Letztes Update am Di, 16.04.2019 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bezirk Landeck

Steinschlag-Gefahr: Schlossgalerie entlang der L76 kostet 25 Mio. Euro

Im Spätsommer 2020 soll mit dem Bau der neuen Schlossgalerie zwischen Landeck und Fließ begonnen werden. Das 700 Meter lange Bauwerk soll weitere Felsstürze auf die Landecker Straße verhindern.

Teile der Landecker Straße sind besonders steinschlaggefährdet. Für 25 Millionen Euro soll nun eine Schlossgalerie gebaut werden.

© WenzelTeile der Landecker Straße sind besonders steinschlaggefährdet. Für 25 Millionen Euro soll nun eine Schlossgalerie gebaut werden.



Von Matthias Reichle

Landeck, Fließ – „Es gibt keine Alternative, um Sicherheit herzustellen“, das betonte Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler gestern bei der Präsentation der neuen Steinschlaggalerie an der L76. Ab dem kommenden Jahr will das Land den gefährdeten Straßenabschnitt zwischen der südlichen Stadteinfahrt nach Landeck und der Fließer Au in Angriff nehmen – es ist kein kleines Projekt. Rund 25 Mio. Euro wird es kosten, die Steinschlagprobleme in diesem Bereich zu lösen, wie Geisler ausführte. So lautet jedenfalls die aktuelle Kostenschätzung.

Die 700 Meter lange Verbauung, die bereits auf den Namen Schlossgalerie getauft wurde, beginnt 145 Meter südlich der Landecker Gerberbrücke (bei Straßenkilometer 0,74) und endet knapp nördlich der Ausfahrt zur Fließer Au (bei Straßenkilometer 1,55).

Der Grund, warum man in diesem Bereich nicht mit Steinschlagschutznetzen auskommt, seien große Felsen, die sich noch in der Wand befinden und vor denen nur ein überschüttetes Bauwerk effektiven Schutz bieten kann. In den vergangenen Jahren kam es regelmäßig zu Steinschlägen. Auch große Brocken schlugen dabei auf der Fahrbahn ein.

„Wir haben uns den Abschnitt in den letzten Monaten bzw. eineinhalb Jahren intensiv angeschaut“, betont Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land. Die Fachgutachten hätten der Galerie-Variante den Vorzug vor einem Tunnel gegeben. Ziel sei es nun, die Einreichplanung im Lauf des Sommers fertig zu stellen – dann finden die straßenrechtlichen, wasserrechtlichen und naturschutzrechtlichen Behördenverfahren statt. Wie Geisler rechnet auch Molzer nicht damit, dass das Projekt Gegner auf den Plan ruft. Man hofft daher, dass es keine Einsprüche gibt und das Projekt rasch genehmigt wird. Wenn alles glattläuft, könnte im Frühsommer 2020 die EU-weite Ausschreibung erledigt werden. Nach der Verkehrsverhandlung könnte laut Molzer bereits im Spätsommer 2020 der Bau starten.Zuvor muss auch der Landtag die erforderlichen Budgetmittel freigeben.

Den Plan in den Händen halten v. li. Landtags-Vizepräsident Toni Mattle, LHStv Josef Geisler, Wolfgang Jörg (Bgm Landeck) und Christian Molzer (Vorstand Abteilung Verkehr und Straße des Landes Tirol).
Den Plan in den Händen halten v. li. Landtags-Vizepräsident Toni Mattle, LHStv Josef Geisler, Wolfgang Jörg (Bgm Landeck) und Christian Molzer (Vorstand Abteilung Verkehr und Straße des Landes Tirol).
- Land Tirol/Entstrasser-Müller

Die Arbeiten werden rund zwei Jahre dauern – bis 2022. „Die Straße wird aber immer einspurig befahrbar bleiben“, versprach Geisler, „wir haben Experten, die das exzellent machen.“ Im Gespräch dürfte auch eine Einbahnvariante sein, bei der ein Teil des Verkehrs über die Gemeindestraße geführt wird.

