Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.02.2019


Bezirk Schwaz

Bei Chalet-Dorf geht nichts weiter: Gemeinde widmet Grund zurück

Vor zehn Jahren wurde ein Grundstück für ein Chalet-Dorf gewidmet. Doch es wurde nie gebaut. Den Fügenberger Mandataren reicht’s nun.

Seit neun Jahren ist das Grundstück beim Fasserhäusl am Fügenberg für eine Bebauung gewidmet. Nun wird es wieder zu Freiland.

© DählingSeit neun Jahren ist das Grundstück beim Fasserhäusl am Fügenberg für eine Bebauung gewidmet. Nun wird es wieder zu Freiland.



Von Eva-Maria Fankhauser

Fügenberg – Es ist ein drastisches Mittel, aber eines, das der Gemeinde Fügenberg zusteht: Wenn ein Grundstück für eine Bebauung gewidmet wird, aber innerhalb von drei Jahren nichts passiert, dann kann die Gemeinde es wieder rückwidmen. Sie kann, muss aber nicht. Das Grundstück Fasserhäusl am äußeren Fügenberg wurde 2009 zur Sonderfläche für 15 Block­häuser mit 135 Betten gewidmet. Zehn Jahre später ist noch immer nichts passiert.

„Es kamen immer wieder Ideen für neue Projekte. Auch der neue Besitzer Reinhard Binder hat etwas eingebracht, aber das ist nun auch wieder liegen geblieben. Das Land hat uns daher empfohlen rückzuwidmen“, sagte BM Josef Fankhauser bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Doch nicht alle Mandatare sind von dieser Maßnahme begeistert. Laut GV Hannes Wildauer sei der neue Besitzer nicht mit der Rückwidmung einverstanden. „Lassts das Hintenherum, da wird viel geredet“, ärgerte sich BM Fankhauser und fügte hinzu: „Ich habe mit ihm geredet, er ist einverstanden.“ Die derzeitige Widmung komme für Fankhauser ohnehin nicht in Frage. „Wir wollen kein Chalet-­Dorf am Fügenberg“, sagte er.

Vize-BM Helmut Troppmair erklärte, dass das Grundstück im Raumordnungskonzept drinnen bleibe und so jederzeit neu gewidmet werden kann. Für einige Mandatare stellt die Rückwidmung jedoch einen Wertverlust dar, da aus Bauland nun wieder Freiland wird. „Was sollen wir denn sonst widmen?“, fragt­e GV Andrä Fankhauser provokativ. Es gebe kein Projekt und somit keine Möglichkeit für eine konkrete Widmung. GR Martin Mauracher hat rechtliche Bedenken: „Die Rückwidmung bedeutet einen immense­n Wertverlust. Nun gibt es einen Streit um den Kauf des Grundstückes. Da könnten dann Schadenhaftungspflichten auf uns zukommen.“ Laut GV Fankhauser sei das eine zivilrechtliche Entscheidung: „Die geht uns nichts an.“ Mauracher entgegnete, dass das Grundstück an Reinhard Binder verkauft wurde, es aber einen weiteren Käufer geben solle. „Es gibt da offensichtlich einen Streit. Wir sollten uns da nicht anpatzen lassen und die Rückwidmung aufschieben“, sagte Maurache­r. Für GV Fankhauser sei das keine Option mehr: „Wir sind gesetzesmäßig verpflichtet, das Grundstück rückzuwidmen.“ Auch GR Josef Unterweger plädierte für einen Schlussstrich. „Wie oft sollen wir das denn noch verschieben?“, fragte er.

Mit sieben zu sechs Stimmen beschloss der Gemeinderat nach hitziger Diskussion die Rückwidmung des rund 14.300 m² großen Grundes, der aus drei Teilen besteht.

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Reinhard Binder war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.