Letztes Update am Di, 19.03.2019 10:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

TGKK kontra Tilg: Kasse beklagt Vorgangsweise bei Spitalsreform

Das Krankenhaus Natters soll geschlossen werden. Die Tiroler Gebietskrankenkasse fühlt sich als größer Zahler zu wenig in den Reformprozess eingebunden. Über die Vorgangsweise von Gesundheitslandesrat Tilg (ÖVP) scheiden sich die Geister.

Die Tage des Natterer Krankenhauses sind gezählt.

© Thomas Boehm / TTDie Tage des Natterer Krankenhauses sind gezählt.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die geplante Schließung des Landeskrankenhaus Natters lässt die Wogen hochgehen. Das Kompetenzzentrum für Lungenheilkunde soll in die Innsbrucker Klinik verlagert werden, die Innere Medizin mit der Akutnachbehandlung von Herz-und Tumorpatienten in das LKH Hall. Darüber hinaus könnten mit der Spitalsreform tirolweit 200 Betten eingespart werden, das Leistungsangebot der Spitäler wird besser aufeinander abgestimmt.

Doch wegen der Informationspolitik von Gesundheits-LR Tilg (VP) regt sich Widerstand. Nicht nur vom Betriebsrat der Tirol Kliniken. Jetzt kritisiert auch der mit 387 Mio. Euro größte Zahler der Spitäler den Landesrat. Die Gebietskrankenkasse bemängelt in einem Schreiben die mangelnde Information bei Natters und eine fehlende partnerschaftliche Vorgangsweise. Bis heute „liegt uns keine Erklärung zu den von Landesseite geplanten Veränderungen vor“, heißt es.

Für sie steht die Frage im Raum, „wie und wie detailliert die TGKK aktuell in diesen Prozess eingebunden ist“. Die Antwort von Obmann Werner Salzburger an Tilg erfolgte umgehend in einem Schreiben: „Die mündliche Informationsweitergabe an die Sozialversicherung beschränkte sich in den letzten Monaten allerdings auf die Bekanntgabe von Adaptierungen im Zeitplan sowie die Vorstellung der planerischen Vorgehensweise durch die steirische Planungsfirma EPIG.“ Ergebnisse seien trotz Vorliegen erster Analysearbeiten auch in der letzten Sitzung am 25. Februar nicht mitgeteilt worden.

Weiter heißt es: „Die Schließung des Krankenhauses Natters trifft die TGKK.“ Die Leistungs-Adaptierungen seien aufgrund der Berührungspunkte mit der Primärversorgung sowie den Erstversorgungseinheiten für die Sozialversicherung versorgungspolitisch und finanziell von hoher Relevanz. Fazit: Die Einbindung der Sozialversicherung in die nächste Runde der „Häusergespräche“ wird begrüßt, aber: „Eine rechtzeitige Information der Kasse in Bezug auf Natters und auch andere Vorhaben, insbesondere bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, wäre eine partnerschaftliche und der gemeinsamen Verantwortung entsprechende Vorgangsweise gewesen.“

Auch Personalvertreter wie der Zentralbetriebsrat der Tirol Kliniken, aber auch AK-Präsident Erwin Zangerl rügen die Informationspolitik des Landes. Für Zangerl sind die Pläne zur Schließung des LKH Natters ein informationspolitischer Super-GAU.

Indes gehen auch im Unterland die Gespräche über eine Spitalsreform weiter. Im Unterland wird vor allem eine bessere Vernetzung der Bezirkskrankenhäuser Kufstein und Natters angestrebt. Langfristig soll die Kinder- und Jugendheilkunde schwerpunktmäßig von St. Johann nach Kufstein verlagert werden.