Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.04.2019


Landespolitik

Hörl verteidigt in der Wolfsdebatte die Landwirte

Brief mit scharfer Kritik an Alpenzoo-Direktor André Stadler: „Schafbauern sind keine Wolfsfutter-Lieferanten!“

Gefährlich oder nicht? Die Rückkehr der Wölfe nach Tirol sorgt nach wie vor für heftige Diskussionen.

© thomas boehmGefährlich oder nicht? Die Rückkehr der Wölfe nach Tirol sorgt nach wie vor für heftige Diskussionen.



Innsbruck – Die Aussagen von Innsbrucks neuem Alpenzoo-Direktor André Stadler im TT-Interview sorgen nach wie vor für heftige Diskussionen. Der Biologe hatte erklärt, dass „Wölfe und Bären für den Menschen ungefährlich“ seien und die von Wölfen gerissenen Schafe „zur Gänze abgegolten“ würden.

Gegen diese Aussagen hat, wie berichtet, der Präsident der Landwirtschaftskammer, Josef Hechenberger, bereits heftig protestiert. Jetzt legt Tirols Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl nach. In einem Brief an Stadler, in dem er sich als „Bauer, Wirt, Seilbahner und Nationalrat“ bezeichnet, geht er mit Stadler hart ins Gericht. „Schafbauern sind keine Wolfsfutter-Lieferanten!“, erklärt der bekanntermaßen wenig zimperliche Zillertaler gleich zu Beginn. Er sei „schockiert“ über die Einstellung des Zoo-Direktors den Weidetieren gegenüber, den ständigen Verweis auf Entschädigungen bezeichnet er als „ignorant und sehr einseitig“.

Richtiggehend verärgert zeigt sich Hörl über die Aussage Stadlers, „dass Wolf und Bär für Menschen im Wald völlig ungefährlich“ seien. Er empfiehlt dem Biologen das Studium einschlägiger Fachliteratur – allerdings ausschließlich aus dem amerikanischen Raum.

Hörl nennt in seinem Brief auch Zahlen, wie sie u. a. die Dokumentation „Wolfsangriffe in Europa, Russland, Asien und Nordamerika“, verfasst von den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestags, liefert. Demnach seien in den Jahren von 1950 bis 2000 in Europa 59 Wolfsattacken auf Menschen registriert worden (allein 38 in Estland, Litauen und Lettland); neun davon hätten tödlich geendet. Weiters haben sich laut dem Bericht des Deutschen Bundestags zwischen 2000 und 2018 weltweit 153 Angriffe von Wölfen auf Menschen ereignet, wobei insgesamt 31 Personen zu Tode kamen. In Europa verzeichnet die Statistik in diesem Zeitraum sieben Angriffe und zwei Todesopfer.

Weil die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe, müsse möglicherweise mit weitaus mehr Vorfällen gerechnet werden, heißt es in der Dokumentation. Das tut offensichtlich auch Hörl, der in seinem Brief davon ausgeht, dass die „Rückkehr“ des Wolfes erst begonnen hat und sich sowohl die Wolf-Populationen als auch die damit verbundenen Risiken noch vervielfachen werden. (mz)