Letztes Update am Sa, 27.04.2019 09:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Spitalsreform: Protestmarsch für Natters am 13. Mai

Gewerkschaft, Ärzte, Pfleger und AK demonstrieren für Krankenhaus. 116 Betten weniger sind es in Innsbruck. Für die Eingliederung der Lungenheilkunde werden 70 Betten umgeschichtet, 45 an der Klinik eingespart.

Die Anzahl der Betten an der Innsbrucker Klinik wird verschoben, rund 45 sollen mit der Spitalsreform reduziert werden.

© Getty Images/iStockphotoDie Anzahl der Betten an der Innsbrucker Klinik wird verschoben, rund 45 sollen mit der Spitalsreform reduziert werden.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Krankenhausreform in Tirol geht in die nächste Phase. Die Spitalsbetreiber haben ihre Stellungnahmen abgegeben. Zuletzt sicherte Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) die Fortführung der bettenführenden Kinder- und Jugendstation im Bezirkskrankenhaus St. Johann zu. Für den Zentralsbetriebsratsobmann der Tirol Kliniken, Gerhard Hödl, ein weiterer Grund, für den Erhalt des Landeskrankenhauses Natters mit der dortigen Lungenheilkunde zu kämpfen. Diese soll ja in die Klinik Innsbruck integriert und die Innere Medizin nach Hall transferiert werden. Für Ärzte und Pfleger von Natters gibt es allerdings eine Job­garantie.

Trotzdem: Der Protestmarsch in der Innsbrucker Altstadt ist zwischenzeitlich angemeldet. „Ursprünglich war der 9. Mai geplant, doch wegen der Landtagssitzung gibt es eine Sperrzone rund um das Landhaus. So werden wir am 13. Mai unseren Unmut gegen die Umstrukturierung von Natters in eine Pflegeklinik kundtun“, kündigt Hödl an. Unterstützung erhalten die 250 Mitarbeiter am dortigen Standort von ÖGB, Arbeiter- und Ärztekammer. Dass nach wie vor keine Zahlen über die Kosten für die Verlegung nach Innsbruck vorliegen bzw. diese unter Verschluss gehalten werden, ärgert Hödl massiv. „Die geplant­e Spitalsreform ist für mich auch ein Kommunikations­desaster.“

Tilg sieht indessen keine Veranlassung, von seinen Plänen einer Pflegeklinik in Natters für junge Pflegebedürftige unter 65 Jahren, für betagte und pflege­bedürftige Menschen mit Behinderung und die Übergangs- und Kurzzeitpfleg­e abzurücken. „Die Verlagerung des Leistungsangebotes der Pulmologie vom Standort Natters an das Landeskrankenhaus Innsbruck ist nach wie vor aktueller Diskussionsvorschlag.“ Die medizinische Expertise der Tirol Kliniken sprech­e sich eindeutig dafür aus. Außerdem habe sich die stationäre Patientenversorgung in Österreich generell weg von der Bettenorientierung hin zur Leistungsorientierung entwickelt. „Eine Anpassung der Bettenstrukturen an das leistungsmengenmäßig notwendige und ausgewogene Maß an allen Spitälern ist erforderlich“, erklärt LR Tilg.

An der Innsbrucker Klinik mit 1476 Betten, davon 65 tagesklinische, sorgt das aktuell für Diskussionen. Schließlich müssen Betten abgebaut und abteilungsübergreifend belegt werden. Dienstag wurden Klinikdirektoren über die geplanten Anpassungen im stationären Bereich und die Stellungnahme der Tirol Kliniken darüber informiert. Im Mai folgen die Detail­gespräche zwischen der Geschäftsleitung der Tirol Kliniken, der Ärztlichen Direktion, den Klinikdirektoren und dem Rektorat der Medizinischen Universität.

Eines steht jedoch fest: Die Anzahl der Betten an der Klinik wird absolut um 45 reduziert. Darüber hinaus müssen noch die 70 von Natters für die neue Lungenheilkund­e eingerechnet werden, was sich freilich auf die bestehenden Betten auswirkt. Weniger stationäre Angebote sind in der Chirurgie (-27), der Gynäkologie (-29) oder Dermatologie (-12) vorgesehen. Gleichzeitig sollen die tagesklinischen Angebote erweitert werden. Die Pläne liegen auf dem Tisch, die Verhandlungen dürften durchaus sportlichen Charakter haben. Denn bei einigen Primar­ärzten wird sich die Begeisterung wohl in Grenzen halten.

Am Landeskrankenhaus Hall bleibt die Bettenanzahl mit 481 in etwa gleich. 36 Betten stehen künftig aber für die Akutgeriatrie zur Verfügung.

Die Liste Fritz will im Mai-Landtag die Spitalsreform noch einmal thematisieren und fordert ein klares Bekenntnis zu den Kranken­hausstandorten Natters und St. Johann.