Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.02.2019


Exklusiv

Airbnb zieht in Innsbruck immer mehr Wohnraum ab

Ein neues Geschäftsmodell sorgt in Innsbruck für Aufregung. Hotellerie-Chef Gerber schließt in letzter Konsequenz Vermietungsverbot nicht aus.

(Symbolfoto)

© AFP(Symbolfoto)



Von Peter Nindler

Innsbruck – Während die Politik in Innsbruck und im Land Tirol wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt, ziehen touristische Buchungsplattformen wie Airbnb immer mehr Wohnraum ab. Vor allem in Innsbruck. 1200 bis 1500 Angebote gibt es täglich in der Landeshauptstadt, jetzt werden sogar bewusst Wohnungen angemietet und über Airbnb als Gästezimmer angeboten. Und das, obwohl Wohnraum in der Landeshauptstadt knapp und leistbares Wohnen für Studenten bis hin zu Familien vielfach ein Wunschtraum bleibt.

„Diese nagelneue Maisonettewohnung mit über 90 m² bietet für bis zu acht Personen alles, was man für einen Aufenthalt in Innsbruck benötigt“, heißt es etwa in einem aktuellen Angebot aus Innsbruck auf Airbnb. „Eine im November 2016 fertiggestellte, gut gelegene Wohnanlage“ ist überdies ein hervorragender Ausgangspunkt für einen Aufenthalt in Innsbruck. Hinter dem Anbieter stecken eine Tiroler Immobilien-Investmentfirma und eine ausgeklügelte Logistik. Alles soll schließlich wie am Schnürchen klappen. Bis hin zur Schlüsselübergabe durch so genannte Stadtviertel-Beauftragte – meist Studenten. Die Tourismusabgabe wird jedenfalls eingehoben.

Der Geschäftsführer der Firma versteht die Aufregung nicht, „weil wir vor allem leerstehende Wohnungen aus dem Altbestand im Angebot haben“. Wie viele, das möchte er nicht sagen. Seine Erklärung gibt allerdings einen weiteren tiefen Einblick in den Immobilienmarkt in Innsbruck. Um den Leerstand von 2000 bis 3000 Wohnungen buhlen schließlich die öffentliche Hand, die ihn mit einer Leerstandsabgab­e mobilisieren möchte, und, wie sich jetzt herausstellt, Immobilien­firmen durch das An- und wechselnde Vermieten auf den Buchungsplattformen.

Generell wächst der Unmut in der Bevölkerung über Airbnb. In einem Mail an die Stadt Innsbruck beschwert sich etwa ein Anrainer: „Wenn als Wohnanlagen gewidmet­e Wohnungen zu Airbnb-Hotelzimmern verkommen, merkt man das derzeit täglich in der Innsbrucker ,XXX-Straße‘. Lärm- und Lichtbelästigungen, lautes Feiern, Zerschlage­n von Flaschen, täglicher, wöchentlicher Gästewechsel in zwei Wohnungen ...“ Das alles erfolgt laut Beschwerde in einer Neubau-Anlage. Werden bereits Wohnanlagen für die spätere Airbnb-Nutzung gebaut?

Während das Land über die Registrierungspflicht für Vermieter im Aufenthaltsgesetz und über zeitliche Beschränkungen der Vermietung nachdenkt, hält der Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Mario Gerber eine bundesweite Regelung für sinnvoller. „Entscheidend ist, dass wir zu den Daten kommen.“ Gerber lehnt Airbnb nicht pauschal ab, „weil es ein zusätzliches Angebot ist“. Nur darf es nicht zulasten des dringend benötigten Wohnbedarfs gehen. „Und es muss Waffengleichheit bei den Abgaben herrschen.“ Den Sicherheitsaspekt will er ebenfalls nicht außer Acht lassen. Sollte es trotzdem zu keiner Datenherausgabe seitens Airbnb kommen, schließt Gerber letztlich ein Vermietungsverbot von privaten Wohnungen bzw. Zimmern bei Airbnb nicht aus.

Bis zu 2200 € Steuer auf Feriensitze

Bei den Freizeitwohnsitzen liegt seit Dienstag der Entwurf für die Abgabe vor: Zusätzlich zur Tourismusabgabe sieht er ab 2020 jährlich eine gestaffelte Pauschale von mindestens 100 Euro für einen Freizeitwohnsitz von 30 m² und bis zu 2200 Euro für mehr als 250 m² Nutzfläche vor. "

Aufgrund aktueller Berechnungen gehen wir von mehreren Millionen Euro aus, die so den Gemeinden für Infrastruktur zufließen", betont Raumordnungsreferent VP-LR Hannes Tratter. (pn)