Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Bezirk Kufstein

Deponie-Projekt Schwoich: „Sorgen der Anrainer sind berechtigt“

Der Landesumweltanwalt nimmt das Biotop beim Schwoicher Deponie-Projekt ins Visier. Es gibt 650 Ansuchen um

Parteistellung, auch die Gemeinden Kufstein, Bad Häring und Söll wollen ein Einspruchsrecht bei der Verhandlung.

Ein zwei Meter tiefer Graben zieht sich durch jenen Bereich im Süden des Steinbruchs, wo bis vor Kurzem seltene und geschützte Amphibien beheimatet waren.

© HrdinaEin zwei Meter tiefer Graben zieht sich durch jenen Bereich im Süden des Steinbruchs, wo bis vor Kurzem seltene und geschützte Amphibien beheimatet waren.



Von Jasmine Hrdina

Schwoich – Mitreden wollen sie alle, doch nur die wenigsten von ihnen werden vor dem Gesetz auch Gehör finden. Knapp 650 Ansuchen auf Parteistellung in der Causa Baurestmassendeponie samt Asbestlager hat die Bürgerinitiative (BI) gestern beim Land abgegeben, unter den Antragstellern befinden sich auch Nachbargemeinden von Schwoich. So sorgt sich Bad Härings Bürgermeister Hermann Ritzer um die Schadstoffe. Aber auch Lärm und Verunreinigungen könnten dem Kurort schaden. Auch Kufstein hat um das Einspruchsrecht angesucht, Bürgermeister Martin Krumschnabel liegen in erster Linie die Themen Verkehr und Wasserqualität im Magen. Dem Söller Gemeindechef Alois Horngacher geht es um den Informationsfluss: „Ansonsten erfährt man ja nicht, was gemacht wird.“

Indes haben sich Vertreter der BI und der Gemeinde Schwoich bei einem informellen Treffen angenähert. Man sei auf einem guten Weg Richtung Konsens, erklärt Richard Holzner (BI). Weitere Gespräche folgen mit dem Ziel, bei der Verhandlung am 24. April gemeinsam Stellung zu beziehen. Beide Parteien werden dabei von Rechtsanwälten unterstützt. „Wir werden die Bürgerinitiative auch nicht auf den Anwaltskosten sitzen lassen“, verspricht BM Josef Dillersberger.

Zu einem gemeinsamen Auftritt rät auch der Tiroler Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer. Unterlagen von 1300 Projekten wandern jährlich über den Schreibtisch des Biologen, aus Erfahrung könne er sagen, „dass es großes Gewicht im Verfahren hat, wenn sich eine Gemeinde klar dazu äußert, was sie für ihre Bürger will“.

Der zwei Meter tiefe Graben.
Der zwei Meter tiefe Graben.
- Mair

Er selbst werde beim Projekt ein strenges Auge darauf haben, was mit dem Lebensraum rund um den ehemaligen Steinbruch passiert. Wie berichtet, war dort in den letzten Jahren ein Biotop entstanden, seltene und geschützte Tierarten wie die Gelbbauchunke oder der Feuersalamander hatten sich angesiedelt. Nun ist das Gewässer zum Großteil verschwunden. Das Wasser sei im Zuge der Steinbrucharbeiten abgeflossen, sagen die Betreiber – das Biotop wurde absichtlich mit dem Bagger zerstört, mutmaßen Mitglieder der BI. Der Landesumweltanwalt sieht darin keinen großen Skandal, der Lebenszyklus von Amphibien sei auf die Veränderung von Landschaft optimiert. Soll heißen: je öfter sich die Tümpel verändern, desto besser. „Auch das Biotop wurde letztlich von Menschenhand geschaffen. Natürlich wäre für Amphibien nur eine Au“, so Kostenzer. Für ihn sei es jedoch Voraussetzung, dass die Rohrdorfer Umwelttechnik GmbH eine ansprechende Alternative schafft, betont der Experte. Die ihm dazu vorliegenden Pläne seien „sehr gewissenhaft ausgefertigt“.

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Ein alter Steinbruch als Deponie sei für ihn „grundsätzlich nicht die schlechteste Wahl“ und: „Wir alle verursachen schließlich Baurestmassen.“ Doch die Sorgen der Anrainer sind berechtigt. „Asbest ist ein hochgefährlicher Stoff, wenn er in die Lungen kommt. Im Boden ist er allerdings unproblematisch“, erörtert der Biologe.

Finanziellen Reichtum bringt die Deponie der Gemeinde Schwoich übrigens nicht, nur eine Handvoll Menschen werden dort arbeiten, sagt BM Dillersberger.

Eine Ringelnatter.
Eine Ringelnatter.
- Mair