Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.04.2019


Innsbruck

Der Widerstand gegen Wohnprojekt in Igls formiert sich

Igler Bürger haben eine Unterschriftenaktion gegen das umstrittene Wohnbauprojekt „Am Bichl 3“ gestartet. Stadtführung und Agrar Igls zeigen sich weiter gesprächsbereit.

Auch bei der jüngsten Stadtteilausschusssitzung war der Protest gegen „Am Bichl 3“ unübersehbar.

© DomanigAuch bei der jüngsten Stadtteilausschusssitzung war der Protest gegen „Am Bichl 3“ unübersehbar.



Innsbruck – Zwei brandheiße Themen halten die Igler dieser Tage auf Trab: die Debatte über die Abschaffung des Stadtteilausschusses – und der geplante soziale Wohnbau „Am Bichl 3“. Wie berichtet, stößt das Bauvorhaben mit 50 Wohnungen, ausverhandelt zwischen der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) und der Agrar Igls, im Ort auf massive Kritik. Vor allem im Hinblick auf die Verkehrserschließung durch das ohnehin verkehrsgeplagte Dorfzentrum sei der Standort völlig ungeeignet.

Berthold Schwan von der Bürgerinitiative Igls stößt sich besonders an einer „vergleichenden Alternativenprüfung Siedlungserweiterung“ durch die Fachabteilungen der Stadt Innsbruck, die für die umstrittene Standortwahl ausschlaggebend gewesen sei. Darin werden drei mögliche Standorte – Am Bichl, Gletscherblickweg in Igls und Oberntalweg in Vill – analysiert.

Die Ergebnisse seien für ortskundige Igler „haarsträubend“ und sachlich vielfach vollkommen unrichtig, kritisiert Schwan – etwa, dass das Gebiet Am Bichl für die Siedlungserweiterung verkehrstechnisch „am besten erschlossen“ sei, während am Gletscherblick „hohe Anforderungen und Aufwendungen für die Erschließung nötig“ seien. Oder dass die Waldflächen Am Bichl „ökologisch geringerwertig“ als jene am Gletscherblick seien. Genau das Gegenteil sei der Fall, meint Schwan: „Der Wald beim Gletscherblick ist eine Gstättn!“

Schwan hat nun auch eine Unterschriftenaktion gestartet: Diese fordert „einen maßvollen, geförderten Wohnbau“ am „ursprünglich dafür vorgesehenen Platz an der Patscherstraße“ (Gletscherblick), „der verkehrstechnisch wesentlich besser verträglich“ sei.

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Auch für StR Rudi Federspiel (FPÖ), selbst Igler, ist die Alternativenprüfung der Stadtverwaltung eine „Farce“, sie sei wohl nur durch „Druck“ auf die Stadtplanung erklärbar. Die FPÖ hat dazu am Mittwoch auch eine dringende Anfrage an BM Georg Willi (Grüne) eingebracht.

Willi erklärt, er habe die „sehr hörbare Kritik“ am Standort „Am Bichl 3“ mitgenommen und werde dieser nach Ostern „vertiefend nachgehen und das Ganze nochmals mit der Stadtplanung durchbesprechen“. Dabei wolle er erneut prüfen, „was für die beiden Standorte spricht“.

„Die Stadtplanung hatte ‚Am Bichl 3‘ schon vor meiner Amtszeit im Örtlichen Raumordnungskonzept (ÖROKO) drin“, betont Willi, „aus Sicht der Fachplaner ist dies das logische Siedlungsentwicklungsgebiet. Wenn es aber Gründe gibt, das woanders zu machen, bin ich dafür offen. Voraussetzung ist jedoch, dass wir diese Flächen ebenso günstig bekommen. Bei ‚Am Bichl 3‘ war die Agrar sehr entgegenkommend.“

Für Lucas Krackl (FI), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wohnbau und Projekte, wäre auch der Standort Gletscherblick „in Ordnung“. Das Argument der verkehrstechnischen Anbindung sei auch für ihn „nicht nachvollziehbar“.

Agrar-Obmann Karl Zimmermann will „abwarten, was die Stadt bzw. die IIG als Vertragspartnerin möchten. Wir sind immer – und waren von Anfang an – gesprächsbereit für verschiedene Varianten.“ Wobei Zimmermann klarstellt: „Die Stadt ist an uns herangetreten – und die Standortfrage hat uns die Stadtplanung vorgegeben, als einzige Option, wie es hieß.“ Grundsätzlich werde es möglich sein, auch an anderen Standorten günstige Konditionen anzubieten. „Aber die Stadt müsste dafür die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen und für ein solches Projekt definitiv eine andere Fläche ausweisen – sonst nützen die besten Verhandlungen nichts.“ Derzeit sei im ÖROKO-Entwurf nämlich nur „Am Bichl 3“ ausgewiesen. „Was wir auf keinen Fall wollen, ist, dass sich das Projekt leistbares Wohnen noch weiter verzögert.“ (md)