Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.02.2019


Exklusiv

Kompatschers Dosierbremse könnte nicht nur Lkw treffen

Nach Brenner-Chaos: Südtiroler Landeshauptmann will Testphase bereits im Sommer einrichten. Verkehr soll bereits ab Modena gestaffelt werden.

Ab Modena könnte in wenigen Monaten bei Erwartung kritischer Lagen der Verkehr auf der Brennerautobahn Richtung Norden dosiert werden.

© Michael KristenAb Modena könnte in wenigen Monaten bei Erwartung kritischer Lagen der Verkehr auf der Brennerautobahn Richtung Norden dosiert werden.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, Bozen – Das vom Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) nach dem witterungsbedingten Verkehrschaos am Brenner ins Spiel gebrachte Dosiersystem auf italienischer Seite nimmt konkrete Formen an. Bereits vergangene Woche besprach Kompatscher das Vorhaben mit Experten im Verkehrsministerium in Rom, nachdem diese Idee nur wenige Tage zuvor, wie berichtet, bei einem Verkehrsgipfel der Euregio besprochen worden war.

Kompatscher hat bereits recht konkrete Vorstellungen, wie das Dosiersystem südlich des Brenners funktionieren könnte. So sollen die in Italie­n an jeder Autobahnauffahrt situierten Mautstellen sozusagen eine Art „Gatekeeper“-Funktion übernehmen. Greifen soll diese Verkehrsstaffelung entlang der A22 bereits ab Modena, sagt Kompatscher: „Sterzing wäre hier viel zu spät.“ Diese technische Ebene werde derzeit von den Autobahnbetreibern geprüft. Noch zu definieren sei ein Kriterienkatalog (Wetterlage, Verkehrsaufkommen, Ferienzeit), ab wann das Dosiersystem aktiviert werden müsse. Kompatscher will aber auch die Betreiber der A4 (Mailand – Venedig) an den Tisch holen.

Anders als in Tirol, wo derzeit lediglich Lkw temporär auf der Inntalautobahn bei Kufstein gedrosselt werden, will Kompatscher das Dosiersystem auf italienischer Seite nicht von vornherein nur auf den Schwerverkehr begrenzt wissen: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass es den gesamten Verkehr trifft.“

Was den Zeitplan der Umsetzung betrifft, so will Kompatscher einen ersten Testbetrieb im heurigen Sommer in die Gänge bringen. Ab 2020 soll das System schließlich vollausgebaut sein und in den Regelbetrieb gehen.

Einer dritten Spur auf der Südtiroler Seite der Brennerautobahn, wie von Amtskollegen Maurizio Fugatti vorgeschlagen, erteilt Kompatscher eine Absage: „Zwischen Brenner und Bozen ist das schlicht technisch nicht möglich.“ Richtung Süden (Bozen – Verona) könnte ein Ausbau aber Sinn machen. Dort existiere ohnedies bereits eine „dynamische dritte Fahrspur“.

A22-Mauterhöhung soll mit Konzession gekoppelt bleiben

Was die schrittweise Erhöhung der Brennermaut auf Tiroler Niveau (80 Cent/km) betrifft, so ortet Südtirols LH Arno Kompatscher nach einem jüngsten Treffen mit dem italienischen Umweltminister durchaus „positive Signale", dass zur Basismaut auch eine Umwelt- und Lenkungsmaut für den Schwerverkehr eingeführt werden kann: „Hierzu gibt es auch Konsens mit Verkehrsminister Danilo Toninelli, dass das so kommen soll."

Diese Mauterhöhung auf der A22 sei, so Kompatscher, bereits — dem Grunde nach — in jenem vorliegenden Vertragsentwurf enthalten, den Südtirol benötigt, um wie beabsichtigt die Autobahnkonzession zu übernehmen. Doch es hakt im Detail. Kompatscher hat sich erst am Mittwoch in Trient von jenen Körperschaften, die künftig in der Autobahngesellschaft vertreten sein werden, das Mandat für Vertragsnachverhandlungen abgeholt, wie er der TT bestätigte.

Aus Sicht Südtirols würde das von Rom im Vertragsentwurf vorgesehene Mautmodell nicht jene Mittel einspielen, die für künftige Investitionen in die Autobahninfrastruktur notwendig seien: „Die Tarifeinnahmen reichen nicht aus, um die ehrgeizigen Investitionen zu decken." Darunter soll auch eine Milliarde Euro als Querfinanzierung der Schiene fallen. Dreh- und Angelpunkt ist die Basismaut. Sie soll die geschätzen Betriebs- und Investitionskosten (auf 30 Jahre) widerspiegeln. Kompatscher will aber am Ziel, 2020 die erste Etappe der Mauterhöhung umzusetzen, festhalten. Konzession und Maut will er nicht trennen, sondern gemeinsam verhandeln. (mami)