Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.04.2019


Tirol

Politologe: Burschenschaften haben in Tirol wenig Zulauf

In Tirol haben die schlagenden Burschenschaften ihr Popularitätshoch in den 50er- und 60er-Jahren gehabt. Jetzt haben sie kaum noch Zulauf.

Treffen der Deutschen Burschenschaft 2013 in Innsbruck. Demonstriert wurde dafür und dagegen.

© ZOOM-TIROLTreffen der Deutschen Burschenschaft 2013 in Innsbruck. Demonstriert wurde dafür und dagegen.



Innsbruck – Bei den schlagenden und fakultativ schlagenden Burschenschaften stagniere der Zulauf, meint der Innsbrucker Politologe Reinhold Gärtner. Diesen Befund hatte er bereits vor einigen Jahren erstellt und er sei nach wie vor aufrecht. Schlagend heißt, die Burschen fechten Mensuren aus. Die etwaige Schnittverletzung nennt man Schmiss. Die Narbe dient als Erkennungsmerkmal unter den Mitgliedern und Altherren.

Jedes Mal, wenn sich Burschenschafter in Tirol treffen wollen, ist die Aufregung groß. 2013 demonstrierten in Innsbruck sowohl die Deutschen Burschenschafter für ihr Recht, sich zu versammeln, als auch ihre Gegner, die das verhindern wollten. Innsbrucks ehemalige Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer vereitelte das Treffen der Burschenschafter in der Innsbrucker Messehalle, während ihr Vorvorgänger Altlandeshauptmann Herwig van Staa als Bürgermeister an einem Treffen der Burschenschafter teilnahm.

„Die Blütezeit der Burschenschafter lag in den 50er- und 60er-Jahren“, sagt Gärtner, der heute kaum noch Aktivitäten der Verbindungen registriert. Früher hätten sie einschlägige Broschüren herausgebracht, den Holocaust-Leugner David Irving einladen wollen oder Freiheitskommerse veranstaltet. „Heute fallen die Burschenschafter nicht wirklich sehr auf.“ Durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ seien sie auf Bundesebene stark in Gremien wie dem Nationalrat oder in Ministerbüros vertreten. „Sobald die FPÖ Posten zu vergeben hat, kommen Burschenschafter vermehrt zum Zug“, sagt Gärtner.

Junge Menschen würden den Deutsch-Nationalismus der Verbindungen wohl als Anachronismus wahrnehmen und sich nicht angesprochen fühlen. „An Universitäten herrscht eigentlich ein liberaleres Gedankengut vor wie außerhalb des Campus.“ (aheu)