Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.03.2019


Exklusiv

„AdBlue“-Studie: Ruf nach schärferen Lkw-Kontrollen

Die Opposition warnt die Landesregierung davor, den Studienergebnissen keine Taten folgen zu lassen. Exekutive fehlen geeignete Prüfinstrumente.

„AdBlue“ muss bei neuesten Lkw zugetankt werden, damit das Abgasreinigungssystem voll funktioniert. (Symbolfoto)

© imago„AdBlue“ muss bei neuesten Lkw zugetankt werden, damit das Abgasreinigungssystem voll funktioniert. (Symbolfoto)



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die aktuelle Transitpolitik des Landes steht und fällt mit der korrekten Abgasklassifizierung der Schwerfahrzeuge. Viele der Verbote und Maßnahmen sind an die jeweilige Euro-Klasse gebunden. Bis dato haben beispielsweise Lkw der neuesten, weil „saubersten“ Klasse Euro VI nicht nur in der Nacht freie Fahrt, auch sind sie vom sektoralen Fahrverbot bestimmter Güter ausgenommen. Genau diese zwei Verbote sollen nun verschärft werden. Doch ob künftig auch Euro-VI-Lkw in das sektorale Fahrverbot fallen – davon muss Tirol erst noch die EU überzeugen.

Doch was, wenn die Abgaswerte der neuen Lkw-Generationen nur am Papier existieren und dem Alltagseinsatz nicht standhalten können? Am Ende vielleicht sogar durch eine gezielte Manipulation der Abgasreinigungssysteme? Das sollte die „AdBlue“-Studie des Landes klären, die TT berichtete. Den Verdacht auf Manipulation konnte die Studie nicht hieb- und stichfest belegen. Schwarz auf weiß nachzulesen ist, dass 27 Prozent der geprüften Lkw weit mehr Stickoxid ausstoßen als erlaubt. Was die bisherige Transitpolitik ad absurdum führt.

„Die Studienergebnisse haben deutlich gemacht, dass die Überschreitung der Stickoxidwerte bei Lkw durchaus ein Thema ist, das wir ernst nehmen müssen und das noch näher untersucht gehört“, sagte gestern VP-Verkehrssprecher Florian Riedl. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) hat bereits angekündigt, dies in den zuständigen Ministerien vorbringen zu wollen. Derzeit hapere es aber an belastbaren Kontrollinstrumenten.

Auch der Leiter der Verkehrsabteilung der Polizei, Markus Widmann, bestätigt auf Anfrage, dass die Überprüfung der Funktionalität von Lkw-Abgasanlagen insbesondere mit dem Fokus auf Manipulation „für uns derzeit technisch nicht möglich ist“. Hierzu bedarf es stets der Beiziehung von Sachverständigen. Der Aufwand sei groß. Mit Kontrollen von Lenk- und Ruhezeiten sei das nicht vergleichbar. Die Entwicklung von Prüfinstrumenten würde Widmann begrüßen.

Kontrollen seien jetzt schon möglich, sagt indes Transitforumchef Fritz Gurgiser. Dem Land müsste es halt den Aufwand wert sein. Dass rund um „AdBlue“, den Zusatzstoff zur Abgasreinigung, manipuliert werde, sei „europaweit bekannt“, sagt Gurgiser: „Nachdem jeder Gewerbebetrieb penibel auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Werte überprüft wird, ist das auch beim Lkw eine ganz normale Angelegenheit. ,Auffällige‘ Lkw gehören aus dem Verkehr gezogen und kontrolliert.“

Die Landesregierung müsse die Studienergebnisse nutzen, um Druck auf die EU und die Nachbarstaaten zu machen, fordert Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider: „Die Ergebnisse sind niederschmetternd und Anlass für schärfere Maßnahmen.“ Klare Konsequenzen fordert auch LA Andreas Leitgeb (NEOS) ein: „Abgasmanipulationen müssen aufgedeckt werden.“ Zeit und Aufwand dürften dabei keine Rolle spielen. FP-Chef Markus Abwerzger bringt erneut seine Forderung auf den Tisch, künftig die (AdBlue-)Tankrechnungen bei Lkw-Kontrollen zu überprüfen. Auch die SPÖ fordert rigorose Kontrollen, „wann immer ein Verdachtsmoment“ vorliegt, so LA Philip Wohlgemuth.