Die Lage der Galerie ist für die Planer und die bauausführenden Firmen eine Herausforderung. Das Inntal ist zwischen Landeck und Fließ besonders steil und schmal. „Talseitig wird es eine Hangbrücke geben, zusätzlich werden wir den Fels zurückdrängen müssen“, erklärt Molzer die schwierige Situation. Trotzdem sei es zu schaffen, die Verbindung bis auf kurze Umrüstungsphasen für den Verkehr offen zu halten. Es gebe bereits erste Ergebnisse der Probebohrungen, die im Abschnitt durchgeführt wurden. „Wir hoffen, mit Flachfundamenten auskommen zu können“, so Molzer – wenn das Bauwerk auf Pfähle gesetzt werden muss, würde das auch zusätzliche Zeit benötigen.

In Prutz gibt es derzeit Ängste, dass die dort geplante Unterführung auf der Reschenstraße aufgrund des Galeriebaus zurückgestellt werden könnte. „Das ist eine budgetäre Angelegenheit. Wir versuchen das Zug um Zug umzusetzen. Unser Bestreben ist es, zügig auch Prutz anzugehen“, so Geisler.

„Wir gönnen den anderen ihre Unterführung“, betonte der Landecker Bürgermeister Wolfgang Jörg. Für ihn sei die Galerie aber „unabdingbar und wichtig“. Dass es einige Zeit gedauert hat, bis das Projekt nun so weit ist, kann er verstehen: „Ein 25-Mio.-Euro-Projekt braucht eine gewisse Zeit, man kann es nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. In den letzten Monaten hat man gemerkt, es ist ein Ernst dahinter, da wird gearbeitet.“ Die Verbindung ins Obergricht sei lebenswichtig für die Stadt. Dringenden Handlungsbedarf sah auch Landtagsvizepräsident Toni Mattle. Es gehe um die überregionale Anbindung des Bezirks.

Auch von Seiten der Leistungsgemeinschaft Landeck-Zams, eines Zusammenschlusses lokaler Kaufleute, begrüßte man das Projekt. Man erwarte sich für die Bauphase Probleme für die Stadt, erklärte der Landecker Unternehmer Markus Müller, „die Galerie ist aber eine Notwendigkeit“, erklärte er. Nachsat­z: „Baut es so schnell wie möglic­h.“ Ebenfalls Thema der Präsentation – der politische Schlagabtausch zur Galerie zwischen ÖVP und SPÖ: Als „eigenartig“ bezeichnete LHStv. Geisler die Aussagen der SPÖ. SP-Bezirkschef Benedikt Lentsch hatte zuletzt erklärt, das Land mit einer parlamentarischen Anfrage im Landtag zur L76 wachgerüttelt zu haben. Die Bezirksorganisation hatte auch eine Unterschriftenliste zum Thema gestartet. „Er sagt, er habe Druck gemacht“, so Geisler – dabei habe Lentsch mit ihm kein Gespräch zum Thema geführt. „Höchstens der Land­ecker Bürgermeister und sein Vize haben bei mir Druck gemacht.“

Steinschlagschutz entlang der Landecker Straße

Das Land Tirol gibt einen Überblick über die bisherigen Arbeiten rund um das Projekt Steinschlagschutz entlang der L76:

2014 bis 2016:

Auf einer Strecke von mehr als sieben Kilometern beginnend im Bereich unterhalb von Schloss Landeck bis zur Runserau werden an insgesamt zwölf Stellen verschiedenste Sicherungsmaßnahmen zum Schutz vor Steinschlag. Kosten: 1,5 Millionen Euro

Anfang 2018:

Beauftragung eines geologischen und geotechnischen Gutachtens für den besonders steinschlaggefährdeten Bereich zwischen Landeck und Fließ nach einem größeren Felsabbruch zu Jahresbeginn.

Juni 2018:

Vorliegen des Gutachtens mit Maßnahmenkonzept. Umgehender Planungsbeginn für eine Galerie.

2018/2019:

Umsetzung und Instandsetzung von Schutzmaßnahmen auf Basis der Risikoeinschätzung des Gutachtens an zwölf Stellen. Kosten 1,3 Millionen Euro

Frühjahr 2019:

Probebohrungen für die Untergrunderkundungen

Voraussichtlich Ende 2019:

Einreichprojekt und Einleitung der Behördenverfahren