Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.04.2019


Exklusiv

Bodenverbrauch und Klima setzen den Alpen massiv zu

Die Alpenkonvention ringt heute in Innsbruck um Antworten, um Alpen klimaneutral zu halten. Ob Deklarationen etwas bringen, ist jedoch fraglich.

Schlechte Luft wird im verkehrsgeplagten Tirol sichtbar. Doch Alpenkonventions-Staaten wie Italien oder Deutschland verhindern Maßnahmen.

© DählingSchlechte Luft wird im verkehrsgeplagten Tirol sichtbar. Doch Alpenkonventions-Staaten wie Italien oder Deutschland verhindern Maßnahmen.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Alpenkonvention schützt völkerrechtlich die Bergregionen mit ihren 14 Millionen Einwohnern. Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Schweiz, Slowenien sowie die EU haben sie unterzeichnet. In den Durchführungsprotokollen (u. a. Verkehr, Bergwald, Landwirtschaft oder Tourismus) werden Schutzmaßnahmen festgelegt, wie etwa das Verbot neuer alpenquerender Transitachsen. Die heute in Innsbruck tagende Alpenkonferenz ist das höchste Gremium, Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) übergibt dabei den Vorsitz an Frankreich. Auch eine neue Generalsekretärin für das Ständige Sekretariat in Innsbruck wird designiert. Markus Reiterer scheidet im Juni aus, die ehemalige slowenische Ministerin Alenka Smerkolj soll ihm nachfolgen.

Inhaltlich steht vor allem der neue Alpenzustandsreport im Mittelpunkt der Tagung. Und hier die Auswirkungen des Klimawandels auf die alpinen Regionen. Ein Schwerpunkt ist zugleich der Bodenschutz bzw. die Bodenversiegelung, die im Zusammenhang mit vermehrten Starkregenereignissen natürlich verstärkt zu Problemen führt. Daraus ergibt sich ein notwendiges Naturgefahrenmanagement – bei Hochwasser, Murenabgängen, Felsstürzen, massiven Schneefällen, wie im Jänner, oder Lawinen –, das grenzüberschreitend immer wichtiger wird.

Risiko-Governance ist die Weiterentwicklung des Naturgefahrenmanagements und wird im Alpenreport diesmal ausführlich beleuchtet. Experten stellen sich dabei die Frage, was getan werden müsse, um zu vermeiden, dass plötzlich unvorhergesehene Risikoereignisse eintreten, die das Weiterbestehen von Strukturen gefährden. „Naturgefahren-Risiko-Governance befindet sich noch im Anfangsstadium, dennoch sind wir bemüht, sie stetig gemeinsam mit der Alpenkonvention weiterzuentwickeln. Der Alpenzustandsbericht zeigt Musterbeispiele auf, gibt aber auch klare Handlungsempfehlungen ab“, ist Ministerin Elisabeth Köstinger überzeugt.

Beim klassischen Naturgefahrenmanagement investiert Tirol heuer etwa 76 Millionen Euro in Schutzbauten wie für die Wildbach- und Lawinenverbauung. Eine vorbeugende Maßnahme im Tal wäre die Eindämmung des Bodenverbrauchs. In den vergangenen drei Jahren wurden pro Tag in Österreich 11,8 Hektar neu beansprucht. Im Alpenreport wird darauf hingewiesen, dass in Österreich kein einheitlicher Rechtsrahmen für den Bodenschutz besteht. Auch von einer teilweise angenommenen Wirkungslosigkeit ist die Rede.

Größte Herausforderung, um dem Klimawandel entgegenzutreten, ist die Reduzierung der Treibhausgase. In Tirol steht der (Transit-)Verkehr mit den Schadstoffemissionen im Mittelpunkt. In Innsbruck wird deshalb die Deklaration „Klimaneutrale und klimaresiliente Alpen 2050“ verabschiedet. Ob das wieder einmal eine diplomatische Beruhigungspille ist wie bei vielen Aktionen der Alpenkonvention, wird sich herausstellen. Denn gerade Staaten wie Italien und Deutschland legen sich seit Jahren bei den Tiroler Antitransitmaßnahmen quer.

„Naturgefahren hängen eng mit dem Klimawandel zusammen. Für diese Klimaveränderungen brauchen wir Antworten.“ Elisabeth Köstinger

(Umweltministerin)
„Naturgefahren hängen eng mit dem Klimawandel zusammen. Für diese Klimaveränderungen brauchen wir Antworten.“ Elisabeth Köstinger 
(Umweltministerin)
- APA