Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.03.2019


Bezirk Schwaz

Logistikcenter in Vomp: Baustart im Visier, Transitforum schlägt Alarm

Obwohl die behördlichen Verfahren noch laufen und die Widmung fehlt, gibt es bereits Ausschreibungen für den Bau des großen DB-Schenker-Logistikzentrums im Westen Vomps.

Auf der ehemaligen Derfeser-Bauschuttdeponie (Bildmitte) in Vomp soll das Logistikzentrum um ca. 33 Mio. € gebaut werden.

© TransitforumAuf der ehemaligen Derfeser-Bauschuttdeponie (Bildmitte) in Vomp soll das Logistikzentrum um ca. 33 Mio. € gebaut werden.



Von Angela Dähling

Vomp – Es ist ein hochsensibles Thema an einem hochsensiblen Standort: der Bau eines riesigen, Lkw-Verkehr bringenden Logistikzentrums in einer Gemeinde, die wie kaum eine zweite in Tirol unter enormer Luftverschmutzung und Lärmbelastung durch die A12 leidet.

Vor einem Jahr wurden die Pläne publik: Auf der ehemaligen Derfeser-Bauschuttdeponie im Westen Vomps sollen auf 6,5 ha um 33 Mio. Euro auf Baurechtbasis die DB-Schenker-Standorte in Kufstein und jene drei in Innsbruck zusammengefasst werden. Bauherr ist die neu gegründete GVW GmbH mit Geschäftsführer Ernst Derfeser; Schenker mietet sich ein. Dass es seither ruhig blieb, hat Gründe: Die Marktgemeinde verlangte eine strategische Umweltprüfung, einen landschaftlichen Begleitplan, ein Verkehrskonzept sowie eine Prüfung, ob die Leistungsfähigkeit der Verbindung zur Autobahn gegeben ist (die TT berichtete). Sie gestattet keine oberirdischen Parkplätze, verlangt zahlreiche Gutachten und schreibt dem Bauwerber dafür die Gutachter vor. Es müsse u. a. nachgewiesen werden, dass sich das Schutzgut Luft nicht verschlechtere.

Auch mit dem Transitforum gab es ein Übereinkommen: „Es wurde uns ein offener Informationsaustausch und Transparenz zugesichert – inklusive Einsicht in alle Gutachten und Behördenverfahren“, sagt Transitforumsobmann Fritz Gurgiser.

Jetzt ist es vorbei mit der friedlichen Stimmung. Das Transitforum fühlt sich getäuscht und hintergangen. „Schon seit Ende November wird das Projekt von einem Linzer Generalplaner baureif gemacht. Es laufen bereits die Ausschreibungen für den Bau. Als Ausführungstermin bei Firmen, bei denen Offerte eingeholt wurden, wurde die Kalenderwoche 28 (Juli) angegeben“, hat Gurgiser aus der Baubranche erfahren. „Dabei gibt es für das Bauvorhaben weder einen abgeschlossenen Umweltbericht noch eine Gesamtprüfung des Vorhabens durch das Land. Und auch noch keine Widmung des Areals“, erklärt Gurgiser weiter. Laut eines der TT vorliegenden Schreibens der Abteilung Bau- und Raumordnungsrecht beim Land liegt dort ein Entwurf des Umweltberichtes vor. „Dieser Entwurf ist noch nicht vollständig, zumal wesentliche Fachgutachten noch nicht vorliegen“, heißt es in dem Schreiben vom 7. Februar. Der Transitforumsobmann fragt sich, ob es politische Zusagen gibt. „Denn ohne politische Rückendeckung Hunderttausende Euro in die Baureifmachung zu investieren bzw. möglicherweise in den Sand zu setzen, können wir uns nicht vorstellen“, sagt Gurgiser. Er fragte nach beim Land Tirol. „Dort gibt es weder von LR Tratter noch von LH Platter Zusagen“, sagt er.

Bauherr Ernst Derfeser versteht die Aufregung nicht. Es sei üblich, parallel zum Behördenverfahren mit Vorleistungen für einen Bau dieser Dimension aufgrund langer Vorlaufzeiten zu starten. „Das finanzielle Risiko der Vorlaufkosten ist einkalkuliert“, sagt Derfeser auf Anfrage der TT. „Den Baustart in der KW 28 können wir allerdings nicht mehr einhalten.“ Er gehe aber davon aus, dass das Logistikzentrum wie geplant Mitte bis Ende 2020 fertiggestellt ist. „Die Bauzeit beträgt zwölf bis 14 Monate.“ Positiv gestimmt ist er, „weil inzwischen alle Gutachten beim Land eingereicht und alle positiv sind“, sagt er. Das Transitforum zu informieren, obliege der Gemeinde. Auch Josef Schneider, Geschäftsführer von DB Schenker Tirol, ist aufgrund der vorliegenden Gutachten positiv gestimmt. „Wir halten uns an alle rechtlichen Vorgaben. Wenn es rechtlich befürwortet wird, werden wir bauen“, sagt er. Dass sich der Verkehr in Vomp erhöhe, will er dabei gar nicht abstreiten. Aber das Verkehrsgutachten sei positiv. Die Bevölkerung wolle man informieren, „wenn’s spruchreif ist“, sagt Schneider. „Also nach erfolgter Widmung.“

BM Karl-Josef Schubert sagt, er würde sich wünschen, dass dieser Kelch an ihm vorübergehe. „Aber wenn alle Auflagen und offiziellen Grenzwerte eingehalten werden, können wir nicht sagen, wir widmen nicht“, sagt er. Bei den einzuhaltenden Luftgrenzwerten halte man sich übrigens an die „offiziellen“ Werte und nicht an jene zum Schutz der menschlichen Gesundheit, die das Transitforum fordert. Schubert weiter: „Und 250 Arbeitsplätze reizen natürlich schon.“ Die Gemeinden seien nun mal auf Kommunalsteuern angewiesen.