Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.04.2019


Spitalsreform

Debatte beim TT-Forum: LKH Natters scheint noch nicht verloren

Leidenschaftlich und konstruktiv verlief die TT-Diskussion zur Zukunft des LKH Natters. Die Schließung des Krankenhausbetriebs findet kaum Anhänger und wird ohne Widerstand nicht durchzusetzen sein.

Der Gemeindesaal in Natters war übervoll, das Publikum beteiligte sich rege an der Debatte.

© TT / Vanessa RachléDer Gemeindesaal in Natters war übervoll, das Publikum beteiligte sich rege an der Debatte.



Von Denise Daum

Natters – Mit rund 350 Zuhörern war der Gemeindesaal in Natters am Dienstagabend zum Bersten voll. Das Thema des TT-Forums „Zukunft des Landeskrankenhauses Natters“ brennt den Menschen unter den Nägeln. Bei allen dargebotenen Emotionen verlief die Diskussion unter der Leitung von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern konstruktiv und sachlich. Das Podium war hochkarätig besetzt: Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg, Tirol-Kliniken-Zentralbetriebsrat Gerhard Hödl, der medizinische Geschäftsführer der Tirol Kliniken Christian Wiedermann und Peter Heininger, Leiter der Pneumologie am Landeskrankenhaus Natters.

Gleich zu Beginn stellte LR Tilg klar, dass die Reform, die ein Ende des Krankenhauses Natters umfasst, die „Spitäler in Tirol zukunftsfit aufstellen soll“. Eine Jobgarantie sowie eine sinnvolle Nachnutzung des Standorts seien „selbstverständlich“, betonte Tilg. Die Verlegung der Pulmologie nach Innsbruck bringe einen medizinischen Mehrwert und sei von Experten so empfohlen worden. Der Standort Natters soll indes als Pflegeeinrichtung genutzt werden. Der Landesrat verwies zwar mehrmals darauf, dass man noch in der Abstimmungsphase sei und die Beschlussfassung erst bevorstehe, er ließ aber nicht viel Zweifel daran, die Reform in der vorliegenden Form auch umsetzen zu wollen.

Und genau das ist einer der Schmerzpunkte von Tirol-Kliniken-Zentralbetriebsrat Gerhard Hödl. „Wir hören nie, dass ihr das noch einmal prüft. Natters wurde bereits für tot erklärt“, ärgert sich Hödl und bemängelt, dass bislang keine Zahlen auf den Tisch gelegt worden sind.

Zudem schmerzt den Betriebsrat die „unfaire“ Vorgangsweise: „Es kann nicht sein, dass wir aus der Zeitung erfahren, dass Natters zugesperrt wird. Mit uns hat keiner geredet.“ Deshalb stehe man auf und wehre sich – mit tatkräftiger Unterstützung aus der Belegschaft und Bevölkerung: „Wir haben ungefähr 30.000 Unterschriften gegen die Schließung“, sagt Hödl.

Unter der Leitung von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern (M.) diskutierten Gerhard Hödl, Peter Heininger, Bernhard Tilg und Christian Wiedermann (v. l.).
Unter der Leitung von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern (M.) diskutierten Gerhard Hödl, Peter Heininger, Bernhard Tilg und Christian Wiedermann (v. l.).
- Vanessa Rachlé / TT

Primarius Peter Heininger verwies auf das Alleinstellungsmerkmal des LKH Natters: „Wir bieten das gesamte Spektrum der Lungenheilkunde an. Für uns ist zentral, dass die Versorgung von Lungenkranken sichergestellt ist. Dafür ist der Erhalt der Geschlossenheit in Natters unerlässlich. Nur durch das Zusammenspiel der einzelnen Einheiten können wir weiterhin diese klinischen Erfolge einfahren.“ Die Anästhesieabteilung sei ein untrennbarer Teil der Pneumologie. Zudem erklärte Heininger, dass der Bedarf angesichts der steigenden Zahl von Lungenkranken definitiv gegeben sei.

Christian Wiedermann von den Tirol Kliniken erklärte, hinter der Verlegung zu stehen. „Die Zukunft liegt in der multidisziplinären Versorgung. Natters arbeitet mit Innsbruck zwar gut zusammen, aber es ergeben sich Nachteile aufgrund der räumlichen Distanz.“ So stelle ein Krankentransport von Innsbruck nach Natters in der Akutphase für die Patienten eine Belastung dar.

Außerdem verwies Wiedermann darauf, dass es dringend Strukturen zur Stärkung der altersmedizinischen Versorgung brauche – das könne eben in Natters realisiert werden. Wiedermann räumte ein, dass noch nicht klar sei, was eine Verlegung der Pneumologie und eine Neuausrichtung von Natters kosten würden. „Es hat auch niemand gesagt, dass wir sparen.“ Vielmehr stünden die Verteilungsgerechtigkeit und die Versorgungssicherheit bei der Reform im Vordergrund.

Trotz der vorgebrachten Argumente beider Seiten zeigten Wortmeldungen aus dem Publikum, dass ein Ende des Krankenhausbetriebs nicht kampflos hingenommen wird.

Deutliche Worte fand Bürgermeister Karl-Heinz Prinz: „Wir fühlen uns wie von einem Schnellzug überfahren. Die Gemeinde Natters ist klipp und klar gegen die Schließung. Ich kann, will und werde unser Krankenhaus nicht aufgeben. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“

Meldeten sich aus dem Publikum zu Wort: der Natterer Bürgermeister Karl-Heinz Prinz, Ärztekammer-Vorstand Ludwig Gruber und Ines Viertler, die für den Gesundheits- und Krankenpflegeverband sprach (v. l.).
Meldeten sich aus dem Publikum zu Wort: der Natterer Bürgermeister Karl-Heinz Prinz, Ärztekammer-Vorstand Ludwig Gruber und Ines Viertler, die für den Gesundheits- und Krankenpflegeverband sprach (v. l.).
- TT / Vanessa Rachlé

Roger Berger, Betriebsrat am LKH Natters, lässt mit einem Gegenvorschlag zur Schließung aufhorchen: „Natter­s ausbauen und erweitern – das wäre eine tolle Sache und dafür kämpfen wir auch.“

Die Expertise des von Landesrat Tilg für die Spitalsreform hinzugezogenen steirischen Instituts stellte Ludwig Gruber, Kurienobmann der angestellten Ärzte in der Ärzte­kammer Tirol, in Frage.

Tilg wollte das Expertenteam nicht in dessen Abwesenheit angepatzt wissen. „Die Gesundheitsplaner haben ihre Vorschläge inhaltlich gut begründet“, erklärte der Landesrat und ergänzte, dass „wir angetreten sind, um eine gute Gesundheitsreform für Tirol zu machen“.

Die Tür nicht ganz zuschlagen in der Diskussion wollte der ebenfalls anwesende Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse Arno Melitopulos: „Ich sehe den laufenden Prozess schon als eine offene Angelegenheit. Wir sind der größte Zahler der Tiroler Krankenhäuser und wollen dementsprechend auch bei der Reform eingebunden werden.“

Ines Viertler verlas eine Mitteilung des Gesundheits- und Krankenpflegeverbands, der auf die Erfolge des LKH Natters verweist. Diese seien auf das multiprofessionelle Team – vom Gärtner bis zum Primar – zurückzuführen. Natters stelle eine Verbesserung der Lebensqualität sicher. „Und das haben sich chronisch Kranke doch verdient.“

Noch ist die Reform nicht unter Dach und Fach, die Beschlussfassung soll im Juli erfolgen.