Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.04.2019


Tirol

Buspendler müssen seit April tiefer in die Tasche greifen

Die betroffenen Pendler sprechen von einer Preiserhöhung von 66 Prozent, der VVT hingegen von einem erweiterten Angebot.

Für manche Buspendler wurde der Weg in die Arbeit mit April empfindlich teurer. Durch eine Tarifreform gibt es keine einzelnen Strecken-, sondern nur noch Regionskarten.

© BergerFür manche Buspendler wurde der Weg in die Arbeit mit April empfindlich teurer. Durch eine Tarifreform gibt es keine einzelnen Strecken-, sondern nur noch Regionskarten.



Von Harald Angerer

Oberndorf, St. Johann i. T. – Im März habe er noch 46 Euro für das Monatsticket von St. Johann nach Oberndorf bezahlt, im April waren dann 77,50 Euro zu bezahlen, klagt ein St. Johanner Buspendler. Für ihn ist die Preissteigerung von 66 Prozent nicht zu akzeptieren. Diese ist mit der Tarifreform am 1. April zu Tage getreten „Vielleicht handelt es sich bei dieser eklatanten Preissteigerung auf der Strecke St. Johann – Oberndorf ja um einen ,Ausreißer‘ bei dieser Reform, aber ich finde trotzdem, dass derartig unverhältnismäßige Preiserhöhungen als ,Kollateralschaden‘ einer Systemänderung den Kunden nicht zumutbar sind“, sagt der Betroffene.

Anders sieht man das beim Verkehrsverbund Tirol (VVT). Hier spricht man nicht von einer Preissteigerung, sondern von einem veränderten Angebot. „Es gibt jetzt keine streckenbezogenen Wochen- und Monats-Tickets mehr, sondern entweder für eine Region (2 Gebiete auf dem Zonenplan) oder für ganz Tirol. Die Tickets sind dabei aber nicht teurer geworden, es hat sich das Angebot geändert und dieses ist nicht 1:1 mit den früheren Produkten vergleichbar“, erklärt VVT-Unternehmenssprecherin Stefanie Aigner auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Damit kann sich der Pendler aber nicht anfreunden, „denn mein Bedarf ist gleich geblieben. Ich brauche eine Monatskarte von St. Johann nach Oberndorf und dafür zahle ich jetzt 66 Prozent mehr.“ Ein erweitertes Angebot bringt ihm und anderen Betroffenen nichts, denn man würde ja nicht unnötig weiter fahren, schildert er.

Als Gründe für die Tarifreform wird vom VVT angeführt, dass durch den Wegfall streckenbezogener Tages-/Wochen-/Monats-Tickets die Tarifstruktur deutlich schlanker würde und für den Kunden einfacher nutzbar ist. Für die Pendler ist allerdings klar, dass es sich lediglich um administrative Erleichterungen für den Verkehrsverbund und die beteiligten Verkehrsunternehmen handelt.

Von Seiten des VVT verweist man auch auf die Jahreskarten, die ein günstiges Angebot darstellen. Hier habe es nur eine leichte Preisanpassung von 1,92 Prozent gegeben. Das Jahresticket für ganz Tirol kostet 499,40 und das für eine Region 387,30. Für viele Pendler ist das aber keine Alternative, wie der St. Johanner sagt. Denn im Sommer würden viele in der Region auf das Fahrrad umsteigen. Ein Jahresticket sei deshalb nicht interessant für ihn.