Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.03.2019


Bezirk Imst

Unterschriftenliste für Hausapotheke in Rietz

Rietz ist eine von 150 „Einarztgemeinden“ in Österreich: Man hat zwar einen Mediziner, aber keinen Zugang zu Medikamenten. Eine Initiative wirbt derzeit um Unterstützung.

Die Mappe mit bereits geleisteten Petitionsunterschriften im Rietzer Gemeindeamt ist mittlerweile einen guten Zentimeter dick.

© PaschingerDie Mappe mit bereits geleisteten Petitionsunterschriften im Rietzer Gemeindeamt ist mittlerweile einen guten Zentimeter dick.



Rietz – In Rietz wird derzeit mächtig die Werbetrommel gerührt: Es geht um eine Unterschriftenliste, damit der Allgemeinmediziner Carl Bader, der seit 2016 hier ansässig ist, eine Hausapotheke bekommt. Der Arzt hat seit Anfang des Jahres eine Liste in der Ordination aufliegen. BM Gerhard Krug legte mit einem Postwurf an alle Haushalte nach und bittet noch bis Ende März um Unterstützung des Doktors. Immerhin gehe es nicht nur um das Einkommen des Mediziners, sondern in erster Linie um die Versorgung der Gemeindebürger mit Medikamenten.

Baders Vorvorgänger als Arzt in Rietz hatte noch eine Hausapotheke. Doch mit der strengen Auslegung des Apothekengesetzes verschwand auch diese Einrichtung. Weil sich nämlich die nächste öffentliche Apotheke im Umkreis von sechs Straßenkilometern befand. Ende 2018 wandte sich eine österreichweite „Plattform Einarztgemeinde“ an Bader, er möge sich doch bei seinen Patienten um Unterschriften für eine Petition bemühen. Rietz war aber nicht der einzige Adressat: Die Plattform spricht von 300.000 betroffenen Bürgern in 150 österreichischen Gemeinden, wo es zwar einen Mediziner, aber keine öffentliche bzw. ärztliche Hausapotheke gibt. Auch in Tirol fallen einige Orte unter die Bestimmungen des Gebietsschutzes für öffentliche Apotheken.

Initiatorin ist die Ärztin von Pillichsdorf (NÖ), Andrea Man. Die politische Forderung lautet: ärztliche Hausapotheken in allen Einarztgemeinden ohne Kilometergrenzen oder sonstige Einschränkungen zu ermöglichen. Rechtlich vertreten wird die Initiative vom Vorarlberger Rechtsanwalt Markus Lechner. Der erklärt im Gespräch mit der TT: „130 der 150 betroffenen Gemeinden sammeln Unterschriften.“ Diese wolle man der Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein übergeben – allerdings habe man noch keinen Termin erhalten.

Bis dahin ist man seitens der Plattform auch in Tirol rührig: „Wir planen in Tirol noch einen Informationsabend“, so Lechner, „Veranstaltungsort könnten Pians oder Going werden“, nennt der Jurist betroffene Orte.

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Vor fast genau einem Jahr wurde man auch in Lermoos aktiv. „Wir sammeln auch noch Unterschriften“, so BM Stefan Lagg. Man habe zwar eine kleine Filiale der Ehrwalder Apotheke im Ort – diese habe allerdings nicht alle Medikamente lagernd, weshalb man oft zweimal hinmüsse. Bei dieser Veranstaltung erklärte der Präsident der Tiroler Apothekerkammer, Matthias König, den „Mehrwert“ öffentlicher Apotheken mit 365-Tage-Öffnung und Nachtdiensten.

Wie viele Unterschriften mittlerweile in Rietz zusammengekommen sind, haben bislang weder Arzt noch Gemeinde gezählt. (pascal)




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