Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.03.2019


Landespolitik

Wenn Infrastruktur und Mensch ans Limit kommen

Bau, Nutzung und Auswirkung: Wohin soll und muss die Reise der alpinen Verkehrswege gehen? Darüber wird noch bis heute in Igls diskutiert.

Noch thront in Tirol die Straße über der Schiene. Auch was das Verhältnis der transportierten Waren betrifft. In der Schweiz ist es umgekehrt.

© Thomas Boehm / TTNoch thront in Tirol die Straße über der Schiene. Auch was das Verhältnis der transportierten Waren betrifft. In der Schweiz ist es umgekehrt.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck, Igls – Dass Verkehr Leben ist, hat einst Landeshauptmann Eduard Wallnöfer attestiert. Mit dem Bau der Inntal- und auch der Brennerautobahn kam auch das Leben und mit ihm in so manchem Tal der auf touristischem Fundament gründende Reichtum. Jedoch nicht ohne all seine Begleiterscheinungen. Aus dem Wachstum wurde mancherorts die viel zitierte Verkehrshölle. Davon können die Außerferner ein Lied singen sowie die Zillertaler und all jene im Inn- und Wipptal, die inzwischen 2,4 Millionen Transit-Lkw Jahr für Jahr schlucken müssen. Mensch und Infrastruktur sind am Limit.

All dessen waren sich gestern die Teilnehmer der 3. Interalpinen Bautage, die aus Südtirol, der Schweiz, Vorarlberg und dem südbayerischen Raum nach Igls angereist waren, auch anlässlich der aktuellen Debatten um die Neuplanung des Tschirganttunnels (siehe Lokalteil) oder der fertigen Studie für eine Bahntunneltrasse vom Ehrwalder Becken bis ins Inntal, bewusst.

Noch bevor sich eine illustre Expertenrunde am Nachmittag der Frage widmete, auf welche alternativen Antriebssysteme künftige Verkehrsinfratruktur ausgelegt werden müsste, ließ der Schweizer Vordenker und Verkehrsplaner Paul Stopper aufhorchen. Geht es nach ihm, sei das Land Tirol gut beraten, weder Tschirgant- noch Fernpassscheiteltunnel, sondern besser die große Bahntunneltrasse zu verfolgen: „Es sind einfach verlorene 400 Millionen Euro, wenn man in die Straße investiert. Man sollte dieses Geld besser in die Bahn setzen.“ Zweckoptimistischer gibt sich Stopper hinsichtlich des Brennerbasistunnels. Auch wenn die Zulaufstrecken nicht rechtzeitig fertig würden, sei der BBT keine Totgeburt. Auch bei der Inbetriebnahme des Gotthardtunnels habe sich die Schweiz ob der nicht optimalen Zulaufstrecken anpassen müssen.

Südtirols Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider betonte, dass ohne einen funktionierenden (Maut-)Korridor München/Verona die propagierte Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene schlicht nicht stattfinden werde. Und hier nahm er die Alpenländer in die Pflicht: „Da braucht es mutige Entscheidungen und Druck.“ Dem pflichtet VP-Verkehrssprecher Florian Riedl bei. Der BBT müsse bereits ab dem ersten Eröffnungstag funktionieren: „Die Bevölkerung ist am Anschlag.“

Interalpine Bautage

IBI: Auf Initiative der „Interalpin Bauinnovation Infrastruktur“ (IBI), einem Euregio Kompetenzzentrum, finden vom 21. bis 22. März im Igler Congress die 3. Interalpinen Bautage statt. IBI-Präsident und Wasser-Tirol-GF Dietmar Thomaseth hat Praktiker unterschiedlichster Richtungen und Politik an einen Tisch geholt, um die Zukunft von alpinen Verkehrswegen (in der Euregio) interdisziplinär zu diskutieren.