Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.03.2019


Bezirk Schwaz

Knappes Nein gegen neuen Klettersteig in Strass

Mit 6:5 Stimmen wurde das Klettersteigprojekt nach Maria Brettfall vom Gemeinderat abgelehnt. Der TVB hätte es finanzieren wollen.

Einen Klettersteig zur Wallfahrtskirche Maria Brettfall wird es nun doch nicht geben.

© Zoom.tirolEinen Klettersteig zur Wallfahrtskirche Maria Brettfall wird es nun doch nicht geben.



Von Angela Dähling

Strass – Es ist offenbar ein sensibles Thema in Strass, über das der Bürgermeister diese Woche noch nichts sagen wollte: das Projekt Klettersteig Maria Brettfall. Am Dienstag stand es nach rund 1,5 Jahren Vorplanung sowie viel Informationsaustausch im Gemeinderat und mit den Bürgern auf der Tagesordnung der öffentlichen Gemeinderatssitzung. Initiatoren sind die beiden Mandatare GV Aloi­s Rainer vom Gasthof Post und der Musiker und GR Daniel Prantl. Beide auf der Liste „Wir für Strass“, die fünf Mandate im Dorfparlament hält.

Sie stimmten für die Umsetzung. Doch die sechs Mandatare der „Bürgerliste“ mit BM Karl Eberharter waren dagegen. „Wir finden das sehr schade, denn wir hätten das als Betreiber sehr gern umgesetzt“, sagt der TVB-Obmann der Ersten Ferienregion im Zillertal Ernst Erlebach auf TT-Anfrage. Es gebe in der Region noch keinen Klettersteig im Sommer, argumentiert er. „Wir hätten es gut gemeint“, fügt er an und spricht von Kosten für die zwei Routen, Planungen, Gutachten etc. von 40.000 bis 60.000 Euro, die der TVB übernommen hätte. Erlebach kennt auch die Vorgeschichte: Einst hieß es, der Felsen sei nicht geeignet, dann habe der Gutachter sein Okay gegeben, wenn die Verankerung anders erfolgt. Auch die Parkplatzfrage wurde heiß diskutiert – letztlich sollten die Stellplätze beim Gemeindeamt dafür verwendet werden. Bahnhof und Bushaltestelle liegen übrigens in direkter Nähe. Erlebach weiß, dass es Widerstände aus der Bevölkerung gab, auch die Pfarre war dagegen. Selbst der Wirt des Gasthauses bei Maria Brettfall habe laut Erle­bach Bedenken gehabt, den Andrang der Gästeschar nicht bewältigen zu können.

All dies gibt auch Vizebürgermeisterin Julia Valtingojer („Bürgerliste“) als Gründe an, warum sich die Liste letztlich gegen die Umsetzung des Klettersteigs entschied. „Uns lag auch ein Schreiben des Pfarrers vor, das elf Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenräte unterschrieben hatten und den Gemeinderat baten, von dem Projekt Abstand zu nehmen“, sagt sie. Viele Bürger hätten Bedenken, dass der Wallfahrtsort, an dem es auch Trauungen gibt, und der Klettersteig nicht zusammenpassen, erklärt sie ihre Entscheidung. „Auch die Parkplatzsituation war nicht zufriedenstellend geklärt. Und ich denke, dass der Klettersteig weniger von Touristen als vielmehr von Einheimischen aus Nachbargemeinden nach Feierabend genutzt wird und noch mehr Verkehrsbelastung für den Ort bringt“, meint Valtingojer.

Initiator GV Alois Rainer betont, dass es sich um ein kleines Projekt handele: „Mit zwei Einstiegen und einem Ausstieg und nicht dem Klettersteig Zimmereben in Mayrhofen vergleichbar.“ Daher sei auch der zu erwartende Andrang viel geringer. „Wir haben das Projekt bestmöglich vorbereitet. Nun ist die demokratische Entscheidung gefallen und so anzunehmen“, sagt er und ergänzt, dass es wegen des Neins kein böses Blut geben werde.

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