Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.03.2019


Landespolitik

Radwegpläne bekamen Segen der Kirche

Pilger zur Wallfahrtskirche Kaltenbrunn müssen sich den Weg künftig mit Radlern teilen. Der Dekan hatte dabei ein Wörtchen mitzureden.

Der Weg von Kauns wird von vielen Pilgern begangen.

© ReichleDer Weg von Kauns wird von vielen Pilgern begangen.



Von Matthias Reichle

Kauns, Kaunerberg, Kaunertal – „Macht uns unseren Wallfahrtsweg nicht kaputt!“, Sorgen wie diese kennt Dekan Franz Hinterholzer nur zu gut. „Wir haben lang hin und her überlegt“, betont der Obergrichter Pfarrer. Ein Jahr lang dauerte der Entscheidungsprozess. Letztlich tagte die Dekanatskonferenz im Februar, um zu beschließen, ob es weitergehen soll. Im Kaunertal war damit die katholische Kirche die „erste Instanz“ für die Genehmigung eines Radwegprojekts.

Und ihre Entscheidung hatte Gewicht – obwohl sie gar nicht Grundeigentümer ist. Es war nämlich der Wunsch der Standortbürgermeister, auch den Dekan einzubinden, nachdem die Anbindung an den Via-Claudia-Augusta-Radweg über Prutz, Faggen, Kauns, Kaunerberg ins Kaunertal erstmals vom Tourismusverband präsentiert worden war. Es geht um ein Miteinander von Radlern und Wallfahrern.

Die Wallfahrtskirche Kaltenbrunn ist über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt und zieht viele Gläubige an.
Die Wallfahrtskirche Kaltenbrunn ist über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt und zieht viele Gläubige an.
- Reichle

„In einer kleinen Gemeinde sind Brauchtum und Religion eben noch tief verankert“, erklärt der Kauner Bürgermeister Matthias Schranz diese Vorgehensweise. „Sicher nicht ohne die Kirche“, war auch die Aussage des Kaunerberger Gemeinderats. „Wenn es um das Thema Wallfahrt geht, gibt es immer kritische Gegenstimmen“, betont Schranz’ Kollege Bürgermeister Peter Moritz.

Immerhin verläuft der Radweg zum Teil auf dem Pilgerweg von Kauns nach Kaltenbrunn. Die Wallfahrtskirche ist nicht nur in der Region beliebtes Ziel, sondern zieht Gläubige von weit her an. Radfahrer und Betende auf einer Strecke – geht das gut?

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

„Die Betreiber sagen, dass sie keine Rennstrecke machen. Wir wollen den Wallfahrtsort auch denen erschließen, die mit dem Rad unterwegs sind“, betont Dekan Hinterholzer. Die Dekanatskonferenz sagte schließlich einstimmig Ja.

Nicht zuletzt sah man auch zahlreiche Vorteile. Etwa, dass der Tourismusverband auch die Betreuung und Pflege des verwachsenen Weges übernimmt. Es soll aber auch ein neuer Parkplatz für die Pilger entstehen – bisher waren Wildparker auf der Landesstraße ein Problem –, außerdem sollen Gefahrenstellen entschärft und ein religiöser Rastplatz errichtet werden. „Wir sind zwar nicht Grundeigentümer, aber ideelle Nutzer“, betont Hinterholzer.

Dass das Thema Steinschlag und Lawinengefahr am Weg künftig vom Tourismusverband im Auge behalten wird, ist ein Argument, das für den Kaunerberger Bürgermeister Moritz Gewicht hat. „Im Frühjahr ist es herunten sattgrün und trotzdem gibt es zwei Lawinenstriche, die bis Anfang Juni ein Problem sein können. Das ist schwer zu kommunizieren. Manche schmeißen die Warntafel um.“ Ein Miteinander von Radfahrern und Wallfahrern funktioniere, wenn es mit Hirn gemacht wird, ist er überzeugt.

„Wir wollten keine Unstimmigkeiten, es war wichtig, dass der Dekan einverstanden ist“, betont TVB-Geschäftsführerin Michaela Gasser. Es sei auch üblich, andere Interessensgruppen, wie die Jäger, um ihre Zustimmung zu fragen. „Wenn jemand nicht im Rad­thema drin ist, meint er, es geht um Downhiller oder Raser“, reagiert sie auf derartige Befürchtungen. Das ist nicht der Fall. Bereits jetzt seien Radler auf der Strecke unterwegs – solange es aber kein ausgewiesener Radweg ist, könne man auch keine Hinweistafeln aufstellen, um darauf hinzuweisen, dass es Betende gibt, auf die man Rücksicht nehmen muss, so Gasser. Die Entscheidung in der Dekanatskonferenz sei übrigens ein erster Schritt gewesen. Das Großprojekt ist erst grob ausgearbeitet. Jetzt geht es um die Detailplanung und schließlich um die entscheidenden Behördenverfahren.