Letztes Update am Mi, 13.02.2019 10:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Harter Sparkurs an Tirol Kliniken: Stellen werden verzögert besetzt

Der Kostendruck bringt Tirols Spitäler unter Druck: Um die Vorgaben des Landes zu erzielen, dass der Abgang auf das Vorjahresniveau eingebremst wird, muss eisern gespart werden.

Spitäler stoßen finanziell an Grenzen, der Versorgungsauftrag wird immer breiter. Personalmaßnahmen treffen jetzt auf massiven Widerstand. (Symbolfoto)

© Thomas BöhmSpitäler stoßen finanziell an Grenzen, der Versorgungsauftrag wird immer breiter. Personalmaßnahmen treffen jetzt auf massiven Widerstand. (Symbolfoto)



Von Peter Nindler

Innsbruck, Hall – Gehaltsanpassungen für die Ärzte und Pfleger, steigende Kosten in den Spitälern, weil der niedergelassene ärztliche Bereich immer mehr Lücken aufweist: Tirols Spitäler geraten zunehmend unter Druck, 2017 haben sie einen Abgang von 56,9 Millionen Euro verzeichnet. Die Zahlen für das Vorjahr liegen noch nicht vor, dennoch gibt es bereits Vorgaben für das heurige Jahr. In der Spitalsholding Tirol Kliniken mit Innsbruck, Hochzirl/Natters und Hall dürfen die Abgänge nicht über jenen von 2018 liegen. 54,2 Mio. Euro fehlten den Tirol Kliniken vor zwei Jahren.

Im Landeskrankenhaus Hall ist die Situation massiv angespannt, die budgetären Maßnahmen führen jetzt zum kollektiven Protest des Betriebsrats. Denn gegenüber dem Voranschlag, der einen Fehlbetrag von 20 Mio. Euro vorsah, muss die Geschäftsführung diesen um 3,5 Mio. Euro reduzieren. Frei werdende Planstellen dürfen deshalb erst nach zwei Monaten und Karenzstellen mit einer Verzögerung von vier Monaten besetzt werden. „Diese Anordnung bedeutet für die im Dienst verbleibenden Kollegen eine enorme Mehrbelastung“, kritisiert Betriebsratsvorsitzender Johann Seiwald. Wenn diese Maßnahme nicht zurückgezogen werde, wolle man notfalls mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen, kündigt der Betriebsratschef an.

Personalbereich am kostenintensivsten

Der Ärztliche Direktor Christian Haring hat Verständnis für den Protest der Spitalsangestellen, bittet jedoch um Verständnis. „Der Personalbereich ist der kostenintensivste. Ohne auch hier Einsparungen vorzunehmen, schaffen wir es nicht.“ Rund eine Million Euro sollen die zeitverzögerten Nachbesetzungen bringen.

„Weil uns nichts anderes übrig bleibt“, wie Haring betont. So werden Planstellen erst mit einer Verzögerung von zwei Monaten nachbesetzt, geht eine Mitarbeiteri­n in Karenz, dann wird die Nachbesetzung sogar vier Monate hinausgezögert.

Der Betriebsrat kritisiert die enorme Mehrbelastung durch solche Anordnungen, Betriebsratsvorsitzender Johann Seiwald will mit allen Mitteln dagegen auftreten. Von der Tiroler Arbeiterkammer wurde ihm bereits volle Unterstützung zugesichert. Das zur Landeskrankenhausholding Tirol Kliniken gehörende Haller Spital steht besonders in der Auslage. Haring spricht von einer besonderen Herausforderung in der Unfallchirurgie oder mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Bei Letzterer übernehmen wir auch einen allgemeinen Versorgungsauftrag, weil es zu wenige Kinderpsychiater gibt.“ Für die Kritik des Betriebsrats hat Haring Verständnis.

Betriebsrat warnt vor Einschnitten

Es sind nicht nur die in den Vorjahren erfolgten Gehaltsanpassungen u. a. durch das Ärztearbeitszeitgesetz, die Spitäler mit ihren Ambulanzen müssen immer öfter die Lücken im niedergelassenen Bereich schließen. Auch das kostet. Die drei Landeskrankenhäuser haben vor zwei Jahren einen Abgang von 54,2 Mio. Euro verzeichnet, auf Hall entfielen 10,2 Mio. Euro.

Der Zentralbetriebsrat der Tirol Kliniken Gerhard Hödl warnt hingegen vor Einschnitten bei den Planstellen. „Das können wir nicht akzeptieren, auch keine zeitverzögerten Einstellungen.“ Das alles gehe zulasten des Personals und der Patienten, unterstützt er den Protest seines Haller Kollegen.

Natürlich seien die Spitäler mit explodierenden Kosten konfrontiert, „doch verwalten alleine nützt nichts“, fordert Gerhard Hödl strukturelle Reformen. „Beim Personal zu sparen, ist immer die einfachste Lösung.“ Für ihn ist letztlich auch die Gesundheitspolitik gefordert.

Wie hoch die Betriebsabgänge im Vorjahr waren, steht noch nicht fest. 2017 lagen sie für die Tirol Kliniken und die sechs Bezirksspitäler bei insgesamt 56,9 Millionen Euro.

"Ich habe Verständnis für den Betriebsrat, aber ohne Maßnahmen beim Personal geht es nicht." Christian Haring (Ärztlicher Direktor Hall)
"Ich habe Verständnis für den Betriebsrat, aber ohne Maßnahmen beim Personal geht es nicht." Christian Haring (Ärztlicher Direktor Hall)
- Domanig