Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.03.2019


Bezirk Kufstein

Gemeinsame Entwicklung

eines Dorfes

Die Etablierung einer Genossenschaft für Projekt- und Strukturentwicklung in Walchsee trägt bereits erste Früchte.

Freuen sich über die gute Entwicklung: (v. l.) Raiffeisen-Vorstand Peter Hechenblaikner, BM Dieter Wittlinger und ISK-GF Marco Fehr.

© EberharterFreuen sich über die gute Entwicklung: (v. l.) Raiffeisen-Vorstand Peter Hechenblaikner, BM Dieter Wittlinger und ISK-GF Marco Fehr.



Walchsee – Vor drei Jahren wurde die Projekt- und Strukturentwicklungsgenossenschaft (PSG) Walchsee eGen gegründet. Erste sichtbare Erfolge sind nun 35 zusätzliche Arbeitsplätze sowie 133 weitere, die langfristig in der Region gesichert sind.

„Für Gemeinden sind Grundstücke Rohstoffe, um sich entwickeln zu können“, sagt Marco Fehr, GF des Instituts für Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung (ISK), welches einen Dorfentwicklungsprozess in Walchsee startete. Allerdings sei auch die Verfügbarkeit wichtig, und so hat die PSG in den drei Jahren 3,3 Hektar Grund gekauft und vermittelt. Die Grundstücke werden dann entsprechend gewidmet und erschlossen, damit bei Firmenanfragen „sofort gehandelt“ werden könne.

Konkret handelt es sich bei diesen Flächen um die Gewerbegebiete in Durchholzen sowie um das ehemalige Strabag-Areal. „Wenn wir diese Flächen nicht gehabt hätten, dann wären die Firmen zum Abwandern gezwungen gewesen“, meint Bürgermeister Dieter Wittlinger.

Für das Strabag-Areal hätte es zwar mehrere Interessenten gegeben, jeder von ihnen wollte aber nur Teilflächen haben. Die Eigentümer hingegen waren auf einen Einzelkäufer aus – und so kam die PSG zum Zug.

„Seit der Finanzkrise 2008/09 werden die Genossenschaften zunehmend modern“, schildert Peter Hechenblaickner, Vorstand der Raiffeisen Bezirksbank Kufstein. In Vorarlberg gibt es bereits acht Gemeinden mit einer PSG, in Tirol ist außer in Landeck keine weitere vorhanden – allerdings sind vier im Entstehen.

Das Besondere an dieser Form der Genossenschaft: Die PSG kann mit den Grundkäufern Vor- und Wiederkaufverträge abschließen, darin auch Mitarbeiternutzungszahlen verankern. Man könne somit beispielsweise verhindern, dass eine Halle errichtet und dann vermietet wird, aber nur ein einzelner Lagerist darin arbeitet, so die Experten. (be, TT)