Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.04.2019


Osttirol

“Süd Alpen Raum“: Vier Städte an einem Strang

Bruneck, Lienz, Spittal an der Drau und Hermagor begründen das strategische Städtenetzwerk „Süd Alpen Raum“. Zusammenarbeit soll die Regionen weiter stärken.

Die vier Städte Bruneck, Lienz, Spittal an der Drau und Hermagor wollen grenzüberschreitend kooperieren und treten künftig als „Süd Alpen Raum“ auf.

© Stadtmarketing Lienz/JanuschkeDie vier Städte Bruneck, Lienz, Spittal an der Drau und Hermagor wollen grenzüberschreitend kooperieren und treten künftig als „Süd Alpen Raum“ auf.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Der Bau der Südalpenstrecke der Eisenbahn brachte vor 150 Jahren einen deutlichen Bevölkerungszuwachs sowie wirtschaftlichen Aufschwung vom oberen Drautal über Osttirol bis ins Südtiroler Pustertal. An diese historische Entwicklung soll das Städtenetzwerk „Süd Alpen Raum“ nun anknüpfen.

„Wir denken unsere Heimatregion größer und beziehen unsere Nachbarn in unser Handeln künftig mit ein“, erklärte Oskar Januschke vom Stadtmarketing Lienz in der letzten Gemeinderatssitzung, als er die Kooperation vorstellte. Das Lienzer Stadtparlament hat in der Folge einstimmig eine entsprechende Charta, also ein Regelwerk für die Zusammenarbeit, beschlossen. Bruneck, Spittal an der Drau und Hermagor sollen noch im April folgen.

Ein solches Regelwerk sei schon allein aufgrund der Tatsache notwendig, dass sich das geplante Netzwerk über drei Bundesländer und zwei Staaten erstreckt, meint Gerhard Briggl vom Stadtmarketing Spittal. Briggl sieht in der Kooperation ein langfristiges Projekt, das die Regionen nachhaltig stärken soll. „Wir stehen am Anfang. Es handelt sich noch um ein strategisches, nicht operatives Netzwerk.“ Es gebe enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen Oberkärnten und Osttirol. „Wir teilen darüber hinaus unsere geografische Lage südlich der Alpen mit guter Erreichbarkeit des deutschen Zentral- bzw. des norditalienischen Raumes.“ Ein Ziel sei, sich als europäischer Schwerpunktraum zu entwickeln und ein vitaler Lebens- und Wirtschaftsraum im Sinne der EU- Strategie für den Alpenraum zu sein. Die interkommunale Zusammenarbeit soll durch themenbezogene Kooperationen ergänzt werden. „Ein Beispiel dafür wäre der Bereich Mobilität“, sagt Briggl.

Lienz verbinde mit Bruneck bereits eine lange Partnerschaft, erklärt Jasmina Steiner vom Planungsverband 36 Lienz und Umgebung. Im Umwelt- und Katastrophenschutz habe es beispielsweise erfolgreiche Zusammenarbeit gegeben. Das bestätigt auch Ursula Biasi, zuständige Mitarbeiterin in der Brunecker Stadtverwaltung. „Darauf aufbauend erhoffen wir uns neue Impulse aus dem Netzwerk“, ergänzt Biasi. Die Charta werde derzeit ins Italienische übersetzt und Ende April dem Brunecker Gemeindeausschuss vorgelegt. Biasi sieht unter anderem den Bereich Natur, Landschaft und Schutzgebiete geeignet für Kooperationen. Anders als in Bruneck sei in Lienz, Spittal und Hermagor die Abwanderung ein brennendes Thema. Allen gemeinsam wiederum sei der Wunsch nach einem Zuwachs der Bevölkerung durch Ansiedlung neuer Arbeitskräfte und damit auch wirtschaftlicher Aufschwung.

Noch in der Konzeptphase befindet sich eine „Süd Alpen Raum“-Homepage, eine Informationsplattform.