Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.02.2019


Landespolitik

Zum Wohnen gekauft, zum Parken genützt

Achenkirch hat 4000 m² Grund für günstigen Wohnraum gekauft und sich zur Bebauung verpflichtet. Doch 13 Jahre später steht noch nichts.

„Es ist müßig, über Quasi-Enteignungen zu diskutieren, wenn Bauland von Gemeinden gehortet wird", sagt Markus Abwerzger FPÖ
 (Parteiobmann).

© Foto TT / Rudy De Moor„Es ist müßig, über Quasi-Enteignungen zu diskutieren, wenn Bauland von Gemeinden gehortet wird", sagt Markus Abwerzger FPÖ
 (Parteiobmann).



Von Peter Nindler

Innsbruck – Viele Tiroler Gemeinden ringen um preiswerte Grundstücke für geförderte Wohnungen oder zum Bau von Eigenheimen für die einheimische Bevölkerung. Vor allem in peripheren Regionen kann so der Traum von einem Haus noch wahr werden. Nur wie gehen die Gemeinden mit angekauften Flächen um? Ein Beispiel in Achenkirch sorgt jetzt für Aufregung. Für den freiheitlichen Parteiobmann Markus Abwerzger gibt es sogar Anlass, eine Bedarfserhebung zu fordern. „Achenkirch ist bestimmt kein Einzelfall. Wie viele Baugründe gehören den Gemeinden und werden nicht bebaut?“, fragt er sich. Was ist also in Achenkirch geschehen? Der gesamte Baulandüberhang in Tirol beträgt derzeit 3000 Hektar.

Zum einen liegen einmal zwei Verträge aus dem Jahr 2006 vor, wobei schlussendlich einer im November desselben Jahres von der Agrarbehörde genehmigt wurde. Um 310.000 Euro hat Achenkirch 4000 Quadratmeter Freiland von einem Bauern erworben. In der ersten Vereinbarung war noch die Rede davon, dass die Gemeinde „den Kaufgegenstand zum Zwecke der Schaffung von Bauland erwirbt, welches zu einem sozialverträglichen Preis insbesondere an die einheimische Bevölkerung zur Veräußerung gelangen soll“.

Das wurde dann abgeändert: Die Gemeinde verpflichtete sich lediglich zu der damals im Gesetz vorgesehenen Bebauung innerhalb von fünf Jahren mit einer Fristerstreckung von weiteren fünf Jahren. Nur dreizehn Jahre (!) später blickt man noch auf eine grüne Wiese. Warum? „Weil wir keinen Bedarf haben“, wie Bürgermeister Karl Moser sagt. Trotz der seinerzeitigen vertraglichen Verpflichtung, das Grundstück zu bebauen, wurde es noch nicht einmal gewidmet.

Gegenüber der TT bestätigt Moser jedoch, dass die Fläche hie und da als Ausweichparkplatz für den Lift benützt wird. „Aber nur ein paarmal.“ Im Sommer wird die Wiese von einem Landwirt gemäht. Mit dem Kauf vor vielen Jahren wollte die Gemeinde einem ansässigen Bauern seinerzeit aus der Patsche helfen. So weit, so gut.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Diese Argumente will Abwerzger überhaupt nicht gelten lassen. „Meinen Informationen nach gibt es in Achenkirch genügend junge Familien, die günstiges Bauland suchen.“ Es sei müßig, über Quasi-Enteignungen und Baulandbeschaffung zu diskutieren, wenn Bauland von Gemeinden gehortet und zurückgehalten werde. „Aus meiner Sicht haben die Gemeinden durch die Widmungsmöglichkeit ,sozialer Wohnbau‘ ausreichend Werkzeug in der Hand, um günstigen und sozialen Wohnraum zu schaffen“, nimmt Abwerzger nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Landesregierung in die Pflicht. Er fordert Schwarz-Grün auf, den einfachen Weg zu gehen, „es muss nicht alles so kompliziert gemacht werden“.




Kommentieren


Schlagworte