Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.04.2019


Bezirk Kitzbühel

Ärger über Schließungspläne von Kinderstation im BKH St. Johann

Bei der Generalversammlung des Gemeindeverbandes BKH St. Johann stellten sich die Bürgermeister geschlossen hinter die Kinderstation.

Freude herrscht über erneut gute Zahlen bei der Verbandsversammlung des Bezirks-Gemeindeverbandes BKH St. Johann, aber auch Ärger über die Schließungspläne des Landes.

© RitschFreude herrscht über erneut gute Zahlen bei der Verbandsversammlung des Bezirks-Gemeindeverbandes BKH St. Johann, aber auch Ärger über die Schließungspläne des Landes.



St. Johann i. T. – Die Diskussion über eine mögliche Schließung der Kinderstation im Bezirkskrankenhaus St. Johann überschattete auch die Generalversammlung des dazugehörigen Gemeindeverbandes. Nichtsdestotrotz gab es bei der Sitzung auch Erfreuliches zu berichten. Denn das BKH konnte erneut mit einem sehr guten wirtschaftlichen Ergebnis das Jahr 2018 abschließen.

Bereits zum fünften Mal in Folge erwirtschaftete das Haus schwarze Zahlen und war mit einem Plus von 2,8 Mio. Euro die erfolgreichste Tiroler Krankenanstalt. Aber nicht nur die positiven Zahlen standen bei der jährlichen Verbandsversammlung im Mittelpunkt, sondern vor allem das Unverständnis darüber, dass ausgerechnet ein medizinisch und wirtschaftlich gut geführtes Tiroler Krankenhaus jetzt von Schließungsplänen betroffen sein sollte.

Der Unmut der Bürgermeister der 20 Verbandsgemeinden ist groß: „Die Verbandsversammlung des Bezirks-Krankenhausverbandes St. Johann hat sich geschlossen und vehement für den Erhalt der Kinderstation, aber auch gegen weitere Kürzungen der Leistungen in dem gut geführten und funktionierenden Bezirkskrankenhaus ausgesprochen“, sagt Verbandsobmann Paul Sieberer: „Wir sind nicht prinzipiell gegen Reformen, aber diese können nicht auf Kosten der Patienten und der Mitarbeiter unseres Hauses gehen – und es ist auch nicht einzusehen, dass ausgerechnet dort gespart werden soll, wo seit vielen Jahren erfolgreich gearbeitet wird.“

Sieberer verweist aber auch darauf, dass es gute Gespräche mit dem zuständigen Landesrat Bernhard Tilg gibt und er doch ein Einlenken des Landes auf Grund der guten Argumente zu Gunsten der Kinderstation erwartet.

St. Johann gehe seit Jahren einen Weg der Modernisierung, so wurde bereits vor vier Jahren erfolgreich die Tagesklinik für alle operativen Fächer im Haus eingeführt – ein Weg, der jetzt in der Gesundheitspolitik flächendeckend forciert wird. „Wir waren dabei Vorreiter in Tirol“, erklärt Sieberer.

Zurück zu den Zahlen: Das Betriebsergebnis nach dem Tiroler Krankenanstaltengesetz ergab ein Plus von rund 2,8 Mio. Euro – das BKH St. Johann liegt damit an der Spitze aller Tiroler Krankenanstalten.

Das Spital gehört zudem zu den größten Arbeitgebern der Region. Der Personalstand am BKH stieg im Vorjahr erneut leicht an: 2018 waren durchschnittlich 546 Vollzeitbeschäftigte angestellt. Die gesamte Zahl der Mitarbeiter – Teilzeitbeschäftigte eingerechnet – liegt bei 690 Personen.

Im Jahr 2018 wurden 17.652 Patienten stationär und weitere 72.099 ambulant behandelt. Die Entwicklung der Patientenzahlen in den letzten Jahren spiegelt einen allgemeinen Trend im Gesundheitswesen wider: die Verschiebung von stationären zu ambulanten Behandlungen – auch die erfolgreiche Tagesklinik am BKH hat einen Anteil an dieser Entwicklung. Die Zahl der Neugeborenen lag 2018 bei 698 (2017: 730), St. Johann zählt damit zu den größten Geburtenstationen Tirols.

Die Jahresrechnung 2018 wurde am 18. April bei der Verbandsversammlung des Gemeindeverbandes Bezirkskrankenhaus St. Johann präsentiert und einstimmig beschlossen. (aha, TT)