterscheide, das bereits 2017 zur Vorprüfung gemäß § 10 Seilbahnprogramm eingereicht worden war. Damals wurde es grundsätzlich positiv bewertet, was sich schließlich auch in der Verankerung im schwarz-grünen Regierungsprogramm niederschlug. Diese landhausinterne Beurteilung wolle man abwarten, heißt es aus Felipes Büro. Klar sei aber auch, dass man einen Blick auf die noch ausstehenden Gemeinderatsbeschlüsse zur Liftehe in Haiming und Silz haben werde. Die Gemeinde Oetz hat bereits einen einstimmigen Beschluss gefasst. Gleichzeitig haben gut 11.000 Gegner eine Petition dagegen unterschrieben. Sie fordern den Schutz der Feldringer Böden und des Schafjochs. Das beliebte Tourengebiet der Feldringer Böden bleibe vom Projekt unberührt, versicherten die Projektanten am Dienstag.

Dass Mario Gerber, VP-Tourismussprecher und Kühtaier Hotelier, in diesem Projekt ein­e der wenigen, wenn nicht die derzeit einzige sinnvolle Verbindung in Tirol sieht – die TT berichtete –, soll gestern in einschlägigen Kreisen für Irritationen gesorgt haben. Aber auch politisch bekam Gerber hierfür sein Fett ab. So versicherte FP-Landeschef Markus Abwerzger, dass es noch weitere verfolgenswerte Liftzusammenschlusspläne geb­e. Das Projekt selbst könn­e er mangels Informationen noch nicht beurteilen und rät den Projektwerbern deshalb, damit durch die Landtagsklubs zu touren. Dass Gerber mit seinem Engagement für Hochoetz/Kühtai auch ein „starkes persönliches Interess­e“ verfolge, steht für NEOS-Klubchef Dominik Oberhofer außer Zweifel: „Mit Gerber haben die Projektentwickler einen mächtigen Lobbyisten gefunden, der persönlich gut bewandert ist, wenn es darum geht, öffentliche Förderungen für Skigebiete zu lukrieren.“ Dass das Projekt noch nicht ausfinanziert sei, lässt bei Oberhofer aber die Alarmglocken klingen. Er will verhindern, dass auch nur ein Cent an Steuergeld hierfür freigegeben wird.

Ablehnung kommt auch von der Liste Fritz. LA Markus Sint sieht die Verbindung nur als ersten Schritt in Richtung eines neuen Bettenbooms in Oetz und auch der möglichen späteren Forderung nach einer Talabfahrt ins Inntal. Für Sint steht LH Günther Platter (VP) und dessen neues Credo „Klasse statt Masse“ vor einer ersten Bewährungsprobe.

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