Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 01.04.2019


Innsbruck-Land

Erneuter Rückschlag für Hotelprojekt am Obernberger See

Der Gemeinderat lehnte es ab, den Weg zum Obernberger See zu einer öffentlichen Interessentschaftsstraße zu erklären. Der Projektwerber ist ratlos.

Das Gasthaus am Obernberger See ist schon seit vielen Jahren geschlossen. Ein Neuprojekt scheitert derzeit an der Zufahrt.

© Thomas BöhmDas Gasthaus am Obernberger See ist schon seit vielen Jahren geschlossen. Ein Neuprojekt scheitert derzeit an der Zufahrt.



Von Denise Daum

Obernberg – Mangelndes Durchhaltevermögen kann man Clemens Unteregger nicht vorwerfen. Seit neun Jahren beschäftigt ihn das geplante Refugia-Hotel am Obernberger See. Zwar würden die lang erkämpften Genehmigungen (Bau-, Naturschutz- und Gewerberecht) endlich vorliegen. Das Vorhaben scheint nun aber an der Zufahrt zu scheitern. Wie berichtet, entschied das Oberlandesgericht vor Kurzem, dass für das geplante Hotel keine Zufahrtsberechtigung vorliegt. Geklagt haben die Wegberechtigten der örtlichen Bringungsgemeinschaft, die sich bekanntlich gegen das Projekt querlegen.

Nun ist ein weiterer Anlauf zur Realisierung gescheitert: Der Antrag der Projektwerber an die Gemeinde, den derzeitigen Bringungsweg der Bringungsgemeinschaft Obernbergerseeweg mittels Bescheid zu einer öffent­lichen Interessentschaftsstraße zu erklären, wurde abgelehnt. „Unser Ansatz war, dass nun die Gemeinde den Weg auf ein­e rechtliche Basi­s stellt, damit wir nach der Realisierun­g nicht ohne Zufahrt dastehen“, erklärt Unteregger. „Uns wurde auch stets von der Gemeinde zugesichert, dass das Problem gelöst wird. Es ist schon verblüffend. Über all die Jahre stimmen elf zu null Mandatare für das Projekt. Und jetzt lässt man uns so hängen“, versteht Unteregger die Welt nicht mehr. In das Projekt sei mittlerweile schon „ein Haufe­n“ Geld geflossen.

Gegen den Antrag hat auch Bürgermeister Josef Saxer gestimmt. „Es gibt nun einmal sechs Grundbesitzer auf dem Weg, die sich querlegen. Da wollen wir als Gemeinde nicht drüberfahren. Das würde auf eine Enteignung hinauslaufen“, erklärt Saxer. Sein Ansatz: Die Mitglieder der Bringungsgemeinschaft und die Projektwerber sollen sich zusammensetzen und das ausreden. Ob das nach all den Jahren des Rechtsstreits funktioniert? „Es ist schon eine total verfahrene Geschichte“, seufzt der Bürgermeister. „Aber es wäre sehr wichtig, wenn am Obernberger See endlich was passiert.“

Das hängt auch davon ab, wie lange das Durchhaltevermögen von Clemens Unteregger noch anhält. „Langsam fühle ich mich nicht mehr bemüßigt, Gas zu geben. Offenbar will Obernberg nicht, dass dort etwas passiert.“ Er sei gesprächsbereit. „Wie immer.“