Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.03.2019


Bezirk Kufstein

Geplantes Hoteldorf in Bad Häring spaltet das Dorfparlament

Der Streit über das geplante Hoteldorf in Bad Häring geht weiter: Eine Stellungnahme verlangt wieder eine Abstimmung im Gemeinderat. Kritiker befürchten, dass durch die Hintertür Freizeitwohnsitze geschaffen werden.

„Durch die Widmung verhindern wir Freizeitwohnsitze durch die Hintertüre.“ Hermann Ritzer?( Bürgermeister)

© Mader„Durch die Widmung verhindern wir Freizeitwohnsitze durch die Hintertüre.“ Hermann Ritzer?( Bürgermeister)



Von Wolfgang Otter

Bad Häring – Die einen sehen einen Widmungsblankoscheck und Freizeitwohnsitze durch die Hintertüre, die anderen eine moderne touristische Einrichtung: Das von der Firma Arcos mit Sitz in Wörgl geplante Hoteldorf am ehemaligen Campingplatz-Areal im Kurort Bad Häring sorgt für heftige Diskussionen und Spekulationen.

Vorgesehen sind laut Tarek Daghistani, einem der drei Arcos-Geschäftsführer, aber keine „Freizeitwohnsitze“, wie er betont, sondern fünf Gebäude mit Appartements für über 80 Betten im Hotelbetrieb. Auf dem Areal gibt es einen Frühstücksraum und einen Empfang. „Wir verzichten bewusst auf ein Restaurant, auch die bestehende Infrastruktur wie Gemeinde-Schwimmbad und Tennisplatz sowie Gastronomie sollen miteinbezogen werden.“ Das Ansinnen von Arcos sei es, so betont der Geschäftsführer, dass alle im Dorf etwas davon haben.

Bürgermeister Hermann Ritzer (SPÖ) verweist ebenfalls auf den Nutzen durch das Hoteldorf, das zusätzliche Gäste anlocke. Seine Fraktion sei erstaunt gewesen über die Wortmeldungen der Gegner, wie er erklärt. „Alle Stellungnahmen des Landes waren positiv“, erklärt Ritzer. Schriftlich legt die SPÖ in einer Aussendung nach: „Plötzlich die einzige Partei/Fraktion zu sein, die sich alleine für die Ansiedlung von neuen Wirtschaftsbetrieben einsetzt, ist für uns, die SPÖ-Bürgermeisterliste Hermann Ritzer, ein deutliches Signal, wer hier in Bad Häring für Fortschritt und Bewegung sorgt.“ Ritzer habe deshalb mit seinen acht weiteren SPÖ-Mandataren Widmung und Bebauungsplan gegen die vier Stimmen der ÖVP und zwei der Grünen genehmigt. Trotzdem muss der Punkt bei der nächsten Gemeinderatssitzung, vermutlich Ende März, noch einmal behandelt werden.

ÖVP-Gemeindevorstand Andreas Aufinger hat eine Stellungnahme zur Widmung eingebracht. Aufinger erklärt gegenüber der TT, dass er Beeinträchtigungen in der Bewirtschaftung seines landwirtschaftlichen Betriebs durch die touristische Nutzung in unmittelbarer Nachbarschaft befürchte.

Für den Arcos-GF Daghistani ist es vollkommen unverständlich, dass die restliche ÖVP-Mannschaft hier mitzieht. „Es geht dabei um rein persönliche Gründe“, kritisiert er. „Ich sehe keine negativen Auswirkungen. Weder für die Landwirtschaft noch für das Dorf“, meint auch Joachim Bosin, der ebenfalls Arcos-Geschäftsführer ist.

Aber auch die Grünen haben starke Bedenken angemeldet. „Bei solchen Projekten besteht immer die Gefahr, dass durch die Hintertür wenig genutzte Freizeitwohnsitze entstehen“, kritisiert GR Priska Mair-Valentini. BM Ritzer hält ihr aber entgegen, dass „gerade durch die Widmung ‚Sonderfläche Hoteldorf‘ das nicht möglich ist“.

Was die Grünen noch stört: „Seitens der Gemeinde gibt es keinerlei Auflagen. Da werden Blankoschecks für ein paar Investoren verteilt und die Bad Häringer und Bad Häringerinnen haben nicht viel davon.“ Die Umweltpartei hätte gerne den benachbarten gemeindeeigenen Gasthof Pölvenblick in das Konzept eingebunden. „Er ist seit Jahren sehr schlecht ausgelastet. Eine einmalige Chance wurde hier vertan“, legt Grünen-GR Stefan Lettenbichler nach.