Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 21.03.2019


Exklusiv

Mikroplastik: Kunstrasen-Debatte in Tirol ist angerollt

In der Landesregierung werden umweltfreundliche Alternativen zum Plastikgranulat diskutiert. Eine Anpassung des Fördersystems scheint nicht ausgeschlossen.

Im ganzen Land dasselbe Bild: Neben Kunstrasenplätzen (im Bild jener in Kirchbichl) liegen dieser Tage schwarz gefärbte Schneeberge. Auf ihnen hat sich eine dicke Schicht aus Plastikgranulat, das häufig aus alten Autoreifen hergestellt wird, gebildet.

© www.muehlanger.atIm ganzen Land dasselbe Bild: Neben Kunstrasenplätzen (im Bild jener in Kirchbichl) liegen dieser Tage schwarz gefärbte Schneeberge. Auf ihnen hat sich eine dicke Schicht aus Plastikgranulat, das häufig aus alten Autoreifen hergestellt wird, gebildet.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Am Wochenende startet die Rückrunde im heimischen Fußball-Unterhaus. Ins Rollen kommen nicht nur wieder die Bälle. Angelaufen ist auch eine Debatte um die Umweltschädlichkeit von Kunstrasenplätzen. Die Tiroler Umweltanwaltschaft erhebt derzeit, wie berichtet, die Auswirkung des verwendeten Plastikgranulats auf die Mikroplastik-Konzentration in Böden und Flüssen. Sportlandesrat LHStv. Josef Geisler (ÖVP) sagt, dass er eine Prüfung von umweltfreundlicheren Optionen für das oft aus Altreifen hergestellte Material veranlasst hat.

„Es hat bereits eine Besprechung gegeben, wir haben uns Hersteller von Alternativen angesehen“, erzählt Geisler. „Wenn wir auch sonst ständig über Plastik und die dadurch entstehenden Probleme reden, dann ist es nur konsequent, dass wir uns auch die Kunstrasenplätze genau ansehen.“ Sollte sich eine wirtschaftlich sinnvolle, also nicht zu teure, Lösung finden, spricht sich der Sportlandesrat dafür aus, dass diese auch verpflichtend für den Bau neuer Anlagen mit Kunst­rasen festgeschrieben werde. „Und damit auch an Förderungen geknüpft wird.“ Diskutiert werden müsse noch über das, was mit den bereits bestehenden, mit Plastikgranulat gefüllten Plätzen passiert.

Durchaus wichtig und konsequent findet der Präsident des Tiroler Fußballverbandes, Josef Geisler, die Überlegungen der Landespolitik. „Die Umwelt ist ein sehr hohes Gut, das steht außer Frage.“ Und wenn es abgesichert ist, dass sich die Plastikgranulate wirklich nachhaltig schädlich auf die Natur auswirken würden, dann seien laut Geisler die Pläne der Politik, etwa das Vorschreiben eines umweltfreundlichen Belags, auch von Seiten der Fußballclubs zu unterstützen. „Der Fördergeber ist immer die Prämisse. Und ich glaube, dass sich kein Verein gegen die Vorgaben des Fördergebers wehren würde.“

Wenig Hoffnung, dass am Ende der Prüfung des Sportlandesrates ein zufriedenstellendes Ergebnis herauskommt, hat Georg Traungott. Er ist Chef der gleichnamigen Firma mit Sitz in Innsbruck, die Kunstrasen vertreibt. „Zwar gibt es Kork-Füllmaterial, das hält aber nicht lange, zerbröselt sofort. Eine ausschließliche Befüllung der Plätze mit Quarzsand, wie es bei vielen Spielplätzen Anwendung findet, kommt für Fußballplätze deshalb nicht wirklich in Frage, weil die Gefahr, sich zu verletzen, höher ist.“ Die für Traungott einzig sinnvolle Alternative ist „hochwertiges Granulat. Das bröckelt nicht. Es ist immerhin die am wenigsten umweltschädliche Variante.“

Und wann ist mit einer Entscheidung des Landes zu rechnen? „In ein paar Wochen werden wir ein Ergebnis vorliegen haben und dann weitere Schritte prüfen“, sagt Landesrat Josef Geisler.