Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.02.2019


Exklusiv

Fügen: Wenn Gehsteigflächen zur Goldgrube werden

Für die Abtretung von 500 m² Gehsteig erhalten zwei Grundbesitzer von der Gemeinde Fügen 40 €/m² plus Widmung einer riesigen Fläche.

Sankt Pankrazweg - das Feld rechts im Bild soll gewidmet werden.

© DählingSankt Pankrazweg - das Feld rechts im Bild soll gewidmet werden.



Von Angela Dähling

Fügen – Geduld ist eine Tugend. Dass sie sich auszahlt, zeigt ein Fall in Fügen. Seit knapp 20 Jahren ringt die Gemeinde dort mit dem Landwirt und Gemeinderat Alois Huber und dessen Schwester um ein Einvernehmen zur Errichtung von drei 1,5 Meter breiten Gehsteigen, die für die Verkehrssicherheit sehr wichtig sind. Es geht um insgesamt rund 500 m² Gehsteigfläche.

Dafür, dass die Gemeinde diese jetzt endlich erhält, macht sie alles andere als alltägliche Zugeständnisse: Die beiden Grundbesitzer erhalten neben 40 €/m² für die Gehsteigfläche nämlich 2000 m² Freiland in Bauland gewidmet, weitere 3000 m² Freiland werden ihnen angrenzend als „gemischtes Wohngebiet“ durch Aufnahme ins Raumordnungskonzept in Aussicht gestellt. Zudem wird der kürzeste Weg, um aus Hart auf die B169 zu gelangen – nämlich über den Kinoweg –, ab 2025 Geschichte sein. Denn das Teilstück von 200 m² beim Hof von Alois Huber wird dann in dessen Eigentum übertragen. „Bis dahin soll ja Hart über das neue Straßenprojekt an die Zillertalstraße angebunden sein“, erläutert BM Dominik Mainusch. „Ursprünglich wurde die pauschale Grundwidmung von 5000 m² zugesagt. Das war für mich nicht denkbar“, erklärt er, warum 3000 m² erst bei Vorlage eines konkreten Projekts gewidmet werden. Trotzdem: Dieser Deal hat es in sich. Das ist auch Mainusch bewusst. „Solche Vereinbarungen sind in Zukunft undenkbar. Es ging um Altlasten, die ich übernehmen musste.“

Ein Gehsteig entsteht von der Sennerei Richtung Dorf.
Ein Gehsteig entsteht von der Sennerei Richtung Dorf.
- Dähling
Ein Teilstück des Kinowegs geht in den Besitz des Bauern über.
Ein Teilstück des Kinowegs geht in den Besitz des Bauern über.
- Dähling
An der L49 Pankrazbergstraße bleiben die Laternen stehen.
An der L49 Pankrazbergstraße bleiben die Laternen stehen.
- Dähling

In den letzten zwei Jahrzehnten sei immer wieder verhandelt und seien immer wieder Zugeständnisse an die Eigentümer gemacht worden, sagt Mainusch, der seit 2016 Fügener Bürgermeister ist. Es gebe ab 2004 auch Gemeinderatsbeschlüsse dazu, die u. a. im Gegenzug Widmungen für die Grundeigentümer umfassten. Doch das Land als Aufsichtsbehörde verweigerte dazu die Zustimmung. Das wird jetzt anders, glaubt Mainusch. „Damals hat der Wille der Gemeinde gefehlt, jetzt setzen wir uns ein“, sagt er und verweist auf Gespräche mit der Abteilung Raumordnung. Eine Neuverhandlung mit den Grundbesitzern hätte nichts gebracht, argumentiert er weiter. Das legitime Mittel der Enteignung (Zahlung eines festgelegten Preises) wollte die Gemeinde nicht anwenden.

Grundbesitzer Alois Huber: „Ich fühle mich als Wohltäter und sollte einen Orden von der Gemeinde bekommen, statt dummer Nachreden. Und der Bürgermeister eine Krone, dass er das endlich geschafft hat.“ Er habe ja den Gehsteig-Grund nicht hergeben müssen und hätte trotzdem um Widmung ansuchen können. „Nein, die Widmung ist nur bei öffentlichem Interesse möglich“, revidiert Mainusch. Huber erklärt, es hätte andere Gehsteigoptionen ohne seinen Grund gegeben. Ein konkretes Projekt für die 2000 m² Bauland gebe es noch nicht. „Ich hatte hohe Investitionen und es stehen noch welche an“, sagt Huber mit Verweis auf Landwirtschaft und Zimmervermietung. Mainusch hält dem Bauern zugute, dass der seit vielen Jahren nie um Widmungen angesucht habe.




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