Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.04.2019


Bezirk Reutte

Grundpreise nicht befeuern: Lechaschau will keine Zweitwohnsitze

Auf die Überlegung, die neuen Häuser der Anlage „Kirschgarten Allee“ auch als Zweitwohnsitze verkaufen zu können, geht die Gemeinde Lechaschau nicht ein. Die örtlichen Grundpreise sollen nicht befeuert werden.

Die Wohnanlage „Kirschgarten Allee“ mit 17 Einheiten steht in Lechaschau bereit für Käufer, jedoch nicht für Zweitwohnsitzinteressenten.

© Mittermayr HelmutDie Wohnanlage „Kirschgarten Allee“ mit 17 Einheiten steht in Lechaschau bereit für Käufer, jedoch nicht für Zweitwohnsitzinteressenten.



Von Helmut Mittermayr

Lechaschau – Nur eine Handvoll Häuser und Hütten wurden in Lechaschau im Zuge einer Gesetzesnovellierung in den 1990er-Jahren als Zweitwohnsitze definiert. Die einzige in der Flächenwidmung ausgewiesene Sonderfläche Freizeitwohnnutzung ist das von einem Münchner Verein geführte Freizeit- und Fortbildungshaus am Frauensee. Lechaschau war so sparsam mit der Vergabe, dass von den 600 Gebäuden im Ort gerade ein halbes Prozent unter die Rubrik dauerhaft bewohnbarer Zweitwohnsitz fällt, acht Prozent wären erlaubt.

Kurz aufgeflammt ist die Zweitwohnsitz-Diskussion nach Erkundigungen des Reuttener Unternehmers Hans Schweiger, der nahe der Lechtaler Straße gerade 17 Wohnhäuser in verdichteter Bauweise errichtet hat. In Kürze ist Endabnahme in der so genannten „Kirschgarten Allee“, dann soll laut Schweiger der Verkauf auch so richtig gestartet werden. Eine Einheit ist schon länger verkauft.

Vizebürgermeister Wolfgang Klien, er vertritt aktuel­l den urlaubenden Bürgermeister Hansjörg Fuchs, winkt auch gleich ab. „Zu einer Abstimmung im Gemeinderat wird es gar nicht kommen. Es gab eine mündliche Anfrage und die Auskunft, die der Bürgermeister erteilt hat, war eindeutig.“ Denn die Stimmung in der Gemeindestube sei klar gegen neue Zweitwohnsitze gerichtet. Klien: „Für uns ist zum Beispiel wichtig, dass die Grundpreise im Ort nicht noch durch Zweitwohnsitze weiter befeuert werden.“ Wohlhabende EU-Ausländer könnten jeden Preis zahlen, Einheimische würden auf der Strecke bleiben. Schon jetzt würden die Grundpreise in guten Lagen bei 170 bis 180 Euro pro Quadratmeter liegen. Vorstellungen seien in Einzelfällen auch schon weit über die 200er-Marke hinausgegangen. Und verfügbarer Grund ist laut Klien sehr knapp und würde bei einer Öffnung für Zweitwohnsitze noch rarer werden.

Anton Koch, Amtsleiter der Gemeinde Lechaschau, verweist auf einen weiteren Aspekt, wenn „die Häuser das Dreivierteljahr leer stehen“. Es gebe genug Beispiele von Geisterstädten. „Die von der Gemeinde errichtete Infrastruktur wie eine Kanalisierung muss ja refinanziert werden. Beispiel Wasserverbrauch. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Haus wie üblich rund 120 Kubikmeter oder nur zehn verbraucht – und bezahlt. Schließlich wird ja die Abschreibung vom Bewohner mitfinanziert“, weiß der erste Beamte des Ortes.

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Hans Schweiger selbst will bei der Gemeinde gar nie wirklich angefragt haben. „Wenn das erst kürzlich passiert ist, müsste das mein Makler gemacht haben. Ich war es ganz sicher nicht. Ich habe vor längerer Zeit einmal das Thema beiläufig angesprochen. Das war es aber auch schon. Mehr war da nicht.“ In der „Kirschgarten Allee“ werden also echte Lechaschauer wohnen.