Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.03.2019


Bezirk Kufstein

Studentenheim in Kufstein hat schweren Stand

Anrainer und viele Gemeinderäte sind gegen das Heimprojekt der Fachhochschule in Kufstein-Zell. Für Bürgermeister Martin Krumschnabel geht es auch um die Frage des Wohnungsmarktes.

Stadtrat Walter Thaler oberhalb des Turnerfelds. Die Anrainer möchten dort einen Park und kein Studentenheim sehen.

© OtterStadtrat Walter Thaler oberhalb des Turnerfelds. Die Anrainer möchten dort einen Park und kein Studentenheim sehen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die Diskussionen um das geplante Studentenheim haben die politische Ebene erreicht. Bekanntlich will die Fachhochschule in Kufstein-Zell auf dem 4000 Quadratmeter großen städtischen „Turnerfeld“ eine Unterkunft für bis zu 200 Personen in zwei Baustufen im Laufe des nächsten Jahrzehntes errichten. Die Fläche sollen die Stadtwerke von der Stadtgemeinde ankaufen und an die FH verpachten. So bleibt das Geld in der „Familie“. Im Gespräch sind rund 1,7 Mio. Euro für das Grundstück. Aber die Anrainer laufen gegen den Neubau Sturm. Sie sehen den Verlust eines Naherholungsgebietes und befürchten mehr Verkehr (die TT berichtete).

Die politischen Positionen dazu sind unterschiedlich, aber es scheint sich derzeit nur schwer eine Mehrheit im Gemeinderat für das FH-Projekt zu finden. GR Victoria Da Costa (Grüne) habe zwar grundsätzlich nichts gegen die Errichtung eines weiteren Studentenheims, „aber der Standort muss passen. Und das ist hier definitiv nicht der Fall. Diese Fläche ist eine beliebte Rodelwiese und eines der wenigen Naherholungsgebiete, das von allen genutzt werden kann. Außerdem ist der Stadtteil jetzt schon verkehrsgeplagt“, argumentiert die Grünen-Gemeinderätin.

Für Da Costa wäre nach der Verbauung des Stadtparks dies der zweite Sündenfall der Stadt in kürzester Zeit. Dass dabei wieder die Bedürfnisse „der privaten Fachhochschule“ mehr zählen sollen als die Lebensqualität der Anrainer, kann sie nicht nachvollziehen.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gemeinderat gegen den sozialen Wohnbau ist.“
Martin Krumschnabel 
(Bürgermeister)
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gemeinderat gegen den sozialen Wohnbau ist.“ Martin Krumschnabel 
(Bürgermeister)
- Otter

Auch die SPÖ sagt eindeutig Nein: „Es geht hier um städtische Flächen, die verkauft werden sollen. Und das kommt für mich nicht mehr in Frage“, stellt GR Alexander Gfäller-Einsank fest. Für VP-Vizebürgermeister Hannes Rauch sollte man den Standort ebenfalls überdenken. Er könnte sich ein Heim am Fischergries, nahe dem Fußballplatz vorstellen. Horst Steiner (Bürgerliste) will abwarten, „bis etwas auf dem Tisch liegt, bevor wir darüber urteilen“. Ein Nein kommt von der FPÖ, wie Stadtrat Walter Thaler, zugleich Anrainer, erklärt. Er ist der treibende Motor für ein Nein seiner Fraktion und den Widerstand der Nachbarn, „die alle dagegen sind“, wie Thaler betont. Für den Stadtrat und seine Mitstreiter sollte die Fläche für einen Park für die Kinder und Bewohner des Stadtteils und des nahen Seniorenwohnheims erhalten bleiben. Darüber hinaus müsste für die Zufahrt, so Thaler, die Straße verbreitert werden, was sogar einen nahen Spielplatz tangieren könnte.

Ein Verfechter des Standortes ist hingegen Bürgermeister Martin Krumschnabel (Parteifreie). Er sieht Studentenheim und Wohnungssituation in der Stadt „als kommunizierende Gefäße“. Die Studierenden würden auf den Wohnungsmarkt drängen und die Preise nach oben drücken. Die 4000 Quadratmeter will Krumschnabel ohnedies „nicht mehr brachliegen lassen“. Entweder Studentenheim oder sozialer Wohnbau, so lautet sein Credo. „Und ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gemeinderat gegen den sozialen Wohnbau ist. Andere diskutierten über Chalets und wir über sozialen Wohnraum“, ärgert sich der Stadtchef.

Bei der Fachhochschule kann Bernhard Eidherr den Bedarf mit Zahlen unterlegen. Derzeit verwaltet die FH 167 Studentenwohnungen und die seien alle komplett voll, wie Eidherr betont. „Jedes Jahr bekommen wir rund 100 Anfragen, also würden wir den ersten Abschnitt sofort voll bekommen“, sagt Eidherr auf Anfrage der TT.

Bei der FH habe man auch durchaus Verständnis für die Sorgen der Anrainer, aber was den Verkehr anginge, könne er beruhigen. „Wir rechnen damit, dass rund 25 Prozent der Studierenden einen eigenen Pkw haben.“ Erfahrungswerte hätte man aus der bisherigen Vermietung. Und die Wiese würde ja nicht sofort zur Gänze verbaut, so dass noch Platz bleibe. Und wenn der Gemeinderat nun abwinkt? Dann gebe es einen Plan B für das Heim im Stadtteil Sparchen, so Eidherr.