Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 26.03.2019


Innsbruck

Katharina-Stube: Nahrung für Körper und Seele

Die Erweiterung des Angebots der Sozialeinrichtung lockte gestern zahlreiche Politiker. Caritas hofft unterdessen auch auf räumlichen Ausbau.

Die Leiterin der Katharina-Stube, Gertraud Gscheidlinger, bei der Essensausgabe.

© CaritasDie Leiterin der Katharina-Stube, Gertraud Gscheidlinger, bei der Essensausgabe.



Von Marco Witting

Innsbruck – Wenn die Anzahl von Politikern auf dem Podium und die Dichte der Medienvertreter gegenüber ein Indikator für die Bedeutung eines Themas in der Stadt sind, dann stehen soziale Fragen mittlerweile ganz oben auf der Agenda der Politik. Tatsächlich wurde viel geredet, gestritten und geschrieben über Sozialeinrichtungen in Innsbruck – deren Bedeutung und deren Probleme im Umfeld. Gestern marschierte die Politik- und Medienriege bei der Katharina-Stube, die von den Barmherzigen Schwestern und der Caritas betrieben wird, auf. Klares Signal: Durch den Ausbau bestehender Einrichtungen und neue Angebote sollen die Brennpunkte an anderen Standorten entschärft werden. Die Caritas hofft unterdessen auf einen auch räumlichen Ausbau der Stube.

Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler bemühte für die Bedeutung der Einrichtung die Nahrungsaufnahme: „Hier kriegen die Menschen etwas zu essen. Dieses Grundbedürfnis dürfen wir nicht herunterspielen. Neben der Nahrung für den Körper braucht es aber auch Nahrung der Zuwendung, der Wertschätzung und Güte. Nahrung für die Seele.“ Deshalb seien derartige Ein­richtungen auch Teil des kirchlichen Auftrags, dem Caritas und Barmherzige Schwestern nachkommen. Caritas-Direktor Georg Schärme­r lobte die „rasche und unkomplizierte“ Erweiterung der Katharina-Stube. Wobei sich die Erweiterung einerseits auf finanzielle Fragen (96.000 Euro kommen vom Land, rund 50.000 von der Stadt) bezieht, andererseits geht es auch um den Ausbau von Öffnungszeiten, Duschmöglichkeiten und mehr Sozialarbeit. Eine unmittelbare Folge der jüngsten Diskussionen rund um andere Sozialeinrichtungen.

30.000 Essen wurden hier bisher schon ausgegeben. 2000-mal wurde die Möglichkeit genutzt, zu duschen. Wohnungslose und bedürftige Menschen werden in der Stube mit Essen versorgt. Dazu gibt es viel Sozialarbeit direkt mit den Bedürftigen. „Wir haben hier Migrationsarmut aus Osteuropa genauso wie einsame Frauen aus dem Saggen, die sonst niemand haben“, berichtet Gertraud Gscheidlinger, die Leiterin der Einrichtung. Das alles finde ohne Probleme statt. Gscheidlinger hofft, dass man die „Hotspots“ in der Stadt dadurch etwas entschärfen kann. Schärmer richtete seine Zukunftshoffnungen unterdessen in Richtung LH Günther Platter, der ebenfalls am Podium saß. „Die Ideen gehen uns nicht aus. Eher der Platz. Krankenzimmer für Menschen, die ihre schwere Grippe sonst auf der Straße mit Alkohol behandeln, wären ein Wunsch. Nicht für morgen. Aber für übermorgen.“

Generaloberin Sr. Paulin­e Thorer erklärte, dass die Barmherzigen Schwestern vor einiger Zeit erkennen mussten, dass sie nicht mehr alleine „alles bieten“ können, um die Einrichtung zu betreiben. Deshalb sei man an die Caritas herangetreten, mit der Bitte, die Einrichtung gemeinsam zu betreiben. Die Wünsche für einen Ausbau unterstützt der Orden.

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Platter vernahm die Wünsche. Er hatte sich gemeinsam mit Soziallandesrätin Gabi Fischer, die ebenfalls am Podium saß, für die Unterstützung der Katharina-Stube starkgemacht. „Für den sozialen Frieden in unserem Land müssen wir auch Geld in die Hand nehmen.“ Man müsse auch jenen eine Stimm­e geben, die keine Möglichkeit dazu hätten. Der Landeshauptmann dankte speziell den Mitarbeitern und den Ehrenamtlichen, die sich engagieren. Fischer erklärte unterdessen, dass für sie „jeder Obdachlose auf der Straß­e eine­r zu viel ist“.

Caritas-Direktor Schärmer ortet für Obdachlosigkeit in der Bevölkerung durchaus Akzeptanz. Nachsatz: Anders als in anderen Bereichen. Doch wie BM Georg Willi es formulierte: „Es kann jeden von uns treffen. Der soziale Frieden gelingt nur, wenn wir zusammenarbeiten.“

Das will die Stadt bekanntlich auch in einigen Einrichtungen der Zukunft. Etwa in der Matthias-Schmid-Straße, wo man sich gemeinsam mit der Caritas um Alkoholkranke kümmern will. Vize-BM Franz Gruber: „Wir haben im Sozialbereich große Aufgaben zu bewältigen. Durch die Entflechtung von Einrichtungen können wir auch die Bevölkerung in diesem Bereich miteinbeziehen.“