Letztes Update am Mo, 25.03.2019 10:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Meischberger: „Dornauer ist ein Talent, welches die SPÖ braucht“

Der frühere FPÖ-Manager Meischberger über sein Treffen mit dem Tiroler SPÖ-Chef und sein optimistischer Blick auf den Buwog-Prozess.

Walter Meischberger nennt Georg Dornauer einen „talentierten und interessanten Politiker“.

© APA/HochmuthWalter Meischberger nennt Georg Dornauer einen „talentierten und interessanten Politiker“.



Ihr Treffen mit dem Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer sorgt derzeit für eine heftige Debatte in Tirol.

Walter Meischberger: Das war ein privater Stammtischtreff. Die Debatte ist lächerlich und künstlich hochgezogen – mit der Absicht, einem jungen Politiker zu schaden. Außerdem ist es für das politische Denken der Linken bezeichnend, dass genau aus dieser Ecke immer Liberalismus und Toleranz gepredigt werden, und man dann im wirklichen Leben einem vom Volk gewählten Politiker vorschreiben will, mit wem er reden darf. Die Familien Meischberger und Dornauer kennen sich seit Jahrzehnten. Georg Dornauers Großvater war einer meiner Lehrer in der Schule. Dass sich zwei politische Köpfe zweier Nachbargemeinden einmal an einem Stammtisch treffen, ist sehr wahrscheinlich und wohl das Normalste auf der Welt. Besonders in Tirol. Ich habe den Georg in meinem Stammgasthaus zufällig getroffen, zum Gespräch eingeladen, und er hat es angenommen. (Meischbergers Heimatgemeinde Kematen befindet sich am Eingang des Sellraintals. Dornauer ist dort Bürgermeister; Anm.)

Sie glauben, man will einem jungen Politiker schaden.

Meischberger: Dass mit Georg Dornauer ein besonders talentierter und interessanter Politiker heranwächst, hat sich längst über Partei- und Landesgrenzen hinweg herumgesprochen. Meiner Meinung nach ist Dornauer eines jener Politiktalente mit Zukunft, welches die Sozialdemokratie braucht, um wieder gesunden zu können. Damit sie jene Rolle einnehmen kann, die die Sozialdemokratie – vor der FPÖ-Ausgrenzungspolitik durch Franz Vranitzky – einmal innehatte: also die Rolle des Gestalters und des Vermittlers.

In welchem politischen Spektrum verorten Sie Dornauer?

Meischberger: Dornauer kann sich mit Menschen auch dann gut unterhalten, wenn diese nicht aus der eigenen politischen Blase stammen. Dass sich die Herren Thomas Drozda (SPÖ-Bundesgeschäftsführer; Anm.) und Gebi Mair (Klubobmann der Tiroler Grünen; Anm.) über diese stinknormale Tiroler Stammtischgesprächskultur wundern, wundert mich nicht. Denn der eine, Drozda, steht für die Ausgrenzungspolitik, die die SPÖ letztlich ins politische Abseits befördert hat, der andere für eine Bezichtigungs- und Anzeige-Politik, mit der die Grünen aus dem Parlament geflogen sind. Beide Politikstile sind also krachend gescheitert.

Dornauer hat das Treffen mit Ihnen per Facebook selbst öffentlich gemacht. Sie sind seit 20 Jahren nicht mehr aktiv in der FPÖ. Sie gelten aber als Repräsentant eines politisch korrupten Systems aus den Jahren von Schwarz-Blau I.

Meischberger: Obacht, Herr Redakteur! Aufpassen! Ich stehe nicht für ein System, egal für welches. Aber es stimmt: Ich bin seit mehr als 20 Jahren nicht mehr politisch aktiv, bin auch kein Parteimitglied mehr. Seit 20 Jahren bin ich ein überzeugter Wechselwähler ...

... und Angeklagter im Buwog-Prozess.

Meischberger: Ich bin im Buwog-Prozess zwar beschuldigt, aber nicht verurteilt. Im Gegenteil. Ich war in einem Prozess, der 2015 medial als Pilotprozess zum jetzigen Buwog-Prozess angekündigt wurde, ebenso angeklagt und prompt freigesprochen worden. Ich bekenne mich auch in diesem laufenden Prozess für nicht schuldig und sehe im gesamten bisherigen Prozessverlauf nichts Belastendes, nichts, was eine Verurteilung wahrscheinlich macht. Deshalb wäre eine Gesprächsverweigerung mir gegenüber aus dem vorgegebenen Grund, ich wäre Angeklagter im Buwog-Prozess, nichts anderes als blanke Vorverurteilung und Ausgrenzung – nichts, was ein wirklicher Demokrat machen würde. Offensichtlich ist Georg Dornauer ein Demokrat. Ob es in meinem Fall je zu einer Verurteilung kommt, wird man sehen. Aber jedenfalls spielt sich Georg Dornauer nicht als Richter auf.

Das Gespräch führte Michael Sprenger

Dornauer ist seit drei Wochen Tiroler SPÖ-Chef.
Dornauer ist seit drei Wochen Tiroler SPÖ-Chef.
- Foto TT / Rudy De Moor

Freundschaft mit flapsigen Sprüchen

Innsbruck – Sexistisch-flapsige Sprüche, gepaart mit Populismus, Seite an Seite mit dem Vertreter des rechten SPÖ-Flügels, dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Dos­kozil, und einer zur Schau gestellten Freundschaft mit Walter Meischberger. So legte der karrierebewusste Georg Dornauer seinen Weg nach oben an die Spitze der Tiroler SPÖ an. Sein Treffen mit dem früheren FPÖ-Spitzenpolitiker Meischberger (die Tiroler Tageszeitung berichtete ausführlich) sorgte zuletzt für parteiinterne Kritik. An Dornauer perlte dies bislang alles ab. (misp)