Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.05.2019


Bezirk Schwaz

Wiesinger Gemeinderat hält an Reha-Widmung fest

Trotz Einspruchs von 39 Bürgern und scharfer Kritik wegen fehlender Gutachten beharrt die Mehrheit der Mandatare auf der Widmung.

Bis ins Foyer drängten sich die Zuhörer bei der Wiesinger Gemeinderatssitzung am Donnerstag.

© DählingBis ins Foyer drängten sich die Zuhörer bei der Wiesinger Gemeinderatssitzung am Donnerstag.



Von Angela Dähling

Wiesing – „Das sollen die Fachabteilungen des Landes entscheiden.“ Dieser Satz von Bürgermeister Alois Aschberger war der meistgehörte am Donnerstagabend bei der Gemeinderatssitzung in Wiesing.

Es ging neuerlich um das heikle Thema „Widmung des alternativen Standorts für die Kinder-Reha“, das den Sitzungssaal aufgrund von 30 Zuhörern zum Platzen brachte. Ein Schreiben mit 39 Unterschriften von Wiesinger Bürgern war in der letzten Märzwoche bei der Gemeinde eingelangt. Die Bürger erhoben Einspruch gegen die am 13. Februar erteilte Widmung des Areals und kritisierten eine ihrer Meinung nach unvollständige Vorprüfung vor allem hinsichtlich des Lärms. Es fehle zudem ein Verkehrskonzept und eine vollständige Gesamtplanung. Mit dem Einspruch hatte sich nun der Gemeinderat zu beschäftigen.

GV Maria Chelucci und ihre WFW-Listenkollegin GR Patrizia Verra kritisierten, dass facheinschlägige Gutachten etwa von Ärztekammer, TGKK und Umweltmedizinern fehlen, obwohl das sogar im von der Senecura (künftiger Betreiber) beauftragten Lärmgutachten angeraten wird. „Das kann das Land machen“, kam einmal mehr die Antwort von BM Aschberger. Er verwies darauf, dass es auch das Land war, das aus sieben vorgeschlagenen Grundstücken in Wiesing jenes an der Jenbacher Landesstraße als das geeignetste ausgewählt hätte. „Der Ball liegt jetzt beim Land“, ist Aschbergers Meinung. Es gelte durch die Widmung zu zeigen, dass Wiesing die Kinder-Reha wolle. Für GV Maria Chelucci war der Widmungsbeschluss vom 13. Februar „ein erschlichener“. „Denn du sagst ja jetzt selbst, dass es damals kein echtes Lärmgutachten gab. Und dann dauerte die so genannte Langzeitmessung 45 Stunden“, sagte sie und kritisierte zudem, dass nach der GR-Sitzung von der Senecura Pläne der Baumassenstudie an die Presse verschickt worden seien, die einen Baukörper mit weit mehr als den geplanten 37 Reha-Betten zeigten.

Das Lärmgutachten habe man wegen der Schneedecke nicht eher machen können, erklärte der Bürgermeister. Zudem sei bei den Lärmmessungen durch das Transitforum Höchstwerte herangezogen worden. Das sei unüblich. Und ob und wann eine Erweiterung auf 150 Betten erfolge, wisse er nicht. Genehmigt seien 37, gegen eine Erweiterung habe er aber nichts. Sollte der Wiesinger Standort für die Reha wegen Lärms vom Land abgelehnt werden, fragt sich Aschberger, wie die Entwicklung anderer Standorte im Inntal möglich sein soll. Er werde dann jede Erweiterung einer medizinischen Einrichtung im Inntal beeinspruchen. Mit 12:3 Stimmen wurde der Widmungsbeschluss letztlich vom Gemeinderat bestätigt.