Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.02.2019


Osttirol

Neuerungen für mehr Sonnenstrom in Osttirol

Das Land hat die Förderung von privaten Sonnenstrom-Batteriespeichern unvermittelt eingestellt, ein Osttiroler Unternehmer protestiert. Die Politik setzt beim Solarausbau auf bürokratische Erleichterungen.

Von Kleinstbetreibern bis zu Großanlagen, Osttirol habe riesiges ungenutztes Potenzial, sagen Martin und Daniel Kollnig aus Dölsach (v.l.).

© KollnigVon Kleinstbetreibern bis zu Großanlagen, Osttirol habe riesiges ungenutztes Potenzial, sagen Martin und Daniel Kollnig aus Dölsach (v.l.).



Von Christoph Blassnig

Dölsach – Von Juli 2016 bis zum letzten Jahreswechsel hat das Land Tirol eine vielgelobte Impulsförderung für Sonnenstrom-Batteriespeicher gewährt. „Den Strom dort verbrauchen, wo er erzeugt wird“, lautete die Devise. Dadurch sollte der Belastung des Stromnetzes durch zahlreiche private Einspeisungen von Überschüssen begegnet werden. In Kombination mit modernen Regelungssystemen lässt sich der Stromverbrauch im Haushalt zum Beispiel so steuern, dass Überschüsse aus der Photovoltaikanlage am Hausdach vollautomatisch und direkt zur Warmwasserbereitung verwendet oder in Batterien zwischengespeichert werden. Mit Jahresbeginn und ohne jede Vorwarnung wurde diese Förderung definitiv gestrichen, bestätigt Martin Mayerl, Umweltsprecher der ÖVP im Tiroler Landtag. „Eine gewisse Sprunghaftigkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Das hat Unternehmer verständlicherweise getroffen.“

Ein Osttiroler Familienunternehmen im Bereich Photovoltaik (PV), also der Stromgewinnung aus Sonnenschein mittels speziellen Modulen, führt Martin Kollnig mit seinem Sohn Daniel in Dölsach. Die „Kehrtwende“ des Landes vom Eigenverbrauch hin zu einem „virtuellen Stromspeicher“, der seit dem Jahreswechsel unterstützt und gefördert wird, sei „ein Richtungswechsel von einem Extrem ins andere“, ärgert sich Martin Kollnig. Das widerspreche dem bisherigen Ansinnen, das Netz nicht zu belasten. „Im Gegenteil: Jetzt sollen plötzlich alle ihre Überschusserträge in das Netz einspeisen.“

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Eine Belastung für das Stromnetz will Umweltsprecher Mayerl nicht in Abrede stellen, jedoch handle es sich meist um Kleinanlagen, die nicht so sehr ins Gewicht fallen würden. Aus dem Büro des für Energiefragen zuständigen Landeshauptmannstellvertreters Josef Geisler heißt es dazu: „Ein Batterie-Heimspeicher bringt vornehmlich einen Tag-Nacht-Ausgleich. Der virtuelle Sonnenstromspeicher ermöglicht auch einen saisonalen Ausgleich über den Jahresverlauf hinweg.“ Tirol verfüge derzeit über ausreichend Netzkapazitäten, um die von den privaten PV-Anlagen produzierte Sonnenenergie einer Speicherung zuzuführen. Die Tiroler Pumpspeicherkraftwerke seien sozusagen „Batterien im großen Stil“. Die Entscheidung „Speicherung über das Netz oder stationärer Batteriespeicher zuhause“ liege beim Anlagenbesitzer.

Auf Initiative von Mayerl soll im Juli-Landtag eine Novelle des Bau- bzw. des Raumordnungsgesetzes (ROG) beschlossen werden, um die Errichtung von Photovoltaikanlagen im Bundesland voranzutreiben. Künftig sollen Anlagen größer als 20 Quadratmeter keine Baubewilligung mehr benötigen, sondern nur noch anzeigepflichtig sein. Das raumordnungsrechtliche Kriterium des Eigenbedarfs soll fallen (bisher wurde eine Widmung in Sonderfläche Energieerzeugung verlangt, wenn der Ertrag den Eigenbedarf um das 1,5-Fache überstieg). „Auf Dachflächen soll es bis zur Maximalleistung von 250 Kilowatt keine zusätzliche Widmung mehr brauchen“, kündigte Mayerl in einer Aussendung an. Ohne mehr Sonnenstrom werde der Ausstieg aus Kohle, Öl, Gas und Atomenergie nicht gelingen, das sei allen Verantwortlichen bewusst. „Die stärkere Nutzung der Sonne für die Energieerzeugung ist mit dem Ausbau der Wasserkraft der Schlüssel für die Tiroler Energiewende.“ Die angekündigten rechtlichen Vereinfachungen würden dem großen Interesse in der Bevölkerung entgegenkommen, ist Mayerl sicher. Freiflächen sollen dagegen weiter unangetastet bleiben.

Für den PV-Unternehmer Kollnig bleibt der Wunsch nach Dezentralisierung aufrecht. Alles andere seien Kundenbindungsmodelle.

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