Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.03.2019


Exklusiv

Innsbrucker Wirte beugen sich dem „Preisdiktat der Stadt“

Die erhöhten Gebühren für Innsbrucks Gastgärten bleiben. Und die Wirte werden sie bezahlen – auch wenn es im Hintergrund weiter gärt.

Im Hintergrund gärt es weiter, doch die allermeisten Betriebe werden – schönes Wetter vorausgesetzt – ihre Gastgärten aufsperren.

© Thomas Böhm / TTIm Hintergrund gärt es weiter, doch die allermeisten Betriebe werden – schönes Wetter vorausgesetzt – ihre Gastgärten aufsperren.



Von Marco Witting

Innsbruck – Menschen wären ja in der Maria-Theresien-Straße gestern viele gewesen. Aber an einen Gastgarten dachte bei der Schülerdemo für mehr Klimaschutz niemand. Was nicht nur am Wetter lag. Aber spätestens nächste Woche, sofern der Frühling Einzug hält, werden die meisten Gastronomiebetriebe ihr Gestühl hervorholen und die Saison starten – grummelnd und mehr oder weniger laut schimpfend, aber doch.

Noch einmal hatte BM Georg Willi am Donnerstag die Unternehmer wegen der gestiegenen Kosten für das Stehenlassen der Möbel über Nacht geladen. Informiert. Für Verständnis geworben. „Der ursprüngliche Plan war, das Stehenlassen gar nicht mehr zu erlauben. Das fanden wir zu überschießend“, sagte Willi noch einmal. Es brauche aber eine faire Lösung in Hinblick auf jene Betriebe, die die Möbel nicht stehen lassen können oder dürfen. Darum wurden die Kosten wie mehrfach berichtet um letztlich 70 Prozent erhöht. Aber: „Es gibt genug Flexibilität, weil wir ja jetzt auch monatsweise abrechnen können. Und heuer haben sich viele Betriebe schon zwei Monatsmieten gespart“, sagt der Bürgermeister, der das Gespräch mit Wirtschaftskammer und Gastronomen als sehr gut beschreibt. Nachsatz: „Natürlich verstehe ich es, dass jemand nicht erfreut ist, wenn er mehr zahlen muss.“

Bei der Wirtschaft und dementsprechend auch in der Wirtschaftskammer sprach man gestern davon, dass sich die „Gastgartenbetreiber nun dem Preisdiktat der Stadt unterwerfen müssen“. Zur Sicherung der eigenen Existenz und jener der vielen fleißigen Mitarbeiter. Die wirtschaftliche Wertschöpfung leidet aber. Tatsächlich sieht es derzeit so aus, dass wohl nur ein Betreiber seinen Gastgarten wegen der gestiegenen Kosten nicht aufsperren wird. Und in diesem Fall, so sieht man es in der Stadt, seien wohl nicht nur die erhöhten Tarife der Auslöser.

Immer wieder hatten die Wirte in der Diskussion darauf hingewiesen, dass die „Kostenexplosion“ zu massiv und das Geschäft extrem witterungsabhängig sei. „Unanständig und eine massive Benachteiligung einer einzelnen Gruppe“, gärt es auch weiterhin in der Wirtschaftskammer Tirol. Dort glaubt man, dass man im Stadtmagistrat das Stehenlassen nicht mehr wollte und deshalb an der Preisschraube gedreht habe.

Meistgehörte Folge der erhöhten Gebühren: höhere Preise in den Gastgärten. Davor hatte auch VP-GR Johannes Anzengruber (er ist auch Vorsitzender im Wirtschaftsausschuss) in der Koalition gewarnt. Anzengruber, selbst bekanntlich Wirt, hatte sich für die Wirte ins Zeug gelegt und sagt nun: „Wir konnten einige unrealistische Punkte wie die Anlehnung an den Immobilienpreisspiegel verhindern.“ Auch er befürchtet, dass letztlich die Kunden die erhöhten Gebühren schlucken werden müssen.