Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.04.2019


Tirol

Tanktourismus: Kammerboss pfeift VP-Nationalrätin zurück

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser sichert der Landesregierung volle Unterstützung bei Maßnahmen gegen den Lkw-Tanktourismus zu.

Billig-Dieseltankstellen in Gemeinden wie Fritzens sorgen für tägliche Staus.

© ZOOM.TIROLBillig-Dieseltankstellen in Gemeinden wie Fritzens sorgen für tägliche Staus.



Von Peter Nindler

Innsbruck — In der Tiroler ÖVP ist Krisenmanagement angesagt, schließlich will man sich die harte Antitransitlinie nicht von innen heraus torpedieren lassen. Da geht es um Glaubwürdigkeit. Dazu gehören eben auch Maßnahmen gegen den Lkw-Tanktourismus an den elf Billig-Dieseltankstellen in den Gemeinden entlang der Inntal- und Brennerautobahn. Er verursacht täglich Staus auf den Zufahrten, gleichzeitig zieht der Billig-Diesel rund 300.000 zusätzliche Transitfahrten an.

Dass die von LH Günther Platter (VP) und Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) geplanten zeitweisen Lkw-Fahrverbote in den Morgenstunden auf den Autobahnzu- und -abfahrten von ÖVP-Nationalrätin, Wirtschaftsbundfunktionärin und Tankstellensprecherin in der Wirtschaftskammer Rebecca Kirchbaumer torpediert werden („Nur das letzte Mittel"), hält die ÖVP auf Trab. Jetzt spricht sogar der Präsident der Wirtschaftskammer Christoph Walser ein Machtwort: „Kirchbaumer vertritt nicht unsere Position." Im Gegenteil: Walser sichert Platter und Felipe vollste Unterstützung zu. „Wollen wir in der Verkehrspolitik glaubwürdig sein, so muss unser vorrangiges Interesse sein, dass die Transit-Lkw auch auf den Transitrouten bleiben", sagt er zur TT.

Walser hat kein Verständnis dafür, dass internationale Konzerne auf Kosten der Tiroler Bevölkerung und der heimischen Wirtschaft, die ebenfalls unter den Verkehrsbehinderungen an den neuralgischen Punkten leidet, Millionen verdienen würden.

Obwohl in den vergangenen Jahren von den Tankstellenbetreibern Lösungen stets blockiert wurden, drängt Kirchbaumer auf eine gemeinsame Lösung. Und gerät damit immer mehr ins Abseits. Die Kritik in der Tiroler ÖVP wird immer lauter. Doch nicht nur in ihrer Partei.

Der Obmann des Transitforums Fritz Gurgiser meint, es gehe nicht mehr viel peinlicher. Mittlerweile erhält Kirchbaumer sogar schon Einladungen aus der Bevölkerung, sich die Situation vor Ort an den betreffenden Straßen anzuschauen. So heißt es in einem Schreiben: „Staus sind täglich vorprogrammiert und unvermeidlich — meist bis zurück zum Kreisverkehr bei der Auffahrt Mutters/Natters." Und es seien vorwiegend ausländische Lkw, die diese Tankstellen anfahren.