Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.02.2019


Innsbruck

IVB-Chef Baltes: ,,Von uns schläft derzeit keiner gut“

Eine Woche nach dem Start der neuen Straßenbahnlinien in Innsbruck gibt es weiter Probleme. IVB-Chef Baltes ist zuversichtlich, dass der Fahrplan bald „stabil“ ist und das Kundenvertrauen zurückgewonnen werden kann.

Die Tramlinien bleiben der Aufreger in Innsbruck. Gestern hielten sich die Verspätungen in Grenzen.

© Vanessa Rachlé/ TTDie Tramlinien bleiben der Aufreger in Innsbruck. Gestern hielten sich die Verspätungen in Grenzen.



Von Marco Witting

Innsbruck – Eine Woche ist die neue Tram mit den Linien 2 und 5 in Innsbruck mittler­weile in Betrieb. Eine Woche voll Ärger und Verspätungen, mit übervollen Garnituren, Problemen und einer Krisensitzung. Der „Chaos-Start“ hat Spuren hinterlassen. Bei den Fahrgästen. Und beim Personal der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB). Deren Chef, Martin Baltes, war gestern froh, dass „es von der Früh weg relativ stabil“ gelaufen sei. Nachdem es tags zuvor (auch nach einem Stromausfall) wieder zu massiven Verzögerungen gekommen war.

Baltes erklärte, man arbeite fieberhaft an den nötigen Verbesserungen. „Es haben sich viele Menschen darüber geärgert und wir haben einen Vertrauensverlust, der uns natürlich lange beschäftigen wird.“ Andererseits hätte man sehr viel Arbeit im Vorfeld in den Start gesteckt und dies sei von Experten geschehen, die die vergangenen Großprojekte der IVB (etwa die Rad-WM) bestens abgewickelt haben. Klar sei, dass es neben unvorhersehbaren Problemen (Falschparker und Wetter) auch zum Start Kinderkrankheiten gebe, die nur im Praxistest ausgemerzt werden können. „Wir brauchen diese Lernphase“, sagt Baltes, der auf komplexe Schaltpunkte bei den Ampelregelungen verweist. Eine Verzögerung von 30 Sekunden beim Aus- und Einsteigen führe zu verpassten Grünphasen und häufe sich dann in weiterer Folge eben an. Neben dem Drehen an vielen Stellschrauben will Baltes „den Fahrplan prüfen“ und die Feinjustierung in Abstimmung mit der Stadt weiter fortsetzen. Außerdem solle das IVB-Personal „entlastet“ werden. Denn dieses hätte sich in den vergangenen Tagen durch „verbale Attacken“ vieles anhören müssen. Der IVB-Chef zur massiven Kritik: „Von uns schläft momentan keiner gut.“ Insgesamt müsse das System zuverlässiger werden. Der gestrige Tag, zu Mittag waren die Verspätungen relativ klein, gebe Anlass zur Hoffnung.

„Das System muss zuverlässiger werden. Wir können so etwas aber nur in der Praxis ausmerzen.“
Martin Baltes
 (IVB-Chef)
„Das System muss zuverlässiger werden. Wir können so etwas aber nur in der Praxis ausmerzen.“ Martin Baltes
 (IVB-Chef)
- TT/Julia Hammerle

Einen Zeitdruck, bis wann das System reibungslos laufe, könne und wolle er nicht aufbauen, sagt Baltes. Nicht nur die Verspätungen haben für Unmut gesorgt. Auch die noch nicht gelieferten Garnituren des Herstellers Bombardier sorgten für Kritik. Von den fehlenden Zulassungen für die sechs gelieferten Garnituren wisse man seit November, sagt Baltes. Es gebe einen neuen Liefer- und Zulassungsplan. Demnach sind die neuen Garnituren ab Ende März bereit. Bis Ende des Jahres sollen alle 20 Fahrzeuge geliefert sein. Und natürlich sei eine Pönale für die verspätete Lieferung vertraglich vereinbart, sagt der IVB-Chef. Auf die aktuelle Situation hätten die verspäteten Lieferungen keinen Einfluss gehabt.

Ungebrochen ist weiter auch die politische Debatte um den Tram-Start. GR Reinhold Falch (Seniorenbund) kritisierte nicht nachvollziehbare Fahrplanänderungen, die vor allem auf Kosten der älteren Mitmenschen gingen. Die SPÖ wiederholte ihren Forderungskatalog für den öffentlichen Nahverkehr.