Letztes Update am Fr, 15.03.2019 10:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Für Freizeitwohnsitze sogar Vomper Gemeindegrenze verschoben

Vomper Bürgermeister Schubert verteidigt Investorenmodell mit 28 Freizeitwohnsitzen in der Hinterriß. LH Platter und der grüne Klubchef Gebi Mair üben Kritik.

Das ist der Plan für die „All-Suite Residence Karwendel“. Die Gemeinde hat soga­r die Anzahl der erlaubten Freizeitwohnsitze erhöht.

© Kristall SpacesDas ist der Plan für die „All-Suite Residence Karwendel“. Die Gemeinde hat soga­r die Anzahl der erlaubten Freizeitwohnsitze erhöht.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Vomp – Ob die vom umtriebigen Schweizer Projektentwickler Kristall Spaces geplanten 48 Luxus-Apartments in der Hinterriß in Vomp jemals realisiert werden, ist fraglich. Derzeit gibt es für das seit Jahren ins Auge gefasste 15-Millionen-Euro-Vorhaben nur vier Interessenten für den Kauf von Wohnungen. Schließlich soll das Objekt mit einem Investorenmodell – Appartements werden erworben und dann im Rahmen des touristischen Beherbergungsbetriebs vermietet – sowie der Veräußerung von 28 Freizeitwohnsitzen gebaut werden. Auf dem Areal des „Herzoglichen Alpenhofs“.

Die Gemeinde Vomp steht dahinter, schon vor zehn Jahren wurde deshalb die Anzahl der möglichen Freizeitwohnsitze für den Alpenhof erweitert. „Dadurch kann die Hinterriß belebt werden. Die Infrastruktur ist vorhanden, das Hotel steht dort seit zehn Jahren leer“, betont Bürgermeister Karl-Josef Schubert. Außerdem habe Vomp bei Freizeitwohnsitzen noch Luft nach oben. Im Gegensatz zu Eben.

Denn ursprünglich gehörte das betreffende Areal zur Gemeinde Eben. Doch weil dort die Obergrenze für Freizeitwohnsitze schon überschritten ist, wurde eben die Gemeindegrenze zugunsten von Vomp verschoben. Dazu steht Schubert: „Ich sehe das nicht negativ, gerade für den abgeschiedenen Bereich.“ Letzteres sei wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass bei den Verkaufsgesprächen nicht wirklich etwas weitergehe.

Sensibel ist jedoch die Umgebung, sollen die vier Gebäudekomplexe schließlich mitten im Naturpark Karwendel entstehen. Schubert: „Deswegen wird auch die Kubatur nicht vergrößert.“ Skeptisch reagiert hingegen das Land, das Freizeitwohnsitze und Investorenmodelle zurückdrängen will.

Tourismusreferent LH Günther Platter (VP) ist nicht begeistert: „Bei einem derartigen Projekt im Naturpark Karwendel muss man sich schon die Frage stellen, ob das das richtige Signal ist.“ Gemeinsam mit dem Bund wolle man rechtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um diesen Entwicklungen künftig Einhalt zu gebieten. „Einen Vorschlag haben wir bereits an den Bund übermittelt“, betont der Landeschef.

Die Grünen fordern mehr Tempo: „Die Touristiker müssen sich überlegen, ob das noch tourismusverträglich ist“, sagt Klubchef Gebi Mair. Der Hotel-Service werde zurückgefahren, dadurch spar­e man Geld. Gefordert seien allerdings auch die Bürgermeister mit den Widmungen und der Bund, der die Schaffung von Wohnungseigen­tum in Hotelanlagen gesetz­lich unterbinden müsse. Der grüne Tourismussprecher LA Georg Kaltschmid sieht in der neue­n, raumverträglichen Tourismus­strategie ein weiteres Instrument, um über die Investorenmodelle zu diskutieren und Maßnahmen gegen deren Wildwuchs zu setzen.

Willi hofft auf Schwenk des Landes

Während die Hauptwohnsitze in der Landeshauptstadt stagnieren (-0,25 Prozent im Vorjahr), gibt es dort immer mehr Zweitwohnsitze. Deshalb forciert die Stadt im Gegensatz zum Land eine generelle Zweitwohnsitzabgabe. BM Georg Willi (Grüne): „Mit knapp 24.000 Nebenwohnsitzen hat Innsbruck das Problem, die Infrastruktur der Stadt für diese vielen Nebenwohnsitzler auslegen und finanzieren zu müssen, ohne dafür aus dem Finanzausgleich Geld zu bekommen.“ Ausnahmen kann sich Willi nur in begründeten Fällen vorstellen. „Das heißt, jene Person, die von der Abgabe befreit werden möchte, muss nachweisen, wieso die Abgabenbefreiung zu Recht besteht.“ (pn)