Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.03.2019


Bezirk Reutte

Euphorie nach Studie zu Bahntunnel Ehrwald

Planung und Bauzeit für Bahntunnel Ehrwald – Silz würden über 20 Jahre benötigen. Die Finanzierung von 1,5 Milliarden Euro ist völlig offen.

Sieben Varianten eines Bahntunnels Ehrwald – Inntal wurden geprüft: Silz ist erstgereiht.

© Sieben Varianten eines Bahntunnels Ehrwald – Inntal wurden geprüft: Silz ist erstgereiht.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Bei einem gemeinsamen Auftritt der Tiroler Verkehrssprecher von Rot und Grün in Reutte kam der Name des Hotels, in dem die Pressekonferenz stattfand, der Gefühlswelt der Einladenden sehr nahe. LA Philip Wohlgemuth (SPÖ), LA Michael Mingler (Grün) und Regina Karlen (Grünen-Bezirkssprecherin) gaben ihrer unbändigen Freude über das Ergebnis der Machbarkeitsstudie zum Bahntunnel Ehrwald – Inntal in der „Wolke 7“ Ausdruck.

Wie berichtet, liegt nun das Ergebnis einer vom Tiroler Landtag einstimmig beauftragten, 114.000 Euro teuren Machbarkeitsstudie zu möglichen direkten Bahnverbindungen vom Außerfern ins Inntal vor. Sieben Varianten wurden geprüft. Immer von Ehrwald ausgehend nach Rietz, Silz, Silz-Imsterau oder via Gaistal. Die Option Ehrwald – Silz bekam hierbei die besten Noten. Wobei hydrologische und geologische Untersuchungen erst vorgenommen werden müssten, wie Mingler und Wohlgemuth gemeinsam betonen.

SPÖ-Abgeordneter Wohlgemuth würde in einem Bau des Tunnels eine Mobilitätswende sehen. Die Fahrzeit Reutte – Innsbruck mit 1,08 Stunden lässt ihn frohlocken und alles Bisherige hinter sich. „Damit wäre auch die Barriere Fernpass gebrochen, Ein- und Auspendeln für Beruf oder Weiterbildung plötzlich ein Leichtes.“ Landtagskollege Mingler erklärt, dass der 20 km lange Tunnel aus Kostengründen einspurig geführt werden würde, aber rein technisch auch ein Halbstundentakt möglich wäre. Die Personenzüge zwischen Innsbruck und Reutte würden dann wohl stündlich verkehren. Die Bauzeit sei mit knapp elf Jahren errechnet, der Planungsvorlauf mit weiteren zehn. „Der Tunnel bringt extrem viel“, ist sich Mingler sicher. Und die Grünen-Bezirkssprecherin Regina Karlen strahlt nach der Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie übers ganze Gesicht und spricht von „einer frohen Botschaft“. Auf die TT-Frage, ob der auf der B179 explodierende Pkw-Urlaubertransitverkehr von diesem Projekt unberührt bliebe, bringt Karlen Autoverladestellen ins Spiel. In der Schweiz würde dies im Wallis funktionieren.

Knackpunkt dürfte die Finanzierung des teuren Projekts werden. Eineinhalb Milliarden Euro für einen Lokalbahntunnel aufzubringen – das sei nicht leicht. Aber da hier ja über eine Transitroute gesprochen werde, könnten im Idealfall die Europäische Union, der Bund und das Land Tirol mitzahlen. Grün wie Rot war es in Reutte wichtig – von Medienvertretern wurde eine Unrealisierbarkeit vorgehalten –, zu betonen, dass man hier in europäischen Dimensionen denken müsste und alles als Generationenprojekt zu verstehen sei, würden doch bei einer Verwirklichung noch Jahrzehnte vergehen.

Ob Traum oder Realität, das könnte abseits der Finanzierungsfrage das Ergebnis der nächsten Studie zeigen, die heuer im Herbst vorliegen wird. Die so genannte Nutzungspotenzialanalyse beschäftigt sich dann damit, wie viel Verkehr der Bahntunnel überhaupt anziehen könnte. Also, ob dann ein paar Einheimische mehr mit dem Zug fahren würden oder etwa Massen von Wintersportlern bereit wären, mit Sack und Pack ein paarmal umzusteigen, um ein Skigebiet zu erreichen. Nicht erleichtert wird die Situation dadurch, dass Deutschland – wie berichtet – nicht daran denkt, die Bahnstrecken im vorgelagerten Allgäu aufzurüsten.