Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Bezirk Reutte

Fernpassproblematik: Spezielles Hallo für Diskutanten

Auf der Bezirkshauptmannschaft Reutte trat ein erstmals einberufener Bürgerrat zusammen, um ein parteiunabhängiges Feedback zur Fernpassproblematik zu geben.

Empfangskomitee vor der BH Reutte: Annemarie Gigl, Christine Schneider, Christoph Scheiber, Regina Karlen, Siegfried Kerle und Walter Bachlechner (v. l.).

© Mittermayr HelmutEmpfangskomitee vor der BH Reutte: Annemarie Gigl, Christine Schneider, Christoph Scheiber, Regina Karlen, Siegfried Kerle und Walter Bachlechner (v. l.).



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Freitagnachmittag ging der erste vom Land Tirol initiierte „BürgerInnenrat“ in der Bezirkshauptmannschaft Reutte über die Bühne. Auf Vorschlag der beiden Landeshauptmannstellvertreter Ingrid Felipe (Grüne) und Josef Geisler (VP) waren Einheimische im Herbst 2018 als Teil der Fernpassstrategie von einem privaten Institut telefonisch kontaktiert worden, ob sie in einem Workshop ihre Sicht der Dinge oder gar Vorschläge zur Verkehrsproblematik an der B179 einbringen könnten – quasi eine Außen- und Nicht-Expertensicht.

Gestern war es für 13 Freiwillige so weit. Der Bürgerrat trat zusammen, gecoacht von Mitarbeitern der Firma „­wikopreventk“. Die Freiwilligen mussten sich am Eingang der Bezirkshauptmannschaft Reutte dann an Vertretern von Bürgerinitiativen vorbeischlängeln, die den Termin nutzten, um öffentliche Aufmerksamkeit für ihr Top-Anliegen zu bekommen – die Verhinderung des Baus des Fernpassscheiteltunnels.

Unter ihnen auch Regina Karlen, die Bezirkssprecherin der Grünen – und damit „Teil“ des Tiroler Koalitionspaktes zwischen Volkspartei und Grünen zum Bau genau dieses Fernpassscheiteltunnels. Karlen versuchte dieser Zwiespältigkeit in einer Erklärung gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Um allen Spekulationen vorzugreifen, möchte ich klar sagen, dass es keine Unstimmigkeiten zwischen den Landes- und Bezirksgrünen gibt.“ Im Koalitionsabkommen stehe, dass der Bau des Scheiteltunnels das Lkw-7,5-Tonnen-Limit nicht zu Fall bringen dürfe und alle Kriterien der Alpenkonvention eingehalten werden müssten. „Und ich bin Teil der Bürgerinitiative ,Scheiteltunnel – Nein Danke‘“. Dieses teure und gefährliche Projekt müsse endlich fallen, der Bau eines Bahntunnels angegangen werden. Dem stimmte Christoph Scheiber, Planseebetriebsrat und SPÖ-Vertreter, vollinhaltlich zu: „Ziel muss es sein, in 45 Minuten mit dem Zug nach Innsbruck zu kommen.“ Für die Bürgerinitiative Alpentransit Außerfern sagte Siegfried Kerle, dass der Tunnel bei Volllast gar nichts bringe und bei wenig Verkehr drei Minuten Zeitersparnis. Die Initiative „Fernpassscheiteltunnel Nein Danke!“ war durch Walter Bachlechner vertreten: „In den letzten fünf Jahren hat der Lkw-Verkehr um 30 Prozent zugenommen, beim Pkw waren es 20.“

Von der TT darauf angesprochen, was die Chefin der Volkspartei im Außerfern von der grünen Doppelstrategie (im Land dafür, im Bezirk gegen den Tunnel) hält, meinte Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann: „Das ist ein innergrünes Problem. Das Koalitionsabkommen und der weitere Weg ist jedenfalls klar.“ Ledl-Rossmann hält es „für befremdlich und entbehrlich“, so einen Auftritt vor Leuten zu praktizieren, die sich für einen Bürgerrat zur Verfügung gestellt haben.

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