Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Exklusiv

NR Gahr: „Herdenschutzhunde sind für Tirol nicht geeignet“

NR Hermann Gahr (VP) spricht sich für die Entnahme von Wölfen aus und unterstützt eine Bürgerinitiative zum Schutz von Haus- und Weidetieren.

Herdenschutzhunde bewachen und verteidigen Schafe und Ziegen auf der Alm – gegen den Wolf, allerdings auch gegen Wanderer.

© Land Tirol/BergerHerdenschutzhunde bewachen und verteidigen Schafe und Ziegen auf der Alm – gegen den Wolf, allerdings auch gegen Wanderer.



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Die Rückkehr des Wolfes polarisiert – und hat nun Wipptaler und Stubaier Landwirte dazu veranlasst, eine Bürgerinitiative zum Schutz für Nutz- und Haustiere ins Leben zu rufen. Die Bauern wollen damit ihre Sorge vor der Ausbreitung des Wolfes unterstreichen und pochen auf eine gesetzliche Verankerung des Schutzes ihrer Haus- und Weidetiere sowie auf eine Senkung des Schutzstatus des Wolfes. Unterstützung erhalten sie dabei von ÖVP-Nationalrat Hermann Gahr.

„Der Wolf ist ein Raubtier. Das wird immer so sein“, macht Gahr klar und fordert eine ernsthafte Analyse der aktuellen Situation mit Blick auf die Zukunft der heimischen Alm- und Landwirtschaft. Für ihn steht allerdings jetzt bereits grundsätzlich fest: „Der Wolf ist eine Gefahr für die Landwirtschaft und unseren Lebensraum. Er wird zum Problem für die Leute. Es muss daher die Möglichkeit zur Regulierung des Wolfsbestandes dort geben, wo es notwendig ist.“ In Frankreich sei der Schafbestand mit dem Wiederaufkommen des Wolfes um ein Drittel zurückgegangen, für Österreich erwartet Gahr, dass dieser sogar halbiert wird. Nicht etwa, weil der Wolf alle Nutztiere reißt, sondern weil für die heimischen Schafbauern die teilweise kostspieligen Investitionen in Herdenschutzzäune nicht wirtschaftlich seien und viele daher die Landwirtschaft aufgeben würden.

Herdenschutzhunde als Alternative zu Zäunen auf den Almen lehnt NR Gahr ab. „Der Einsatz von Herdenschutzhunden ist für Tirol nicht geeignet. Ich habe mir das ganz genau in der Schweiz angeschaut“, erklärt Gahr. Dort werden bestimmte Almwiesen und Wege für Wanderer wochenweise gesperrt und wieder freigegeben – je nachdem, wo gerade Herdenhunde im Einsatz sind. Die Tiere würden sich nämlich nicht nur möglichen Angreifern wie dem Wolf in den Weg stellen, um die Herde zu schützen, sondern auch Wanderern. „Mit Herdenschutzhunden in den Tiroler Bergen brauchen wir auch ein Gehwegemanagement mit Tafeln und Betretungsverboten. Und das wiederum wirkt sich negativ auf den Tourismus und die Freizeitwirtschaft aus“, warnt Gahr. Auch sei der Aufwand ein großer. „Eine Gemeinde der Größe von Weerberg bräuchte für April bis November rund 50 Herdenschutzhunde. Das ist in der Praxis nicht möglich.“ In den vergangenen 20 Jahren habe sich außerdem in der Schweiz gezeigt, dass der Einsatz von Herdenschutzhunden auch nicht hundertprozentig erfolgreich sei.

Die Bürgerinitiative der Wipptaler und Stubaier Bauern soll in der kommenden Woche eingebracht werden.