Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.03.2019


Bezirk Kufstein

Wörgl will Bescheid für Aushubdeponie kippen

Die Aufregung um die Bodenaushubdeponie in Wörgl-Boden geht weiter. Die Liste Fritz fordert „Nachdenkpause“ für Genehmigungen im Land.

Die Zufahrt zur geplanten Bodenaushubdeponie Pinnersdorf in Wörgl – die Anrainer befürchten bei Betriebsbeginn eine Gefahrenquelle.

© HrdinaDie Zufahrt zur geplanten Bodenaushubdeponie Pinnersdorf in Wörgl – die Anrainer befürchten bei Betriebsbeginn eine Gefahrenquelle.



Von Wolfgang Otter

Wörgl – Eine Million Kubikmeter Bodenaushub- und Recyclingmaterial sorgen derzeit in der Stadt Wörgl für einen gehörigen Wirbel. Bekanntlich soll diese Menge in den nächsten 20 Jahren von der Firma Strabag in Wörgl-Boden in der Schottergrube nahe der geschlossenen Mülldeponie abgelagert werden (die TT berichtete). Die Folge ist ein Sturm der Entrüstung im Ortsteil und Kritik aus der Landespolitik.

Die Gruppe Bruckhäusl aktiv prophezeite am Mittwoch eine gewaltige Belastung durch Lärm, Lkw-Verkehr und eine Gefährdung für die im Gebiet befindlichen Wasserquellen. Das Land genehmigte aber trotz aller Bedenken die Deponie. Der Betriebsbeginn könnte aber noch dauern. Wie gestern die Stadtgemeinde Wörgl bekannt gab, steht mittlerweile fest, dass man einen Einspruch einlegt, so wie von den Mitgliedern der Gruppe Bruckhäusl aktiv und dem Ortsausschuss verlangt. Dadurch geht das Genehmigungsverfahren in die nächste Runde.

Laut BM Hedi Wechner wird man im Einspruch auf mehrere Punkte eingehen. Diese umfassen die Beweissicherung für die Trinkwasserquellen Pinnersdorf genauso wie die Tagesspitzenbelastung durch Lkw-Fahrten. Wörgl will sie auf maximal 50 Zu- und Abfahrten pro Tag gesenkt wissen, im Bescheid ist von maximal 100 die Rede. Auch die Auswirkungen auf öffentliche Verkehrsflächen müssten berücksichtigt werden. Zudem sei die von der Firma abgelehnte verschuldensunabhängige Haftpflicht einer der Knackpunkte.

Die Strabag wiederum legt in einer Stellungnahme Wert auf die Feststellung, dass man keine Hausmülldeponie eröffnen möchte und daher ein Vergleich mit der in der Nachbarschaft gelegenen stillgelegten Hausmülldeponie Riederberg nicht zulässig sei. „In die betreffende Bodenaushubdeponie wird ähnliches Material wieder aufgefüllt, das zuvor dort abgebaut wurde – es handelt sich jedenfalls nicht um Müll. Eine Geruchsbelästigung aus dieser Quelle ist daher nicht möglich“, stellt die Strabag-Pressestelle fest.

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Das Unternehmen werde alle gesetzlichen Vorschriften einhalten. Man habe von Anfang an auch alles Mögliche getan, um sämtliche Bedenken auszuräumen: „In einem nun zweieinhalb Jahre dauernden Genehmigungsprozedere wurden die Argumente der einzelnen Anspruchsgruppen gehört. Um die Sorgen über eine theoretisch mögliche Beeinträchtigung u. a. durch Schadstoffe, Lärm oder Verkehr zu nehmen und diesbezügliche Risiken auszuschließen, wurden über 20 externe Fachleute aus 15 Fachbereichen eingebunden. Es liegen zahlreiche Gutachten, die von diversen Amtssachverständigen geprüft wurden, vor.“ So habe selbst der von den Stadtwerken Wörgl zusätzlich beauftragte Sachverständige in seiner Stellungnahme dargelegt, dass „eine direkte Gefährdung der Trinkwasserquellen grundsätzlich nicht zu erkennen ist“, wie die Strabag-Presse­stelle erklärt.

„Die Belastung durch die Deponie ist für die Wörgler Bevölkerung unzumutbar.“
Markus Sint
(Landtagsabgeordneter)
„Die Belastung durch die Deponie ist für die Wörgler Bevölkerung unzumutbar.“ Markus Sint
(Landtagsabgeordneter)
- Liste Fritz

Der Liste Fritz zufolge drohe Wörgl auf alle Fälle „eine Megadeponie mit Megafolgen für die Bevölkerung“. Sie bedeute „mehrere hunderttausend zusätzliche Lkw-Fahrten. Für die Bevölkerung eine gewaltige Verkehrsbelastung, eine gewaltige Lärmbelastung und eine gewaltige Staubbelastung. Das ist unzumutbar“, meint LA Markus Sint. Es sei nicht mehr zu akzeptieren, dass „jedes Mal die Bürger und Anrainer auf die Barrikaden steigen müssen, weil die gesetzlichen Regelungen sie ausschließen“. Auch die Forderung der Wörgler nach der Versicherung mache Sinn, „wenn man die Geschichte der Mülldeponie Riederberg kennt, für deren Nachsorge die Tiroler Steuerzahler bis heute Millionen Euro zahlen mussten“, so Sint.

Die Liste Fritz verlangt jetzt eine Nachdenkpause bei der Genehmigung von Bodenaushubdeponien, bis sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür ändern.