Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.04.2019


Bezirk Imst

Kraftwerk in Stams heizt politisches Klima an

GR Peter Thaler ortet „willkürliche Zustände“. BM Franz Gallop will allerdings bis zum Herbst Abgasverbesserungen ausschreiben.

Das Heizwerk in Stams verarbeitet Biomasse zu Fernwärme, wobei die Abgase von Anrainern und im Gemeinderat thematisiert werden.

© ParthDas Heizwerk in Stams verarbeitet Biomasse zu Fernwärme, wobei die Abgase von Anrainern und im Gemeinderat thematisiert werden.



Von Thomas Parth

Stams – „Seit 14 Monaten bemühe ich mich, eine Lösung zu erreichen, aber nichts scheint zu nützen“, gibt der Stamser Gemeinderat Pete­r Thaler zu Protokoll. Der Grund seines Ärgernisses und jener etlicher Stamser Bürger ist das bestehende Fernheizwerk. Laut Thaler läuft dieses seit mehr als drei Jahren ohne entsprechende Filterung. Weder den Eigentümer, das Stift Stams, noch den Heizwerk-Geschäftsführer und Stamser Bürgermeister, Franz Gallop, und auch nicht den Bezirkshauptmann konnte Thaler bisher zum Handeln bewegen. „Vor 14 Monaten, im Februar 2018, hat es von Seiten der Bezirkshauptmannschaft eine Überprüfung der Anlage auf bescheidkonformen Betrieb gegeben“, zeigt GR Thaler auf. In der damaligen Besprechung mit Lokalaugenschein hat ein Beamter kritisiert, dass die Revisionsklappen der Rauchgasfilterung geöffnet seien und in diesem Fall die Anlage nicht betrieben werden darf. „Der Bürgermeister hat gemeint, dass diese zwar geöffnet sind, aber die Filterung ohnehin seit zwei Jahren abgeschaltet ist“, so Thaler.

Daraufhin habe er den „untragbaren Zustand kritisiert“, dass „das Heizwerk ohne Filteranlage“ laufe. „In den vergangenen 14 Monaten hat es drei Messungen gegeben, die viel zu hohe Schadstoff- und Feinstaubwerte aufgezeigt haben“, mahnt Thaler. „Weder der Feinstaub noch die Rauchgase werden entsprechend neuer Technologien aus der Abluft gefiltert.“ „Da anscheinend keine Reparatur möglich ist, bleibt dem Betreiber nur eine Sanierung der Anlage, und dafür bräuchte es eine erneute Betriebsanlagengenehmigung“, ist sich Thaler sicher. „Wenn ein kleiner Gewerbetreibender auch nur einen Beistrich neben dem Gesetz agiert, wird er gestraft. In Stams gehen die Uhren offenbar anders“, gibt sich Thaler, der auch direkter Anrainer der seit gut 20 Jahren bestehenden Anlage ist, frustriert: „Wie das einer energieeffizienten Gemeinde zuträglich sein kann, verwundert nicht nur mich.“ Mittlerweile hat der Gemeinderat mehrheitlich grünes Licht für ein zweites, neues Heizwerk in Stams gegeben, erinnert Thale­r (die TT berichtete). „Bei neuen Anlagen sind Ding­e wie eine Harnstoffeinspritzung zum Stickstoffentzug, ein Elektrofilter oder ein höherer Kamin bereits vorgeschrieben, während bei der bestehenden Anlage offenbar willkürliche Zustände vorherrschen.“

Die Vorwürfe stimmen nicht, lässt sich das Statement von Heizwerk-­Geschäftsführer und BM Franz Gallop zusammenfassen: „Nicht die ganze Kondensationsanlage war außer Betrieb, allein der Wärmetauscher. Das ist ein Missverständnis. Der Wärmetauscher hat großen Einfluss auf die Effizienz des Werks und nur sehr geringen Einfluss auf die Rauchgasverbesserung.“ Anstatt das Heizwerk schlechtzureden, solle GR Thaler anerkennen, dass im Dorf 100 Schornstein­e weniger in Betrieb seien. „Die letzte Messung der Feinstaubwerte lag unter den vorgeschriebenen 50 Milligramm und ist damit in Ordnung“, so Gallop. Allerdings werde man bis 2020 dazu gezwungen, Abgasverbesserungen vorzunehmen. „Diese wollen wir bis zum Herbst ausschreiben“, so der Stamser Bürgermeister.




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