Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 18.04.2019


Bezirk Kufstein

Mittel gegen „Wildwuchs“ an Deponien im Unterland

Liste Fritz sieht sich in aktueller

Debatte um Unterländer Deponien

in Forderung nach mehr Mitspracherecht für Bürger bestätigt.

Auf vier Hektar soll im ehemaligen Steinbruch eine Baurestmassendeponie entstehen.

© HrdinaAuf vier Hektar soll im ehemaligen Steinbruch eine Baurestmassendeponie entstehen.



Wörgl – Mit dem Wirbel um zwei geplante Deponien im Unterland (Baurestmassen in Schwoich, Bodenaushub in Wörgl – die TT berichtete) sieht sich das Bürgerforum Tirol – Liste Fritz in seiner Forderung nach mehr Mitspracherecht für Bürger und Gemeinden bestätigt.

Zwei Anträge hatte die dort mit zwei Mandataren vertretene Fraktion dazu im Tiroler Landtag eingebracht. Einerseits sollten Deponien – so der Vorschlag – nur noch auf Grundstücken mit Sonderflächenwidmung zugelassen werden – damit hätten die Gemeinden als zuständige Instanz automatisch die Entscheidungshoheit. Zum anderen verlangten Klubobfrau Andrea Haslwanter-Schneider und LA Markus Sint eine „politische Nachdenkpause“ bei den Genehmigungen. Soll heißen: Diese sollen so lange hinausgezögert werden, bis es Neuigkeiten aus Wien geb­e. Dort bemüht sich LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) bereits um mehr Rechte auf kommunaler Ebene. Sollte das Vorhaben in Wien scheitern, würde Sint auch nicht davor zurückschrecken, bis „zum Höchstgericht zu prozessieren“, erklärte er gestern im Rahmen einer Pressekonferenz.

Aktuell gibt es in Tirol 200 kleinere Deponien (weniger als 100.000 Kubikmeter Fassungsvermögen) und 35 größere (mehr als 100.000 Kubikmeter), sechs neue sind geplant. Die Zahl steige stetig, zudem würden die Deponien immer größer. Das Argument, man verursache selbst den Bedarf solcher Lagerstätten, lässt der Landtagsabgeordnete so nicht gelten. Auch aus dem Ausland würden schließlich Aushub und Baurestmassen angeliefert. Sint: „Wenn wir in Tirol so viel bauen würden, wie das Volumen der Deponie­n gestiegen ist, müssten wir das ganze Land umgraben.“

Bei der An- und Ablieferung würden die Lkw ohnehin vom Verkehr geplagte Ortschaften passieren. „In Wörgl reden wir hier von 250.000 zusätzlichen Lkw-Fahrten, in Schwoich sind es 170.000“, rechnet Sint auf die gesamte Laufzeit der beiden geplanten Anlagen. Er vermisst daher die Planungsverbände, die sich in den Reigen der Debattierer (und Gegner) einfügen sollten – „dazu sind sie ja da“. (jazz)