Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.04.2019


Innsbruck

Anrainer an Völser Straße stöhnen weiter über Lärm

Lärmschutzwand, Ausweitung des 50er-Limits, Tonnagebeschränkung für Lkw: Die Bewohner an der L11 machen ihre Kernforderungen deutlich.

Die Versetzung von Ortstafel und 50er-Limit nach Westen (Bild) war laut Anrainern „sinnlos“.

© DomanigDie Versetzung von Ortstafel und 50er-Limit nach Westen (Bild) war laut Anrainern „sinnlos“.



Innsbruck – Was die Lärmbelastung an der stark befahrenen L11/Völser Straße angeht, fühlen sich Anrainer im Bereich Klosteranger, Sieglanger und Mentlberg von der Stadt Innsbruck „im Stich gelassen“. Wie berichtet, war im November – in Abstimmung zwischen Land und Stadt – die Ortstafel und damit die Tempo-50-Beschränkung um ca. 100 Meter nach Westen versetzt worden, als ein Versuch, die Anrainer zu entlasten.

Aus deren Sicht hat die Maßnahme aber nichts gebracht, die Belastung im Gegenteil eher noch verstärkt: „Das Problem ist jetzt, dass es keine kontinuierliche Geschwindigkeit gibt“, sagt Roland Seeger, Anrainer in der Klosterangerstraße, „nun bremsen bzw. beschleunigen Autos, Busse und schwere Lkw genau bei der Ortstafel, direkt am Beginn des Siedlungsgebiets.“

Im Dezember hatte die Stadt öffentlich kommuniziert, dass Tempokontrollen an der Völser Straße eine Überschreitungshäufigkeit von nur ca. 2 % ergeben hätten, der 50er also wirke. Das bringt die Bewohner auf: Messergebnisse, die den Anrainern von der Verkehrsabteilung der Polizei übermittelt wurden, ergaben für den Zeitraum zwischen 21. November 2018 und 15. Jänner 2019 eine deutlich größere Überschreitungshäufigkeit, nämlich 4,57 %. Für die Anrainer ist der Grund klar: Im Dezember hätten die Messungen großteils „offen und sofort erkennbar“ bei Straßenkilometer 2,26 stattgefunden. (Halb) verdeckt durchgeführte Messungen auf Höhe des Hauses Völser Straße 6 hätten dagegen deutlich mehr Temposünder erwischt.

Selbst diese Zahlen seien aber nicht repräsentativ, meint Seeger: Alle Messungen „fanden nämlich dort statt, wo auch schon bisher der 50er galt, aber eben nicht bei der neuen Ortstafel“.

Generell decken sich die Daten nicht mit den Beobachtungen der Anrainer. „Ich bin sogar schon von Sattelschleppern überholt worden, wenn ich den 50er eingehalten habe“, ärgert sich Anwohnerin Ulrike Winder. „Vor allem nachts pfeffern die Autos mit 90 bis 100 km/h durch.“ Die Situation sei – angesichts von bis zu 16.000 Fahrzeugen an Spitzentagen – „horrend“.

Ein Lärmgutachten, von der Landesstraßenverwaltung in Auftrag gegeben, ergab 2017 für mehrere Häuser in der Klosterangerstraße Überschreitungen der Plangrenzwerte um ein bis zwei Dezibel. Als Lösung wurde eine 80 cm hohe Lärmschutzwand vorgeschlagen. Doch während das Land zusagte, 50 % der Kosten zu übernehmen, wenn auch Stadt Innsbruck mitzahlt, habe die Stadt dies abgelehnt, kritisiert Seeger. Sie habe „Angst vor Vorbildwirkung“.

Zusammen mit Nachbar Manfred Kantner bringt Seeger die Forderungen der Anrainer auf den Punkt: eine Lärmschutzwand, wie im Gutachten vorgeschlagen; durchgehend Tempo 50 bis zum Völser Bichl oder zumindest bis zur Höhe Tierheim Mentlberg; und die Einführung einer Lkw-Tonnagebeschränkung

Im Büro von Mobilitätsstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) erklärt man, die Stadt habe „volles Vertrauen“ in die Messungen der Verkehrspolizei, „sowohl was die Technik als auch was die Wahl der Standorte betrifft“. Beide Werte – sowohl ca. 2 % als auch ca. 4,6 % – lägen „deutlich unter den Überschreitungshäufigkeiten, mit denen wir weitere Maßnahmen begründen können“. Ungeachtet dessen „wollen wir weniger Tempo in der Stadt – und das gilt auch hier“. Ziel seien aber „keine Betonwände zum (Schall-)Schutz vor hohen Geschwindigkeiten, sondern niedrigere Geschwindigkeiten“. Man ringe „seit Monaten um Tempolimits an mehreren Stellen, die wir für neuralgisch halten“.

Wenn StR Schwarzl allein entscheiden könnte, „hätten wir Tempo 30 im ganzen Stadtgebiet mit Ausnahme der Durchzugsstraßen“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Es brauche dazu aber fachliche und juristische Begründungen und eine politische Mehrheit. Gerne prüfe man auch „eine Ausweitung des 50ers auf der Völser Straße in Richtung Westen. Sollte das die aktuelle Gesetzeslage nicht hergeben, beteiligen wir uns gerne auch an einer Initiative der rechtskundigen Anrainer.“ (md)