Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.02.2019


Bezirk Reutte

Budget in Bichlbach: Kein Spielraum, aber guter Dinge

Jede Investition in der Gemeinde Bichlbach will gut überlegt sein, sind doch praktisch 100 Prozent des Budgets fix gebunden. Bürgermeister Ziernhöld senkt trotzdem Schritt für Schritt die Verschuldung.

Gemeindeamt, Dorfheim, Kindergarten, Schule – alles vereint.

© TscholGemeindeamt, Dorfheim, Kindergarten, Schule – alles vereint.



Von Helmut Mittermayr

Bichlbach – Bürgermeister Klaus Ziernhöld sieht Bichl­bach zwar nur in einer Reihe mit vielen vergleichbaren Gemeinden im Bezirk Reutte, aber er räumt auf TT-Anfrage schon ein, dass der Finanzspielraum der Kommune verschwindend klein ist. Ja, wenn es das Christkind gäbe, dann hätte er einen großen Wunsch. Nämlich, dass die Kommunalsteuer, die den Gemeinden über im Ort Beschäftigten Einnahmen bringt, gesplittet wird. „Von den drei Prozent Kommunalsteuer für Arbeitslöhne könnten doch zwei Prozent bei der Standortgemeinde des Unternehmens bleiben und eins der Wohngemeinde zugesprochen werden.“ Zwar nur telefonisch verbunden, sieht man den Bürgermeister geistig einen schnellen Überschlag machen, wenn es das Christkind gäbe: Plansee, Multivac, EWR – da würd’s im Gemeindesäckel klingeln. Bichl­bach sei eine Pendlergemeinde und sehr viele würden auswärts gutes Geld in der Industrie und weiteren finanzstarken Unternehmen im Bezirk verdienen. Da würde über die Kommunalsteuer schon ein Sümmchen zusammenkommen. Im Ort selbst seien die Arbeitgeber mit Tankstelle, MPreis und Sport Nagele überschaubar. Mehr als 20 Personen stünden nicht auf den Lohnlisten.

Ziernhöld hat keinen Brief ans Christkind aufgesetzt und sich mit den Gegebenheiten arrangiert – mit ihnen auch seinen persönlichen Frieden gemacht. Natürlich bleibe am Ende eines Jahres nie etwas über. „Das wär’s noch. Plötzlich 100.000 Euro Überschuss im Gemeindebudget. Was machen wir nur damit, würde sich der Gemeinderat verdutzt fragen“, lacht Ziernhöld. Eher sei schon das Gegenteil der Fall, denkt er etwa an den heurigen Winter. Das Straßendorf plus den beiden Weilern Lähn und Wengle ist langgezogen. „Der Winterdienst muss richtig Kilometer machen. Wir haben jetzt schon die im Budget veranschlagte Summe erreicht und der Winter ist noch lange nicht aus.“

1,7 Millionen beträgt das Budget für 2019. Auf die Manövriermasse angesprochen, denkt der Dorfchef nicht lang nach: „Null.“ So wären etwa schon länger Straßenbeläge zu erneuern. Darunter liege aber ein fast 50 Jahre alter Kanal. „Und wenn man erst einmal aufmacht ...“ Also besser noch ein bisschen zuwarten. Man habe gelernt, „reduziert“ zu denken. „Wir haben die Zahl der Dächer verringert, für die die Gemeinde verantwortlich ist. Das drückt die Ausgaben.“ Kommunale Einrichtungen und Verwaltung seien zusammengeführt. „Ein Sitzungssälchen erfüllt den gleichen Zweck wie ein Saal“, schmunzelt Ziernhöld. Notwendige Erweiterungen stehen an – eine Zusatzbelastung, die den Bürgermeister freut: „20 Volksschüler, zwölf Kindergärtler. Die Zahlen steigen wieder. Es soll uns nichts Schlimmeres passieren, als dass Schule und Kindergarten zu klein werden.“ Der vor zehn Jahren noch auffällige Bevölkerungsrückgang ist gestoppt. Aktuell sind knapp 800 Bichlbacher und Bichlbacherinnen gemeldet – immer die Einwohner von Lähn und Wengle mitgerechnet, deren Verhältnis zum Hauptort manchmal ein ambivalentes ist. Der Dorfchef ist deshalb nicht unfroh, dass nach den Kindergärtlern seit Kurzem nun auch die Volksschulkinder gemeinsam in Bichl­bach unterrichtet werden: „Erstens müssen früh entstandene Freundschaften nicht gleich wieder gekappt werden. Da gab es oft ,Mordsdramen‘. Und zweitens ist es für das bessere Kennenlernen und Zusammenleben im Ort gut, wenn die Jugend zusammenbleibt.“

Überhaupt sieht Ziernhöld eine nicht geringe Attraktivität Bichlbachs, auf halbem Weg zwischen Ehrwald und Reutte sowie am Eingang des Berwanger Tales gelegen. „Raiffeisenbank, Physiotherapeut, Friseur, Doktor, MPreis – wir verfügen über eine gewisse Infrastruktur.“ Sein Motto trotz klammer Kassen ist „Step by step“. Im Landhaus sei er kein Unbekannter. Man müsse nicht poltern, um gehört zu werden. Die Worte Straßenbelag und alter Kanal könnte er beim nächsten Innsbruckbesuch zum Beispiel fallen lassen. Jedenfalls habe er Bichlbach vor 21 Jahren mit einer Verschuldung von 100 % übernommen, aktuell halte man bei 58. Das sagt Ziernhöld nicht ohne Stolz.

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